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Die Kreis-Sparkasse Northeim dünnt ihr Filialnetz aus

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Von: Olaf Weiss

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Die Kreis-Sparkasse Northeim (KSN) reduziert ihr Filialnetz: Ihre zunächst vorübergehend geschlossenen Filialen bleiben dauerhaft geschlossen. Das hat die KSN am Dienstag bestätigt.

Die Zweigstelle der Kreis-Sparkasse in Sudheim.
Künftig ein vergeblicher Weg: Die Zweigstelle der Kreis-Sparkasse in Sudheim gehört zu den sieben Filialen, welche sie nicht weiter betreibt. © Hubert Jelinek

Northeim – Nach den beiden Überfällen auf die Filialen in Höckelheim und Sudheim waren diesen beide Geschäftsstellen sowie die in Düderode, Kalefeld, Lindau, Sebexen und Volpriehausen geschlossen worden, aus Sicherheitsgründen, wie es hieß. Sie werden nun nicht wider geöffnet.

Auch sogenannte SB-Bereiche mit Geldautomaten und Auszugsdrucker werde es dort nicht mehr geben, sagte die Vorstandsvorsitzende der KSN, Ute Assmann. Sie seien dort nicht wirtschaftlich zu betreiben. 80  000 Abhebungen im Jahr seien notwendig, damit ein Geldautomat wirtschaftlich arbeitet. Die Automaten in den sieben geschlossenen Geschäftsstellen erreichten nur einen Bruchteil davon.

Bis zu ihrer Schließung waren die Filialen jeweils nur an zwei Tagen in der Woche für jeweils drei bis vier Stunden geöffnet. Nach Assmanns Worten seien dann aber nur häufig drei Kunden gekommen. Insofern seien die Schließungen auch eine Konsequenz aus dem veränderten Kundenverhalten.

Ute Assmann
Ute Assmann, Vorsitzende des KSN-Vorstandes © Kreis-Sparkasse Northeim

Die betroffenen Mitarbeiter werden in den nahe gelegenen größeren KSN-Geschäftsstellen arbeiten und dort Ansprechpartner ihrer bisherigen Kunden sein. Betroffen sind nach Assmanns Worten rund 4400 Kunden. Die der Filialen Düderode, Kalefeld und Sebexen werden künftig in Echte betreut. Wer bisher in Lindau Kunde war, muss sich nun an die KSN-Geschäftsstelle in Katlenburg wenden. Aus Volpriehausen soll man die Geschäftsstelle in Uslar nutzen und die Kunden aus Höckelheim sowie Sudheim haben in der KSN-Hauptstelle in Northeim ihre neue Anlaufstelle.

Insgesamt 30 Geldautomaten in den verbleibenden elf Geschäftsstellen sowie in sechs weiteren SB-Standorten sollen die Bargeldversorgung sicherstellen, so Assmanns Vorstandskollege Bernd Sommer. Darüber hinaus werde die KSN insbesondere für von der Schließung betroffene, weniger mobile Kunden einen Bargeld-Liefer-Service anbieten. (Olaf Weiss)

Strüder: „Nähe verbindet“ gilt nicht mehr

Die Pläne der Kreis-Sparkasse Northeim (KSN), sieben kleine Geschäftsstellen zu schließen, stößt in der Kommunalpolitik auf Kritik. In Volpriehausen hat sich Ortsbürgermeisterin Sonja Gierke enttäuscht über die Entscheidung geäußert. Aus Lindau hat sich Hans-Joachim Strüder, CDU-Ratsherr im Gemeinderat von Katlenburg-Lindau, zu Wort gemeldet.

Hans-Joachim Strüder
Hans-Joachim Strüder (CDU) © Roland Schrader

„Ohne Geldautomat ist besonders die ältere Bevölkerung vom einfachen Zugang zum Bargeld abgeschnitten“, kritisiert er. Dabei verweist er auf das schlechte Angebot öffentlicher Verkehrsmittel in Lindau, was dazu führe das ältere Einwohner die nächstgelegene KSN-Filiale im vier Kilometer entfernten Katlenburg ohne Hilfe kaum erreichen können.

Noch könne man sich in Lindau mit dem Nötigsten versorgen, betont Strüder. Doch beim Bäcker, im Dorfladen, im Hofladen, aber auch im Festzelt beim Schützenfest sei nur Barzahlung möglich. Bezahlen mit der Karte in anderen Läden ziehe immer Gebühren nach sich. „Also bleibt nur übrig, sich möglichst mit viel Bargeld an einem Geldautomaten, wo auch immer, einzudecken. Das Risiko des Überfalls ist jetzt wenigstens nicht bei der KSN“, resümiert der CDU-Ratsherr sarkastisch. Die KSN führe ihren Slogan „Nähe verbindet“ ad absurdum. Er gelte offensichtlich nicht mehr für den Umgang mit den Kunden, sondern nur noch für Zusammenkünfte des KSN-Vorstandes. „Weil man ja trotz Corona gewachsen ist, kann man ja jetzt auf das große Geschäft setzen, da sind die Kleinen nur hinderlich“, unterstellt er der KSN-Chefetage. Geldinstitute gehören nach Strüders Worten zur Daseinsvorsorge. Er fordert die Kreispolitik deshalb auf, gegen die Pläne der KSN einzuschreiten. Der aus Kreistagsmitgliedern besetzte Verwaltungsrat der KSN solle dafür sorgen, dass „Nähe verbindet“ von der KSN weiterhin mit Leben erfüllt werde.

Dabei erinnert Strüder auch daran, dass der Kampf gegen den demografischen Wandel eine der Aufgaben ist, denen sich die Parteien im Landkreis Northeim verschrieben haben. (ows)

Die Kreis-Sparkasse Northeim in Zahlen

Die Geschäftszahlen der Kreis-Sparkasse Northeim:
- Bilanzsumme im Jahr 2021: 1,78 Milliarden Euro (+13,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr);

- Betriebsergebnis: 14,1 Millionen Euro (-2,8 Prozent);

- Bilanzgewinn: 1,3 Millionen Euro (konstant);

- wirtschaftliches Eigenkapital: 184 Millionen Euro (+3,3 Prozent);

- Kundeneinlagen 1,39 Milliarden Euro (+16,7 Prozent);

- Kunden: 58 000 (konstant); Mitarbeiter: 289; darunter 18 Auszubildende. (ows)

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