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Aus Angst vor radioaktiver Strahlung: Ukraine-Krieg steigert Nachfrage nach Jodtabletten

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Von: Rosemarie Gerhardy

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Jodidtabletten werden als Therapie gegen Schilddrüsenerkrankungen eingesetzt. Zur Vorbeugung gegen Schäden durch radioaktive Strahlung sind diese Tabletten wegen ihrer niedrigen Dosierung jedoch nicht geeignet.
Jodidtabletten werden als Therapie gegen Schilddrüsenerkrankungen eingesetzt. Zur Vorbeugung gegen Schäden durch radioaktive Strahlung sind diese Tabletten wegen ihrer niedrigen Dosierung jedoch nicht geeignet. © Malte Christians dpa/lno

Durch den Ukraine-Krieg und die Sorge vor radioaktiver Strahlung ist die Nachfrage nach Jodtabletten in Apotheken im Landkreis Northeim gestiegen.

Northeim – Der Ukraine-Krieg und die damit einhergehende Sorge vieler Menschen vor radioaktiver Strahlung durch einen Angriff auf ein ukrainisches Atomkraftwerk hat auch in Apotheken im Landkreis Northeim zu einer erhöhten Nachfrage nach Jodtabletten geführt.

„Wir leisten da gerade einiges an Aufklärungsarbeit“, berichtet Apotheker Jens Tschäpe, der Apotheken in Echte, Bad Gandersheim und Seesen betreibt. Nach seinen Worten mache es gar keinen Sinn, sich mit niedrig dosierten Jodtabletten aus der Apotheke einzudecken. Denn die Dosierung für eine sogenannte Jodblockade, bei der „gesundes“ Jod sich durch Einnahme in der Schilddrüse anreichert und damit die Aufnahme von radioaktivem Jod verhindert, müsse sehr hoch erfolgen und auch zum richtigen Zeitpunkt. Jetzt einfach ohne Anlass niedrigdosierte Jodtabletten zu schlucken berge zudem ein großes Risiko an Nebenwirkungen, betont er.

Versorgungsengpass bei niedrig dosierten Jodtabletten könnte bevorstehen

Editha Strüder, Apothekerin der Rats-Apotheke in Lindau, rechnet vor, dass Präparate mit täglicher Einnahme zwischen 100 und 200 Mikrogramm Kaliumjodid enthalten. Für eine Jodblockade müsste ein Erwachsener etwa 130 Milligramm Kaliumiodid einnehmen, das entspräche also einer Einnahme von rund 500 bis 1300 Tabletten.

Auch wenn es aktuell noch keinen Versorgungsengpass bei niedrig dosierten Jodtabletten gebe, könne es aber eventuell dazu kommen. Dann würden denen die Medikamente fehlen, die sie wirklich aufgrund ihrer Erkrankung brauchen, betont Tschäpe. Strüder ergänzt, dass auch sie in der Apotheke zwar noch Jodtabletten vorrätig hätte, aber beim Großhändler seien aktuell keine mehr lieferbar. Deshalb empfehle sie Patienten, die darauf angewiesen sind, sich ausreichend mit Jodtabletten zu versorgen.

Ukraine-Krieg: Keine rationale Begründung für die Einnahme hoch dosierter Jod-Präparate

Der Northeimer Apotheker Wolfram Schmidt hingegen spüre keine verstärkte Nachfrage an Jodtabletten in seinen Apotheken, sagt er auf HNA-Anfrage.

Derzeit gebe es in Deutschland auch keine rationale Begründung für die Einnahme hoch dosierter Jod-Präparate aufgrund der Situation in der Ukraine, teilt auch der Apothekerverband mit. Allein wegen der Entfernung Deutschlands zur Ukraine sei auch nicht damit zu rechnen, dass eine Einnahme von Jodtabletten erforderlich werden könnte.

In Deutschland sind laut dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz aktuell fast 190 Millionen hoch dosierte Kaliumiodidtabletten (Jodtabletten) vorrätig, die im Notfall durch die Katastrophenschutzbehörden verteilt würden. (Rosemarie Gerhardy)

Die Eroberung von Tschernobyl durch Russland ist Grund zur Besorgnis im Ukraine-Krieg. Experten äußern sich zur Gefahr – und der Diskussion um Jodtabletten.

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