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Ein Buch für den Fall der Fälle: Start-up hilft bei der Auseinandersetzung mit eigener Vorsorge

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Von: Josefin Schröder

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Antonia Forcht (links) und Samira Keshani wollen mit dem „If-Vorsorgebuch“ helfen, Pflegewünsche festzuhalten und so Angehörige und Pflegepersonal entlasten.
Antonia Forcht (links) und Samira Keshani wollen mit dem „If-Vorsorgebuch“ helfen, Pflegewünsche festzuhalten und so Angehörige und Pflegepersonal entlasten. © if-Vorsorge GbR

Über die eigene potenzielle Pflegebedürftigkeit zu sprechen, ist kein leichtes Thema. Antonia Forcht und Samira Keshani wollen das mit einem besonderen Vorsorgebuch ändern.

Northeim – Was bedeutet für mich gute Pflege? Wo sind im Fall der Pflegebedürftigkeit, Dokumente wie Patientenverfügung und Vollmachten hinterlegt? Wie stelle ich mir eigentlich meine Beerdigung vor?

Um diese nicht ganz einfachen Fragen geht es im „If-Vorsorgebuch“ von Antonia Forcht, die aus Northeim stammt, und Samira Keshani. Das für ihre Masterarbeit entstandene Werk soll dabei helfen, über die eigene potenzielle Pflegebedürftigkeit zu sprechen.

„Als eine Schnittstelle zwischen der pflegebedürftigen Person, den Angehörigen und den Pflegekräften“, beschreiben es die jungen Frauen. „Das Buch soll festhalten, was mich als Mensch ausmacht, meine Wünsche und Bedürfnisse“, sagt Antonia Forcht.

Sie und Samira Keshani lernten sich während ihres Studiums „Gestaltung“ an der HAWK (Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst) Hildesheim kennen. „Samira hat das Gespür für Design, und ich denke mich gerne strategisch in Prozesse rein“, sagt die 27-Jährige im Gespräch mit der HNA.

Wir sind ein gutes Team, fanden sie, und kamen schnell auf das Thema Pflege für ihre gemeinsame Masterarbeit. Sie hospitierten in Seniorenheimen, führten Interviews mit Pflegekräften, später auch mit Bestattern und Juristen. Dabei ging es immer um die Frage, was Vorsorge bedeutet – emotional und organisatorisch.

Eine Umfrage mit Menschen unterschiedlicher Generationen machte ihnen außerdem deutlich, welche Themen bei der individuellen Fürsorge wichtig sind. Und sie merkten, wie unterschiedlich Familien damit umgehen. „Oft wird auch gar nicht darüber gesprochen“, sagt Forcht. Das wollen die beiden UX-Designerinnen ändern.

UX steht für User Experience (deutsch: Nutzererlebnis). UX-Design meint die Gestaltung, wie Nutzer mit einem digitalen Produkt, zum Beispiel einer Website, interagieren und diese wahrnehmen. Innerhalb von vier Monaten entwickelten die Frauen eine Art Notizbuch im Frage-Antwort-Prinzip.

Neben persönlichen Fragen über Vorlieben und Routinen enthält es Platz für medizinische Informationen und Nachweise zu relevanten Dokumenten. „Es geht dabei um Selbstreflexion und darum, Entscheidungen zu treffen. Denn jeder kann pflegebedürftig werden – egal in welchem Alter“, sagt die Northeimerin Forcht.

Mittlerweile haben die beiden eine GbR gegründet. Mittels Crowdfunding über die Plattform startnext wollen sie die erste Auflage des Buches finanzieren. In den ersten 24 Stunden nach Kampagnenstart konnten sie das Minimalziel von 13 000 Euro erreichen und damit sicherstellen, dass die inzwischen 500 vorbestellten Bücher auch gedruckt werden können. Mehrsprachige Übersetzungen und einen eigenen Onlineshop planen die Gründerinnen für 2023. Langfristig wünschen sie sich, dass das Buch ein fester Bestandteil der Pflege wird und auch im Einzelhandel, Apotheken und Krankenhäusern einen Platz findet.

Das „If-Vorsorgebuch“ kostet 39,99 Euro und kann bis zum 1. Oktober über if-vorsorge.de/ gekauft werden. Antonia Forcht und Samira Keshani sind erreichbar unter hallo@if-vorsorge.de und instagram.com/if_vorsorge/.

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