Impfberechtigte sagen Termine wegen des Impfstoffs ab

Ein Drittel sagt Nein zu Astrazeneca

Eine Hand in blauen Handschuhen hält eine Ampulle mit Astrazenca-Impfstoff, in der eine Spritze steckt.
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Es gibt Vorbehalte gegen den Impfstoff von Astrazeneca. Mediziner betonen, dass das Risiko schwerer Nebenwirkungen aber deutlich geringer ist als an einer Coronainfektion zu sterben

Die Vorbehalte bei Impfberechtigten gegen das Vakzin von Astrazeneca halten an. Rund ein Drittel der Impfberechtigten im Landkreis Northeim, die diesen Impfstoff bekommen sollen, verzichtet offenbar derzeit auf die Impfung.

Northeim – Wie die Northeimer Kreisverwaltung auf Anfrage mitteilte, lassen etwa 15 Prozent der Impfberechtigten im Impfzentrum ihren Termin ungenutzt, wenn sie mit dem Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens geimpft werden sollen. Dabei wisse die Kreisverwaltung allerdings nicht, ob diese Absagen allein auf den Impfstoff zurückzuführen sind, erklärte Sprecher Dirk Niemeyer.

Inzwischen stamme der Hauptanteil der Impfstofflieferungen allerdings von Biontech/Pfizer.

Von denen, die mit Vorbehalten gegen Astrazeneca zu ihrem Impftermin kommen, sagte Dr. Ralf Schiffner, einer der im Impfzentrum tätigen Ärzte, lassen sich sieben bis acht von zehn im Beratungsgespräch überzeugen, sich doch mit dem Vakzin gegen Corona impfen zu lassen. Also verlassen aber rund 20 Prozent das Impfzentrum, ohne sich mit dem Vakzin piksen lassen.

Der Impfstoff ist wegen Hirnvenenthrombosen, die nach der Impfung auftraten, umstritten. Er wird überwiegend an über 60-Jährige verimpft, bei denen diese Komplikation seltener beobachtet worden ist. Das Paul-Ehrlich-Institut (Langen) hat bei rund 4,8 Millionen Impfungen (Stand 20. April) mit Astrazeneca insgesamt 63 solcher Fälle registriert, von denen zwölf tödlich verliefen.

Wolfgang Boldt, der Vorsitzende des Northeimer Ärztevereins, verweist auf Statistiken der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (Degam). Demnach müssten bezogen auf jeweils eine Million Menschen elf 25-Jährige und vier 55-Jährige mit schweren Nebenwirkungen durch eine Astra-Impfung rechnen. Es würde aber 23 von einer Million 25-Jährigen an eine Corona-Infektion sterben. Bei den 55-Jährigen wären es sogar 800.

Boldt kennt die Astra-Skeptiker, berichtet aber auch unter 60-Jährigen, die bei der ersten Impfung Astrazeneca bekommen haben und nun für die zweite Impfung nach diesem Impfstoff fragen, weil sie ihn gut vertragen hätten.

Übrigens: Wer nach einer Terminabsage weiterhin an einer Impfung interessiert ist, müsse sich erneut über das Impfportal anmelden, betonte Sprecher Niemeyer. Alternativ stehe es jedem frei, sich an seinen Hausarzt zu wenden. (Olaf Weiss)

Gruppe mit Priorität 2 noch nicht durchgeimpft

Noch 400 Menschen über 70 Jahre stehen auf der Warteliste des Impfzentrums. Wann die Impfung der Gruppe mit Priorität 2 abgeschlossen ist, vermag die Kreisverwaltung nicht zu sagen. Vielmehr sei festzustellen, so Sprecher Dirk Niemeyer, dass regelmäßig aus jeder Priorität weitere Impfwillige neu auf der Warteliste erscheinen. Der weitere Zulauf sei nicht abschätzbar – ebenso wenig, wie sich das zunehmende Impfen durch die Hausärzte auf die Warteliste auswirke. (ows)

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