180 Menschen gedenken in Einbeck der Opfer von Hanau

Friedliche Protestaktion gegen die Kundgebung der Partei „Die Rechte“

Gedenken an die neun, aus rassischsten Motiven ermordeten Menschen in Hanau vor der Einbecker St. Jacobi-Kirche.
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Gedenken an die neun, aus rassischsten Motiven ermordeten Menschen in Hanau vor der Einbecker St. Jacobi-Kirche.

Mit einer eindrucksvollen Veranstaltung haben rund 180 Menschen quer durch alle Gesellschaftsschichten vor der Einbecker Marktkirche St. Jacobi an die neun, am 19. Februar in Hanau aus rassistischen Gründen ermordeten Menschen gedacht.

Einbeck – Anschließend folgte eine friedliche und lautstarke Protestaktion gegen eine Kundgebung der rechtsextremen Partei „Die Rechte“. Deren Kundgebung begann eine Stunde später auf dem benachbarten Marktplatz mit laut Polizei 18 Teilnehmern als Demo gegen angebliche „linke Hetze und Gewalt“.

Mit dem Gedenken an die Ermordeten in Hanau unterstrichen die Demonstranten, dass sie Rassismus oder Rechtsextremismus nicht dulden, tolerieren oder akzeptieren wollen. Dazu verlasen Katharina Laue-Pietroluongo und Marc Ulrich die Namen der Opfer, deren Fotos Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Gedenken hochhielten.

Die Teilnehmer der Demo, der zu mehrere Gruppierungen wie „Einbeck ist bunt“ aufgerufen hatten, kamen unter anderem aus der Politik.

Der Einbecker SPD-Bürgermeisterkandidat Dirk Heitmüller dokumentierte seine Einstellung mit einem roten Plakat: „Für uns gilt seit 156 Jahren: Kein Fußbreit dem Faschismus.“

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (CDU) präsentierte mit Mitstreitern ein Banner des Kirchenkreises Leine-Solling: „Unser Kreuz hat keine Haken!!! Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Römerbrief 12,21.“ Der Superintendent des Kirchenkreises, Jan von Lingen, betonte: „Es ist mir eine Herzensangelegenheit.“

Nach dem Gedenken vergrößerte sich die Zahl der Demonstranten noch einmal um rund 50, meist jüngere Teilnehmer, weil ihr Zug aus Göttingen Verspätung hatten. Dafür sorgten sie anschließend für ordentlich Krach bei der Kundgebung der Partei „Die Rechte“. Sie waren so laut, dass kaum ein Wort der Redner zu verstehen war. Dazu zählten unter anderem der Vorsitzende des Kreisverbandes Einbeck-Northeim, Tobias Haupt, und der Landesvorsitzende Holger Niemann.

Ihre Beiträge wurden aufmerksam von extra geschulten Beamten verfolgt, um bei rechtswidrigen Passagen gleich einschreiten zu können. Geprüft wurden auch Symboliken und Aufschriften mit möglicherweise verbotenen Inhalten: So gab es Aufschriften wie „Volkssturm“, „Divison Niedersachsen“ und „Solidarität mit Ursula Haverbeck“, einer mehrfach rechtskräftig verurteilten und inhaftierten 91-jährigen Holocaust-Leugnerin.

Die Pressesprecherin der Polizei, Simone Köhler, sagte, insgesamt sei das Einsatzkonzept der Polizei aufgegangen. Ihren Angaben zufolge kam es lediglich beim Abzug der Demonstranten zum Bahnhof zu einem Einsatz einfacher körperlicher Gewalt.

Außerdem wurde ein Verfahren wegen Beleidigung und zwei weitere wegen Ordnungswidrigkeiten eingeleitet, so die Polizei.  (Hans-Peter Niesen)

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