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51-jähriger Einbecker soll für Mord lebenslang hinter Gitter

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Von: Heidi Niemann

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Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.
(Symbolbild) © David-Wolfgang Ebener/dpa

Beweisaufnahme im Prozess um gewaltsamen Tod einer 27-Jährigen jetzt abgeschlossen

Einbeck/Göttingen – Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer 27-jährigen Frau in Einbeck ist jetzt ein Ende in Sicht: Knapp 21 Monate nach Prozessbeginn hat die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Göttingen am Donnerstag die Beweisaufnahme geschlossen und die ersten Plädoyers gehört.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft forderte, den 51-jährigen Ehemann der Getöteten wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe zu verurteilen. Der Angeklagte habe am 14. April 2020 um kurz vor Mitternacht seine Ehefrau durch einen gezielten Schuss aus einer illegal erworbenen Pistole vorsätzlich getötet.

Der Schuss traf sie in der rechten Gesichtshälfte, sie war sofort tot. Der Angeklagte habe seine mehr als 20 Jahre jüngere Ehefrau heimtückisch erschossen, weil diese sich von ihm trennen wollte, sagte der Staatsanwalt.

Der 51-Jährige hatte damals selbst den Notruf gewählt und mitgeteilt, dass er glaube, seine Ehefrau versehentlich erschossen zu haben. Als die Polizei in dem Einfamilienhaus eintraf, fanden sie die Frau blutüberströmt in sitzender Position auf der Couch vor.

Auf dem Couchtisch lag eine Pistole ohne Magazin. Später stellte ein Beamter fest, dass in dem Lauf noch eine Patrone steckte.

Gegenüber den Ermittlern gab der Ehemann an, dass er an dem Abend im Wohnzimmer seine Pistole gereinigt habe. Dabei habe sich versehentlich ein Schuss gelöst.

Diese Version sieht die Staatsanwaltschaft insbesondere deshalb als widerlegt an, weil die Waffe drei unabhängige Sicherungssysteme habe. Eine versehentliche Schussabgabe sei nur möglich, wenn auch die zusätzliche Magazinsicherung überwunden werde. „Eine solche Anhäufung von Zufällen ist nicht anzunehmen“, sagte der Staatsanwalt. Vielmehr habe der Angeklagte die Pistole ohne Magazin auf den Tisch gelegt, um einen Unfall vorzutäuschen.

Auf dem Couchtisch befanden sich auch eine halb leere Flasche Raki und eine leere Glühweinflasche. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte vor oder kurz nach der Tat dort die Flaschen platziert, um damit vorzutäuschen, dass er zum Tatzeitpunkt alkoholisiert gewesen sei.

Der 51-Jährige habe aber beim ersten Notruf noch vollkommen orientiert gewirkt und nach dem Eintreffen der Polizei auch Fragen beantwortet. Erst später habe er zunehmende Symptome einer Alkoholisierung gezeigt. So habe er sich während der Fahrt zum Polizeirevier mehrfach erbrochen und sei nach seiner Ankunft dort eingeschlafen. Daraus sei zu schließen, dass er den Alkohol größtenteils nach der Tat getrunken habe. Auch in anderer Hinsicht sei das Verhalten des Angeklagten inszeniert gewesen, sagte der Staatsanwalt. So habe der 51-Jährige nach außen hin den Anschein der Hilflosigkeit erweckt und die Rettungskräfte dazu aufgefordert, seiner Frau zu helfen. Damit habe er den Eindruck vermittelt, dass seine Frau noch leben könnte.

Wenn es ein versehentlicher Schuss gewesen wäre, wäre aber zu erwarten gewesen, dass er selbst bereits seine Ehefrau geschüttelt hätte, um zu prüfen, ob sie noch lebt. Tatsächlich sei er aber vollkommen untätig gegenüber der Frau gewesen und habe nur den Notruf gewählt.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ist das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt. Die 27-Jährige habe auf der Couch entspannt Musik gehört und sei dann eingeschlafen. Sie sei vollkommen arg- und wehrlos gewesen.

Das Tatmotiv ergebe sich unter anderem aus zahlreichen ausgewerteten Telefongesprächen. So sei es vor der Tat zu zunehmenden Konflikten und Spannungen gekommen. Der Angeklagte habe also damit rechnen müssen, dass es in nächster Zeit zur Trennung kommen würde. Ein Vertreter der Nebenklage erklärte in seinem Plädoyer, dass seiner Ansicht nach auch das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe erfüllt sei.

Der Prozess wird Anfang Dezember mit weiteren Plädoyers fortgesetzt.  (Heidi Niemann)

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