Gelebte Integration

Vom Balkan nach Amerika: Topspieler Boris Senic überrascht SC Greene mit Besuch

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Freuen sich über das Wiedersehen: Hinten, von links: Gerhard Schütte, Bernd Böker, Bernd Lormis, Boris Senic, Bernd Wippermann, Achim Rose und Mike Stremel sowie vorne, von links Matthias Völkel, Ralf Heise, Uwe Heise und Markus Winkler.

Greene. Ein besonderes Wiedersehen nach über 18 Jahren gab es jetzt in der Einbecker Ortschaft Greene. Boris Senic, ehemaliger Spitzenfußballer vom SC, besuchte im Dezember sein früheres Team.

Besonders wird diese Geschichte durch den Werdegang des Amateurfußballers. Senic kam 1994 als Flüchtling aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland. Er konnte das Leben mit den Kriegswirren des Landes nicht mehr ertragen und floh mit seiner Frau Aneta und seinen Söhnen Boris und Igor in einer Nacht- und Nebelaktion, teilt Bernd Böker vom SC mit.

Im August 1994 stieß Boris Senic dann zu einem Trainingsabend dazu und fragte, etwas der englischen Sprache mächtig, ob er ein bisschen mitkicken dürfe. Das war kein Problem, er wurde bei den Altherren des Vereins aufgenommen. Schnell erkannten seine Mitspieler, dass der damals 34-Jährige ihnen einiges an spielerischer Klasse voraus hatte und er wechselte zu den 1. Herren.

Stark nachgefragter Spieler

Senic entwickelte sich, gemeinsam mit Bernd Lormis aus Greene, zu den „Goalgettern“ des SC. Der Mann aus dem Balkan wurde zur großen Stütze der 1. Herren. Zahlungskräftige Vereine aus der Bezirksoberliga und der Bezirksliga aus Einbeck, Bad Gandersheim und Kreiensen warben um den neuen Spieler. Er blieb allerdings in Greene und die Freundschaft zu Bernd Lormis wuchs stetig weiter.

1997, als sich das Kriegsende im ehemaligen Jugoslawien abzeichnete, wurde klar, dass es für Senic keine unbegrenzte Aufenthaltserlaubnis geben würde. Er entschied sich im März 1998 für eine Ausreise in die USA, wo er mit seiner Familie in Boston im Bundesstaat Massachusetts unterkam. Eine ganze Woche wurde bei den Greener Fußballern Abschied von ihrem Leistungsträger gefeiert - und auch Senic und Lormis, deren große Freundschaft auch abseits des Spielfelds bestand, mussten Abschied nehmen.

Jetzt im Dezember feierte Bernd Lormis seinen 50. Geburtstag. Ein ganz besonderes, ungeahntes Geschenk bescherte ihm dabei sein alter Freund Senic, der aus den USA mit seiner Familie anreiste und drei Tage zu einem besonders emotionalen Erlebnis machte.

Integration bis heute

Diese erfolgreiche Integrationsgeschichte nimmt der SC Greene nach eigenen Angaben als Anlass, zu untermauern, wie wichtig die gesellschaftspolitische Stellung von Vereinen auch für die aktuelle Flüchtlingsdiskussion ist. Die Kicker vom SC lebten schon vor über 20 Jahren den Gedanken der Integration - und tun es bis heute. (kmn)

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