Prozess ist gestartet

Mutmaßlicher Brandstifter von Einbeck gibt alle Taten zu

Prozessbeginn vor dem Göttinger Landgericht: Seit Donnerstag muss sich der 24-jährige mutmaßliche Brandstifter für seine zahlreichen Taten verantworten.
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Prozessbeginn vor dem Göttinger Landgericht: Seit Donnerstag muss sich der 24-jährige mutmaßliche Brandstifter für seine zahlreichen Taten verantworten.

Rund ein halbes Jahr nach einer aufsehenerregenden Brandstiftungsserie in Einbeck hat am Donnerstag vor dem Landgericht Göttingen der Prozess gegen einen 24-jährigen früheren Feuerwehrmann aus Einbeck begonnen.

Einbeck/Göttingen - Zum Prozessauftakt legte der Angeklagte ein Geständnis ab. Er habe sich zur Tatzeit in einer tiefen persönlichen Krise befunden und das Gefühl gehabt, „dass sich niemand für mich interessiert“. Er habe dann „ausprobiert, wie das so ist“.

Bei den Brandlegungen habe er „ein befriedigendes Gefühl“ empfunden. Später sei ihm klar geworden, dass es so nicht weitergehen könne. Er habe dann mit dem Gedanken gespielt, mit einem 310 PS starken Auto, das er einige Wochen zuvor nach einer Probefahrt unterschlagen hatte, auf einen stehenden Lkw aufzufahren. „Dann wäre das Leben vorbei gewesen“, sagte der Angeklagte.

Der 24-Jährige, der aus Einbeck stammt und bis Herbst 2017 im Ortsteil Salzderhelden gewohnt hat, ist wegen insgesamt 50 Straftaten angeklagt. Die Staatsanwaltschaft Göttingen wirft ihm unter anderem 16 Brandstiftungen vor. Die erste angeklagte Tat war aber die Unterschlagung des Autos. Der 24-Jährige soll den Wagen mit einem Zeitwert von 37 000 Euro Ende Juli bei einem Autohaus in Hildesheim für eine Probefahrt ausgeliehen und nicht wieder zurückgebracht haben. In den folgenden Wochen sei er mit dem VW Golf VII 4 Motion täglich lange Strecken gefahren.

Wenn er – was manchmal mehrmals täglich vorkam – eine Tankstelle aufsuchen musste, sei er anschließend einfach weggefahren, ohne zu bezahlen.

Da er sich außerdem in dieser Zeit in diversen Hotels einquartiert haben und dann verschwunden sein soll, ohne für Kost und Logis zu bezahlen, ist er auch wegen 33 Betrugstaten angeklagt. Nachdem der Angeklagte rund einen Monat lang ziellos mit dem unterschlagenen Auto kreuz und quer durch die Gegend gefahren war, soll er am 25. August erstmals auf dem Gelände einer Kleingartenkolonie in Salzderhelden gezündelt haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, bis zum 14. September 2020 im Großraum Einbeck 16 Brände gelegt zu haben. Unter anderem habe er ein leer stehendes Wohnhaus sowie mehrere Scheunen, Gartenlauben und Strohballenlager in Brand gesetzt. Der dabei entstandene Sachschaden wird auf knapp eine halbe Million Euro geschätzt. Die Brandstiftungsserie hatte wochenlang die Feuerwehren in Atem gehalten und sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gebracht. Die Polizei setzte eine Sonderkommission ein, die fieberhaft nach dem Brandstifter fahndete.

Den entscheidenden Hinweis lieferte dann ein Foto einer Wildkamera, die den 24-Jährigen kurz vor einem Feuer in unmittelbarer Nähe fotografiert hatte. Ein Feuerwehrmann hatte ihn identifiziert, sodass ein mobiles Einsatzkommando den 24-Jährigen wenige Tage später in einem Hotel in Königslutter festnahm. In seinem Zimmer fanden die Beamten auch einen Liter Brandbeschleuniger.

Der Angeklagte zeigte sich von Beginn an geständig. Als Motiv gab er vor Gericht an, dass er im vergangenen Jahr vor einem Scherbenhaufen gestanden habe. Er sei immer das schwarze Schaf in der Familie gewesen. Nach der Scheidung seiner Eltern habe sein Vater jeglichen Kontakt zu seiner Mutter unterbunden. Als er 2017 von zuhause „abgehauen“ und zu seiner Mutter gezogen sei, habe sein Vater ihm Hausverbot erteilt. Anfang 2020 habe sich dann auch noch seine Freundin von ihm getrennt. Bei den Brandlegungen habe er stets an seine Ex-Freundin und seine Familie gedacht.

Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.  (pid)

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