Corona in Niedersachsen

Einbecker Bürgerspital: In der Corona-Krise ist jedes Patientenbett wichtig

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Vorsorge für den Ernstfall: Triage-Zelt am Eingang des Einbecker Bürgerspitals. 

Wegen der Corona-Krise in Niedersachsen bereitet sich das Bürgerspital in Einbeck vor: Dabei zählt jedes Patientenbett.

Einbeck – Das Einbecker Bürgerspital bereitet sich intensiv auf einen möglichen Ernstfall in der Corona-Pandemie vor: Eine Station der Klinik ist ausschließlich für Covid-19-Patienten vorgesehen. „Hinzu kommen einzelne weitere Isolierbetten, beispielsweise in unserer Notaufnahme für Verdachtsfälle sowie Isolationsmöglichkeiten inklusive Beatmung auf der Intensivstation“, sagt Geschäftsführer Frederic Lazar der HNA. Das Einbecker Bürgerspital sieht er in einer wichtigen Funktion.

Es gehe darum, im Landkreis Northeim regional bestmöglich Kapazitäten für eine Vielzahl von Covid-19-Patienten zu schaffen. Lazar: „Dabei ist jedes Patientenbett womöglich entscheidend.“ Man halte sich dabei an die Vorgaben von Bund und Land.

Corona in Niedersachsen: Keine Planbarkeit im Einbecker Bürgerspital

Für beatmungspflichtige Covid-19-Patienten kann das Bürgerspital in Einbeck bis zu vier Intensivbetten mit Beatmung bereitstellen. Aktuell hat das Krankenhaus 18 Betten für isolierpflichtige, nicht beatmete Covid-19-Patienten zur Verfügung. In einem Katastrophenfall sei dies aber auch noch erweiterbar, erklärte der Geschäftsführer. „Wir haben beim Land Niedersachsen entsprechend Bedarf an weiteren Beatmungsgeräten angemeldet, um hier zeitnah weitere Kapazitäten schaffen zu können“, sagt Lazar. Das Land steuere die Verteilung von den vom Bund bestellten Beatmungsgeräten landesweit.

Das Bürgerspital verfügt über etwa 110 Betten. Von diesen ist aktuell nur ein Teil belegt, da nur noch Leistungen erbracht werden dürfen, die medizinisch dringend erforderlich sind. „Dies stellt uns vor die Herausforderung, einerseits wirtschaftlich und für die Belegschaft tragbar auf diesen Leistungseinbruch zu reagieren und andererseits im akuten Bedarfsfall spontan umfangreich auf vor allem personelle Ressourcen zurückgreifen zu können“, beschreibt Geschäftsführer Frederic Lazar die Situation. „Wir müssen uns täglich neu auf die aktuellen Gegebenheiten einstellen.“ Eine Planbarkeit sei kaum gegeben.

Corona in Niedersachsen: Unterstützung durch die Bevölkerung und Freunde

Es gebe aber im Einbecker Krankenhaus einen sehr starken Rückhalt des Personals und das Bestreben, diese Ausnahmesituation bestmöglich und mit großer Unterstützung durch die Bevölkerung und Freunde der Klinik zu überstehen, berichtet Lazar. Das Einbecker Bürgerspital gehört seit 2019 zu einem der größten strahlentherapeutischen Anbieter in Deutschland, dem Radio-Onkologie-Netzwerk (RON). Zuvor hatte die Klinik zwei Insolvenzverfahren erfolgreich durchgestanden.

Auf die ersten öffentlichen Aufrufe, dass sich weitere Pflegekräfte melden sollten, habe es mehrere Unterstützungsangebote gegeben. „Wir wissen es sehr zu schätzen, dass viele Menschen alle Hebel in Bewegung setzen und beispielsweise bestehende Arbeitsverhältnisse unterbrechen würden, um im Krisenfall zu unterstützen“, sagt Lazar. Das Bürgerspital nehme weiterhin Bewerbungen von „Idealkandidaten“ entgegen, das bedeute von Intensivpflegekräften mit Beatmungserfahrung, die mit einem Abrufvertrag einverstanden wären, die nicht in die Risikogruppe für Covid-19 fallen und deren praktische Erfahrung weniger als fünf Jahre her ist.

Corona in Niedersachsen: Triage-Zelt für Covid-19-Patienten

Seit wenigen Tagen ist am Eingang des Einbecker Bürgerspitals ein sogenanntes Triage-Zelt aufgebaut. Als „Triage“ bezeichnet man ein Verfahren zur Sichtung beziehungsweise Einteilung medizinischer Hilfeleistung. Ziel ist, einen möglichen Covid-19-Patienten bereits vor dem Krankenhaus zu erkennen und gezielt zu behandeln, ohne weitere Kontaminationspunkte in der Klinik zu schaffen. Das Einsatzzelt hat die DRK-Bereitschaft Einbeck aufgebaut, eingerichtet und in Betrieb genommen.

Im Einbecker Bürgerspital arbeiten rund 320 Mitarbeiter, viele davon schon 20 Jahre und länger. Vergangenes Jahr sind 4350 Patienten stationär behandelt, 1750 Operationen durchgeführt sowie 1465 stationäre OPs durchgeführt worden, die auch externen Einrichtungen beliefernde Küche hat 190.000 Essen gekocht.

zfb

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