1. Startseite
  2. Lokales
  3. Northeim
  4. Einbeck

Walter Röhrl in Einbeck: Der Rallye-Profi und die alte Victoria

Erstellt:

Von: Frank Bertram

Kommentare

Lehnt lässig am Ford Capri: Walter Röhrl (links) wird von Karl-Heinz Rehkopf auf dem dem ältesten Auto mit TÜV und Straßenzulassung in Einbeck begrüßt.
Lehnt lässig am Ford Capri: Walter Röhrl (links) wird von Karl-Heinz Rehkopf auf dem ältesten Auto mit TÜV und Straßenzulassung in Einbeck begrüßt. © Frank Bertram

Und? Wie war die gemütliche Fahrt vom PS-Speicher durch die Fachwerkmeile der Tiedexer Straße bis zum Historischen Rathaus auf dem Einbecker Marktplatz? Rallye-Legende Walter Röhrl muss bei dieser Frage nicht lange überlegen: „Holprig!“, sagt der zweifache Weltmeister kurz und lächelnd.

Einbeck - Röhrl war nicht mit seinem Ford Capri oder Porsche 911 die kurze Distanz gefahren, sondern als Beifahrer von PS-Speicher-Stifter Karl-Heinz Rehkopf mit dem ältesten Auto mit TÜV und Straßenzulassung, der Benz Victoria von 1894. Und der Einbecker Oldtimer-Sammler war stolz, dass er „einmal der Fahrlehrer des berühmten Walter Röhrl“ sein durfte.

Der Rallyefahrer war im Fahrerfeld der „Olympia-1972-Revival-Rallye“ am Dienstag in Einbeck auf Zwischenstopp zur Mittagspause.

Vor gut 20 Jahren hatten Walter Röhrl und Karl-Heinz Rehkopf schon einmal gemeinsam in einem Auto gesessen. Damals war Röhrl der Fahrlehrer, der dem Autofan Rehkopf auf dem Salzburgring in einem Donkervoort-Rennwagen mit 270 PS zeigte, wie die Audi 1,8 Liter-Maschine zu fahren ist. Gestern haben Röhrl und Rehkopf in der Rallye-Mittagspause in Einbeck die Rollen getauscht, da erläuterte Rehkopf dem Rallye-Star die von Carl Benz verbaute „Elektronik“, und bei der exklusiven Fahrstunde auf diesem besonderen Automobil demonstrierte er, wie die 130 Jahre alte Motorkutsche mit 6 PS zu fahren und zu lenken ist.

Der Rallye-Weltmeister erinnert sich noch an seine erste Fahrstunde vor vielen Jahren: „Damals hat der Fahrlehrer zu mir gesagt: Aha, wieder ein Schwarzfahrer. Weil ich schon so gut fahren konnte“, lacht der gebürtige Regensburger. „Ich glaube, das fällt heute weg.“ Denn mit einer Benz Victoria ist der 75-Jährige vorher noch nie gefahren. „Es ist ein bisschen entspannter im Vergleich zum Porsche“, sagt Röhrl auf der Kutschbank. „Es ist hier sehr bequem – und ein Lenkrad ist nicht vorhanden, mit dem ich lenken kann.“ Karl-Heinz Rehkopf grinst neben ihm sitzend und wissend, welche Hebel und Räder er drehen und bewegen muss, damit sich die Benzin-Kutsche in Bewegung setzt. „Da bin ich sehr froh, denn da wäre ich sehr nervös“, zeigt Röhrl Respekt vor der 130 Jahre alten Fahrzeugtechnik.

Leider sei man ja in den vergangenen 30 Jahren regelrecht verblödet in den immer moderner werdenden Autos, sagt Röhrl. „Es geht ja heute fast alles automatisch, nur lenken muss man.“

Das Revival der 1972-er Rallye erinnert an die Rallye von Kiel nach München vor 50 Jahren zu den Olympischen Spielen, bei denen Walter Röhrl damals seine ersten Rennerfolge feierte.

Seit Montag sind Fahrer aus acht Nationen wieder von Kiel nach München quer durch Deutschland unterwegs, für sechs Etappen haben sich 197 Teams mit Fahrzeugen von 44 verschiedenen Automarken und 175 verschiedenen Fahrzeugtypen aus den Baujahren 1950 bis 1990 auf den Weg gemacht, insgesamt 2252 Kilometer. Die zweite Etappe am Dienstag führte mit acht Wertungsprüfungen 396 Kilometer von Wolfsburg nach Paderborn.

Das Revival 2022 fährt klimaneutral: Mit einem Ausgleichsbetrag unterstützt die Veranstaltung ein Projekt im Harz zur Aufforstung und Schaffung von gesundem Mischwald. Die mit dem Geld gepflanzten Hasel-, Holunder-, Wildbirnen- und Schlehensträucher sind standortgerecht und bilden mit den Buchen, Schwarzerlen und dem Bergahorn einen gesunden Mischwald, der auch widerstandsfähig gegen den Klimawandel ist.   (zfb)

Auch interessant

Kommentare