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Generationswechsel bei KWS in Einbeck

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Von: Frank Bertram

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Generationswechsel bei KWS: Dr. Andreas Büchting (links) scheidet aus dem Aufsichtsrat aus. Neben ihm sind Dr. Hagen Duenbostel, Vorstandsmitglied Eva Kienle und der neue Vorstandssprecher, Dr. Felix Büchting, zu sehen.
Generationswechsel bei KWS: Dr. Andreas Büchting (links) scheidet aus dem Aufsichtsrat aus. Neben ihm sind Dr. Hagen Duenbostel, Vorstandsmitglied Eva Kienle und der neue Vorstandssprecher, Dr. Felix Büchting, zu sehen. © KWS Einbeck

In der Hauptversammlung des Einbecker Saatzuchtunternehmens KWS hat sich Dr. Andreas Büchting nach 47 Jahren in Vorstand und Aufsichtsrat aus der Firmenleitung verabschiedet.

Einbeck - „Sie haben das Familienunternehmen maßgeblich weiterentwickelt und für die kommende Generation bestens vorbereitet“, würdigte die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, Marie Theres Schnell, die Lebensleistung des 76-Jährigen:

„In der Sprache der Züchter: Hoher Ertrag, sehr gute Qualität, perfekte Standortanpassung sowie Resistenz gegenüber Krisen und Schädlingen.“

Andreas Büchting war von 1978 bis 2007 im Vorstand tätig, zuletzt als dessen Sprecher. Seit 2008 war er Vorsitzender des KWS-Aufsichtsrates. Der Umsatz ist in dieser Zeit von 74 Millionen auf 1,54 Milliarden Euro gestiegen. „Die Entwicklung von KWS zu einem international führenden, innovativen Saatgutunternehmen ist untrennbar mit dem Namen Andreas Büchting verbunden“, sagte Schnell. „Er lebt jeden der Werte Nähe, Verlässlichkeit, Unabhängigkeit und Weitblick persönlich und ist somit Inspirationsquelle und Vorbild für mehr als 5000 Mitarbeiter in über 70 Ländern.“ Büchting habe die Vielfalt im Unternehmen immer gefördert und gefordert.

Mit Dr. Felix Büchting (48) tritt ab 2023 die siebte Generation der Gründer an die Vorstandsspitze. Der bisherige Vorstandssprecher, Dr. Hagen Duenbostel (52), der seit 2003 Mitglied des Vorstandes und seit 2015 dessen Sprecher war, legt nach den Unternehmensrichtlinien eine zweijährige Pause ein, bevor er ab 2025 auf Wunsch der Familienaktionäre Büchting/Oetker Vorsitzender des KWS-Aufsichtsrates werden soll. Bis dahin übernimmt der frühere KWS-Vorstandschef Dr. Philip von dem Bussche (72) den Aufsichtsratsvorsitz, er war von 2005 bis 2012 Mitglied des Vorstandes bei KWS, seit 2008 als Sprecher. „Ich bin acht Jahre abgekühlt, aber mit heißem Herzen dabei“, spielte von dem Bussche auf die sogenannte Cooling-Down-Phase an.

Hagen Duenbostel verlegt seinen Lebensmittelpunkt nun in die Nähe von Innsbruck. Die Pause von zwei Jahren wolle er ernst nehmen und vom operativen Geschäft zur Strategie wechseln. Während der Unterbrechung werde er andere Unternehmen beraten und seine Aufsichtsratsmandate in anderen Gesellschaften wahrnehmen. Und er könne gut loslassen, weil er mit Felix Büchting einen Nachfolger habe, der hervorragend die Werte des Unternehmens verstehe.

Die Hauptversammlung hat turnusgemäß einen neuen Aufsichtsrat gewählt. Neben Andreas Büchting sind nach 15-jähriger Mitwirkung auch Cathrina Claas-Mühlhäuser (Frankfurt/M.) sowie für die Arbeitnehmerseite Jürgen Bolduan ausgeschieden, der Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bleibt.

Die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, Dr. Marie Theres Schnell (München), sowie Victor W. Balli (Zürich) wurden wiedergewählt. Neu im Aufsichtsgremium ist Prof. Stefan W. Hell, Direktor am Max-Planck-Institut für multidisziplinäre Naturwissenschaften in Göttingen. „Ich freue mich, dass ich als Vollblutforscher meine Erfahrungen einbringen kann“, sagte Hell.

Für die Arbeitnehmerseite tritt die Vorsitzende der europäischen Arbeitnehmervertretung, Christine Coenen (Einbeck), ihre zweite Wahlperiode im Aufsichtsrat an. Als weiteren Vertreter hat die Belegschaft Eric Gombert neu ins Gremium gewählt. Der 54-Jährige leitet die KWS-Zuchtstation in Buzet/Frankreich.

Als größte aktuelle Investition am Standort Einbeck, an dem mehr als 1600 Mitarbeiter aus 51 Nationen auf 130 000 Quadratmetern Fläche arbeiten, läuft der Bau eines neuen „Elitespeichers“, der Ende 2024 fertig sein soll. In dieser „Schatzkammer“ werden künftig 1,3 Millionen verschiedene Partien von Rüben-, Öl- und Zwischenfrüchtesaatgut gelagert, die laut KWS die Grundlage für die mehrjährige Entwicklung leistungsstarker und widerstandsfähiger Sorten für die Landwirtschaft bilden.

46 Millionen Euro für „Elitespeicher“ in Einbeck

46 Millionen Euro kalkuliert KWS für den Bau des 17 Meter hohen, am Hang gebauten, dreigeschossigen Gebäudes mit 13 000 Quadratmetern Fläche für rund 100 Mitarbeiter, das seine Energie für die gleichbleibend 7 Grad Celsius für das wertvolle Saatgut mittels Wärmetauschern aus der nahen Einbecker Kläranlage gewinnen will.

Unterstützung für Ukraine

Die KWS ist seit Jahrzehnten auch in der Ukraine vertreten. 170 Beschäftigte arbeiten dort für das Unternehmen, hieß es in der Hauptversammlung. „Als Unternehmen werden wir weiter an der Seite der Ukraine und seiner Menschen stehen und uns in konkreten Projekten am Wiederaufbau beteiligen“, sagte Vorstand Nicolás Wielandt. Die KWS habe sich entschieden, eine kurz vor Kriegsbeginn gestartete Erweiterung einer Maissaatgut-Produktionsanlage in der Ukraine mit einer Investition von 15 Millionen Euro weiterzubauen. Rechtzeitig vor der Saatguternte 2023 soll diese fertig sein.

Fast 108 Millionen Euro Gewinn

KWS erzielte im Geschäftsjahr 2021/2022 einen Umsatzzuwachs von 17 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) stieg um 13,2 Prozent auf 155,1 (137,0) Millionen Euro. Der Jahresüberschuss in Höhe von 107,8 (110,6) Millionen Euro sowie das Ergebnis je Aktie von 3,27 (3,35) Euro erreichten in etwa das Vorjahresniveau. Die Hauptversammlung hat der Ausschüttung einer Dividende von erneut 80 Cent je Aktie zugestimmt. Damit werden erneut 26,4 Millionen Euro an die Aktionäre ausgeschüttet. (Frank Bertram)

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