Pärchen mit Messern diente als Drohkulisse

Erpressung: Amtsgericht Einbeck verurteilt Northeimerin zu Bewährungsstrafe

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Symbolbild

Einbeck – Wegen gewerbsmäßigen Betruges in 19 Fällen mit einer Schadenssumme von über 18.000 Euro sowie Beihilfe zu einer versuchten räuberischen Erpressung hat das Amtsgericht Einbeck eine 25-jährige Northeimerin zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Sie muss zudem 150 Stunden gemeinnnützige Arbeit ableisten. Da alle Beteiligten noch im Gerichtssaal auf Rechtsmittel verzichtet haben, ist das Urteil des Schöffengerichts rechtskräftig. Das Gericht folgte den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

Das Schöffengericht sah es als erwiesen an, dass die 25-Jährige eine 58-jährige Bekannte aus Einbeck 19-mal um verschiedene Geldbeträge betrogen hat, über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr insgesamt 18 130 Euro. 

Als sich die Angeklagte mit der Geschädigten Mitte September 2017 abends auf dem leeren BBS-Parkplatz in Einbeck verabredet hatte, um mit ihr angeblich ein Gespräch über die Rückzahlung ihrer Schulden zu führen, setzten sich auf ein Handzeichen der Angeklagten zwei unbekannt gebliebene maskierte Mittäter hinten ins Auto, hielten den zwei vorne sitzenden Frauen jeweils Messer an den Hals und zwangen sie, am nächsten Geldautomaten 1500 Euro abzuheben.

„Das habe ich Dir doch geschrieben“, habe der Mann des Duos gerufen und auf diverse Handy-Nachrichten angespielt. „Gib denen, was sie wollen, es geht um meinen Sohn“, habe die Angeklagte den Druck noch erhöht. Die 25-Jährige habe dabei sehr vertraut mit dem Paar gewirkt.

Geld bekam das Räuber-Duo jedoch nicht, da das Konto nicht ausreichend gedeckt war. Ohne Beute machte sich das junge Paar unerkannt davon. Es war im Auto geblieben, als die Frauen zum Geldautomaten gingen. Warum sie erst Tage später die Polizei informiert habe, begründete das 58-jährige Opfer als Zeugin: „Ich war so geschockt vom Messer am Hals und wollte nur noch weg.“ Außerdem habe sie gedacht, dass ihre 25-jährige Bekannte ja vor dem Geldautomaten ihren Vermieter angerufen habe, der die Polizei alarmieren sollte. „Das war ein Fehler, sich darauf zu verlassen“, räumte sie vor Gericht ein.

„Wir geben Ihnen noch mal eine Chance“, sagte Amtsrichterin Martina Sievert in der Urteilsbegründung zur Angeklagten. Dass dies wohl die letzte vor einer Freiheitsstrafe sein dürfte, hatte die Richterin deutlich gemacht, als sie das von Beleidigung und Betrug über Diebstahl bis Urkundenfälschung reichende Vorstrafenregister der Angeklagten verlas.

In den jetzt angeklagten Fällen habe die 25-Jährige eine „unfassbare Gutmütigkeit gnadenlos ausgenutzt“, sagte die Richterin. Über ein Jahr lang habe die Angeklagte eine Einnahmequelle gefunden, der sie skrupellos immer wieder andere Begründungen vorspiegeln konnte, warum sie Geld brauchte. Mal waren es Forderungen von Gerichten, mal Kosten einer Klinikbehandlung. Mehrmals musste ein angeblicher, per WhatsApp schreibender „Polizeipräsident“ dafür herhalten, dass die 25-Jährige von der Geschädigten weiteres Geld bekam.

Strafmildernd wirkte sich ein Geständnis aus, dass der Verteidiger der 25-Jährigen für seine Mandantin abgegeben hatte – allerdings erst, nachdem das 58-jährige Opfer umfangreich ausgesagt hatte: Es tue ihr sehr leid, sie räume die Vorwürfe ein und möchte sich bei der Geschädigten entschuldigen, ließ die 25-Jährige erklären.   

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