Planungen für Windpark Hohnstedt vorgestellt

Viel Diskussion um Windkraft in Ahlshausen: Alte Anlage kommt weg

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Sie stehen schon: Zwei Windenergieanlagen bei Ahlshausen im Stadtgebiet Einbeck. Eine davon will Betreiber Willi Teutsch in 2019 abbauen lassen. In Richtung Hohnstedt sollen weitere Anlagen dazukommen. 

Ahlshausen. Das Interesse an der Diskussionsveranstaltung zum geplanten Windpark in Hohnstedt war in Ahlshausen riesig.

Rund 150 Menschen aus den betroffenen Ortschaften Ahlshausen, Sievershausen, Eboldshausen, Hohnstedt und Vogelbeck waren gekommen. Wir fassen die wichtigsten Punkte des fast dreistündigen Diskussionsabends zusammen.

Wer war gekommen?

Bevor die Bevölkerung viel Zeit hatte, ihre Fragen vorzutragen, gab es eine Einführung in die Planungen. Umfangreiche Informationen hatten der Einbecker Ratsherr Willi Teutsch für die Stadt Einbeck, die Umwelt-Management-AG (UMaAG) aus Cuxhaven sowie Geograph Dr. Gerd Busse, der für die Universität Göttingen und zuletzt für die Uni Hildesheim gearbeitet hatte. Sie alle sind der Einladung des Ortsrates gefolgt.

Was war Thema?

Da sich viele Themen mit denen in Hohnstedt überschnitten (HNA berichtete), hier eine Übersicht über einige neue Aspekte.

Anlieferung: Bürger fragten sich, wie die über 70 Meter langen Flügel und die Gondel in den Windpark angeliefert werden sollen. Dies soll laut der UMaAG über die A7-Abfahrt Echte, Kalefeld und vorbei an Eboldshausen in den Windpark erfolgen. Wie genau an Eboldshausen vorbei, bleibt unklar.

Voller Saal: Rund 150 Menschen aus der Region waren zur Diskussionsveranstaltung zu Windkraft ins Gasthaus Ludwig Ernst gekommen. Eingeladen hatte der Ortsrat. Foto: Konstantin Mennecke

Nutzen:Dr. Busse erläuterte, dass in den vergangenen Jahren die Zahl der Windenergieanlagen massiv zugenommen habe, der Anteil der Windenergie im Stromnetz aber minimal angestiegen ist. „Wenn die Kohleenergie wegfällt, werde man den Strombedarf nicht decken können.“ Darauf antwortete die UMaAG, dass man immer das Ganze sehen müsse. „Wir möchten aus der Atomindustrie aussteigen und haben jetzt eine Brückentechnologie für die nächsten 20 bis 30 Jahre. Eine Windenergieanlage baue ich Ihnen in wenigen Wochen ab, das geht bei einem Atomkraftwerk nicht“, betonte Projektentwickler Wolfgang Berger. Damit der Strom letztlich dort ankommt, müsse das Stromnetz weiter ausgebaut werden, außerdem seien Technologien wie die Gewinnung von Wasserstoff durch Pyrolyse mit Strom aus erneuerbaren Energien erst im Anfangsstadium.

Vorteil für Bürger:„Wo profitieren wir in Ahlshausen von den neuen Anlagen?“ wollten mehrfach Bürger wissen. Laut Umwelt-Management-AG werde mit den Anlagen ein erheblicher Teil für die Energiewende und damit für die Umwelt getan. Außerdem fließt ein Teil der Pacht in eine Stiftung für soziale Zwecke. und es gebe die Möglichkeit, sich in Form von Sparbriefen über zehn Jahre zu beteiligen und zu profitieren. Von den 70 Prozent der Gewerbesteuer, die in die Stadt Northeim fließen, da es ihre Flächen betrifft, profitiere Ahlshausen aber nicht.

Gesundheit: Einige Bürger waren besorgt um ihre Gesundheit. Hierzu teilte der Investor mit, dass es aktuell keine Studien gebe, die eine Gesundheitsgefahr für Bürger beim geplanten Windpark Hohnstedt mit über 1000 Meter Siedlungsabstand gebe. Selbst wenn es später andere Erkenntnisse geben sollte, könne die Behörde jederzeit die Anlagen nachmessen.

Dies treffe nicht nur auf Infraschall, sondern auch auf Schattenwurf zu.

Wolfgang Berger betonte in aller Deutlichkeit, dass „wir nicht ein einziges Mal gesagt haben, dass Windenergieanlagen keine Auswirkungen auf den Menschen haben. Wir halten bei diesem Projekt aber alle gesetzlichen Vorgaben ein“.

Was sagt Einbeck?

Willi Teutsch betonte, dass Einbeck beschlossen habe, dass „es keinen Wildwuchs von Windkraftanlagen im Stadtgebiet geben soll“. Einbeck hat zuletzt den Bereich zwischen Ahlshausen und Opperhausen als windhöfigste Fläche ausgewiesen – aufgrund des Rotmilans wurden die Planungen aber wieder gestoppt.

Die weggefallene Fläche werde jetzt dem Bereich Stroit, Dassensen und Brunsen zugeschlagen. „Ahlshausen ist aber raus aus den Planungen und kommt nicht wieder rein“, sagte Teutsch.

Emotionales Ende

Dass dieses Thema die Bürger bewegt, wurde auch in der Emotionalität deutlich, die immer wieder auch die Probleme in Sachen Schattenwurf und Lärm („Ich kann nachts nicht bei offenem Fenster schlafen“) zur Sprache brachte. Willi Teutsch sagte abschließend: „Es tut mir leid um den Leidensdruck, der Ihnen hier in den vergangenen Jahren widerfahren ist. Eine Windenergieanlage, die ich hier bei Ahlshausen betreibe, werde ich im kommenden Jahr abbauen lassen. Es ist aber merkwürdig, dass man von diesem Leidensdruck erst jetzt, nach 20 Jahren erfährt“, sagte Teutsch.

Siegfried Pinkepank, Sprecher der Bürgerinitiative, machte abschließend auf den „sozialen Frieden“ aufmerksam. „Ich persönlich halte es aus, dass wir hier unterschiedliche Meinungen haben. Deswegen bleiben wir trotzdem Nachbarn oder gute Bekannte“, sagte Pinkepank mit dem Wunsch, dass ein Dorf nicht am Ende durch die Windkraft-Debatte gespalten wird.

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