34-Jähriger in Göttingen vor Gericht

PS-Speicher Einbeck: Junge (10) im Automuseum missbraucht

Göttingen/Einbeck. Als ein Zehnjähriger mit seiner Familie das Automuseum PS-Speicher in Einbeck besuchte, soll er von einem Mitarbeiter missbraucht worden sein. Der Mann steht nun vor Gericht. 

Weil er einen zehnjährigen Jungen auf dem Dachboden des PS-Speichers in Einbeck sexuell missbraucht haben soll, muss sich ein 34-jähriger früherer Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Die Tat soll sich in den Osterferien 2017 ereignet haben. Der Junge hatte gemeinsam mit seiner Familie das Automobil- und Motorradmuseum besucht. Der Angeklagte war in dem Ausstellungsgebäude, das jährlich fast 70 000 Besucher verzeichnet, an dem Tag als Aufsicht tätig gewesen.

Die Tat war ursprünglich im April in erster Instanz vor dem Amtsgericht Einbeck verhandelt worden. Das dortige Jugendschöffengericht verurteilte den deutschen kinderlosen Ehemann zu drei Jahren Freiheitsstrafe wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in Tateinheit mit Vergewaltigung. Der Angeklagte legte gegen dieses Urteil Berufung ein, sodass nun das Landgericht Göttingen befinden muss.

Der Zehnjährige hatte am Tattag vormittags zusammen mit seiner Mutter, seinem Bruder und seinem Großvater einen Rundgang durch die Erlebnisausstellung im sechsstöckigen Museum unternommen. Der Junge war von der Ausstellung begeistert, aber enttäuscht, weil er aufgrund seines Alters den Porsche-Rennsimulator nicht nutzen durfte. Die übrigen Familienmitglieder schlugen ihm deshalb vor, stattdessen im oberen Ausstellungsbereich einen anderen Simulator zu nutzen, für den es keine Altersbeschränkung gibt. Sie wollten so lange auf ihn warten.

Der Junge machte sich daraufhin wieder auf den Weg nach oben. Am Eingang zur 6. Etage traf er auf den uniformierten Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes. Er erzählte ihm, dass er gern auch mit dem Rennsimulator fahren würde. Der Angeklagte bot ihm an, mit ihm dorthin zu gehen und ihm dieses Erlebnis zu ermöglichen, doch er führte ihn stattdessen auf den Dachboden.

Der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes ging mit dem Jungen zunächst eine Treppe hinab, die normalerweise nicht von den Besuchern benutzt und nicht von Kameras überwacht wird. Dann erklärte er ihm, dass sie einen anderen Weg nehmen müssten, fuhr mit ihm im Fahrstuhl bis in die 6. Etage, stieg eine weitere Treppe hinauf und öffnete mit einem Transponder die Tür zum öffentlich nicht zugänglichen Dachboden. 

Danach verschloss der 34-Jährige die Tür von innen und forderte den Jungen auf, sich auszuziehen und sich auf den Boden zu legen. 

Dabei wies er darauf hin, dass er auch ein Messer dabei habe. Nachdem er sich an dem Jungen vergangen hatte, band er diesem eine Krawatte um den Hals und schärfte ihm ein, dass er nicht „petzen“ dürfe. Später nahm er die Krawatte wieder ab, gab ihm fünf Euro und ließ ihn zur Tür hinaus. 

Der Junge ging in den Eingangsbereich des PS-Speichers hinunter, wo seine Familie auf ihn wartete. Seine Mutter hatte sich bereits Sorgen gemacht und ihren Sohn ausrufen lassen. 

Der Junge erzählte zunächst nichts von dem Vorfall, wollte aber sofort das Museum verlassen und nach der Rückfahrt sofort duschen. Später hatte er sich dann offenbart. Er befindet sich aufgrund des traumatischen Erlebnisses in psychologischer Behandlung.

Der Angeklagte hatte nach dem Missbrauch zunächst weiter seinen Dienst versehen. Er wurde noch am Tattag vorläufig festgenommen und später wieder auf freien Fuß gesetzt. Aufgrund des Vorfalls erhielt er die Kündigung. 

Zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht in Göttingen räumte er die Tat ein. Er habe inzwischen eine Therapie begonnen, erklärte er. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, welches Ziel er mit seiner Berufung verfolge, sagte er: „Dass ich nicht ins Gefängnis muss.“ Das Gericht will voraussichtlich am nächsten Verhandlungstag sein Urteil fällen. 

Hier ist der PS-Speicher:

Rubriklistenbild: © Pixabay.com

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