„Erschütternde Taten“

Kindesmissbrauch: Vater muss sieben Jahre in Haft

Einbeck/Göttingen. Das Landgericht Göttingen hat am Dienstag einen 36-jährigen Familienvater aus Einbeck wegen schweren sexuellen Missbrauchs seiner drei kleinen Kinder sowie eines Nachbarjungen zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Weil der Angeklagte laut einem psychiatrischen Gutachten an einer schweren krankhaften seelischen Störung leidet, ordnete die Kammer seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Diese Unterbringung sei zeitlich unbefristet, erläuterte der Vorsitzende Richter Michael Kalde.

Erst wenn der Angeklagte soweit therapiert sei, dass von ihm keine Gefahr mehr ausgehe, könne er aus der Psychiatrie entlassen werden. Dies könne sehr viel länger als sieben Jahre dauern.

Die Hauptverhandlung habe den Beteiligten sehr viel abverlangt, sagte der vorsitzende Richter am Dienstag. Das Gericht habe sich mit „erschütternden Taten“ befassen und „in Abgründe schauen“ müssen. Am Ende verurteilte ihn die Kammer wegen insgesamt 17 Straftaten.

Demnach hatte der 36-Jährige über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg erst seine zwei Söhne und später seine Tochter missbraucht, als diese im Säuglings- und Kleinkindalter waren. In einem Fall war ein eineinhalbjähriges Nachbarkind das Opfer. Der Angeklagte sei dabei nur wenige Minuten allein mit dem Jungen in der Wohnung gewesen, sagte der Richter. Der Angeklagte hatte sowohl von dieser Tat als auch von diversen Missbrauchshandlungen mit seinen eigenen Kindern Fotos und Videofilme angefertigt und über ein Internet-Forum an einen Tauschpartner versandt.

Über diese Verbindung war die Polizei auf die Spur des 36-Jährigen gekommen. Das Bundeskriminalamt hatte zunächst gegen den Tauschpartner ermittelt und dessen Rechner sichergestellt. Durch Auswertung der Daten und weitere verdeckte Internet-Recherchen konnten die Ermittler dann den Familienvater identifizieren. Nach Angaben des Richters hatte sich dieser bereits seit dem Jahr 2000 mit kinderpornographischem Material beschäftigt und in einschlägigen Chats verkehrt.

Ein psychiatrisches Gutachten hatte ergeben, dass der 36-Jährige an einer multiplen Störung der Sexualpräferenz leidet, die stetig an Intensität zunimmt.

„Der Angeklagte wusste, was er tat“, sagte Kalde. Aufgrund der schweren krankhaften seelischen Störung sei aber seine Fähigkeit, sein Verhalten zu steuern, erheblich beeinträchtigt. Deshalb stelle der 36-Jährige eine Gefahr für die Allgemeinheit dar und müsse in der Psychiatrie untergebracht werden.

Nachdrücklich verwies der Richter auf die schweren Folgen für die Opfer, vor allem für die drei Kinder: Diese waren nach der Festnahme des Vaters aus der Familie herausgenommen worden. Seitdem leben die Geschwister getrennt voneinander in unterschiedlichen Einrichtungen. (pid)

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