Mit der Tin Lizzy durch Europa mit Halt in Einbeck

Beeindruckt nach dem Besuch der Ausstellung: Bernhard Brägger mit seiner „Tin Lizzy“ vor dem PS-Speicher in Einbeck. Foto: Bertram

Einbeck. Mit einem fast 90 Jahre alten Auto, der legendären „Tin Lizzy“ fährt Bernhard Brägger derzeit 20.000 Kilometer an die äußersten Punkte des europäischen Festlandes.

Jetzt machte er in Einbeck am PS-Speicher Halt.

Hält die Technik des legendären Ford T-Modells so eine Tortour aus? Noch fehlen 800 Kilometer. „Aber ich glaube, das Experiment ist gelungen“, sagt Brägger und schaut zufrieden auf seine „Tin Lizzy“, wie das 1926 gebaute 22-PS-Fahrzeug auch genannt wird.

Henry Fords Blechgefährt hat dem 72-jährigen auf seiner Tour bislang treue Dienste geleistet. „Das Ding ist einfach unheimlich robust.“ Selbst der stärkste Sturm konnte Brägger in seinem offenen Tourer nicht stoppen und brachte ihn mit seiner „Blechliesel“ jetzt nach Einbeck. Das für Treue und Zuverlässigkeit bekannte Automobil aus der Gründerzeit der individuellen Mobilität trifft die Erlebnisausstellung PS-Speicher.

Das 1908 erstmals produzierte Ford T-Modell ist das Auto, das bei „Laurel & Hardy“ auf offener Straße auseinanderfällt, das für Stummfilmstars und Klamauk steht. Ihren Verkaufserfolg, der erst vom VW Käfer eingeholt wurde, verdankte die Kultkiste aus den USA einfachster Bedienung und schlichter Technik, die noch heute selbst für Laien beim Blick in den Motor sichtbar wird.

Geschaltet wird mit den Füßen, Gas geben funktioniert mit der Hand. Seit vergangenem Jahr Ostern ist der Schweizer Bernhard Brägger aus Oberwil (Kanton Zug) so mit seiner 1926 gebauten original „Blechliesel“ unterwegs.

Maximal schafft der Ford 60 Stundenkilometer, im Durchschnitt tuckert der 72-Jährige mit seiner „Tin Lizzy“ und Tempo 30 ohne Navi nur mit Karte über die Nebenstraßen. „Ich habe einen sanften Fahrstil“, sagt er. Lange Alleen seien pure Meditation.

„Mechanalog“ hat Brägger sein Projekt getauft: Mechanisch, analog und beharrlich führt den Ex-Rallyefahrer sein Weg durch Europa an den westlichsten, südlichsten, östlichsten und nördlichsten Punkt des Kontinents. In Portugal, Finnland, Polen und Bulgarien ist er bereits gewesen, bei Schnee und Eis zum Nordkap geschlittert.

Seine „Blechliesel“ machte alles mit: Hitze, Kälte, Nässe und Trockenheit. Unterwegs sammelt Brägger Eindrücke: Impressionen, wie unterschiedlich die Menschen auf „Tin Lizzy“ reagieren. Diese will der Autor später in einem Buch veröffentlichen.

In Italien war er schnell umringt und ins Gespräch verwickelt, sobald er auf die Piazza rollte. In Finnland schauten die Menschen erstmal schüchtern von Ferne. Im Mittelpunkt jedoch stand und steht der Ford T immer.

Beeindruckt ist Bernhard Brägger nach einer Führung von der Oldtimer-Ausstellung im Einbecker PS-Speicher. „Die ist gelungen und verrückt, hier werden die Exponate nicht einfach nur hingestellt, sondern wirklich ausgestellt“, lobt der Schweizer das Konzept.

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