Unfall simuliert

Polizei Einbeck testet Autofahrer: „Der krepiert hier und keiner hilft“

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War froh, dass es nur eine Übung war: Felix Fuchs stellte den Verletzten im Auto dar, geschminkt und präpariert vom Jugendrotkreuz-Leiter Jan Störmer (im Hintergrund). 

Anhand einer Unfallsimulation wollte die Polizei Einbeck die Hilfsbereitschaft von Verkehrsteilnehmern testen. Die Ergebnisse waren erschreckend.

Die meisten Autofahrer fahren einfach vorbei. Sie ignorieren den Verkehrsunfall. „Die Bilanz ist erschreckend“, sagt Polizei-Einsatzleiter Dirk Johanning. Nur 25 von mehr als 200 Fahrzeugen haben an dem offensichtlich gegen einen Baum gefahrenen Auto angehalten und wollten helfen. Sechs Notrufe registrierten Polizei und Feuerwehr.

„Da saß ja niemand drin“, war die Ausrede von einem der etwa 50 Autofahrer, der wenige Hundert Meter weiter von der Polizei angehalten wurde. Und der Mann lag falsch: In dem Unfallwrack saß ein schwer verletzter junger Mann mit blutender Kopfwunde.

Entwarnung: In diesem Fall war alles nur ein Test. Die Polizei wollte in Einbeck prüfen: Wie viele Autofahrer stoppen bei einem Unfall am Straßenrand und leisten Hilfe?

Das Unfallszenario: Ein Kleinwagen ist gegen einen Baum gefahren, die Motorhaube ist erkennbar eingedrückt, die Frontscheibe gesplittert, der Fahrer sitzt noch verletzt im Fahrzeug.

Auf der dafür kurzfristig abgesperrten Straße am Einbecker Ortsrand in Richtung Bartshausen hatten die Feuerwehr und das Deutsche Rote Kreuz das Szenario präpariert, dem mutmaßlich verletzten Fahrer eine blutige Wunde an die Stirn geschminkt. Dann hieß es abwarten. Versteckt hinter einer Hecke warteten die Beamten. „Erschreckend, wie viele Fahrzeuge vorbei fahren“, sagt Peter Schliep, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion.

Vorbeifahren ist eine Straftat

Die meisten Autos fahren vorbei. „Das ist unterlassene Hilfeleistung und eine Straftat“, sagt Dirk Johanning. Mit seinen Kollegen macht er die heraus gewunkenen Fahrer auf ihr Fehlverhalten aufmerksam. Die Polizei löst die Übung immer wieder auf, sobald doch mal ein Autofahrer anhält, um zu helfen. Mit ihren Kollegen geben Dirk Johanning und Peter Schliep direkt vor Ort Tipps, wie die Ersthelfer am Unfallort die Hilfe noch weiter verbessern können.

Beispielsweise indem der erste Helfer direkt mit dem Verletzten spricht, nachdem er den Notruf gewählt hat, und das zweite stoppende Fahrzeug dann mit Warnblinkanlage die Unfallstelle absichert.

„Wenn man jemanden da in dem kaputten Auto sieht, denkt man nicht mehr“, sagt ein Autofahrer, der anhält, um zu helfen. Er will gerade noch andere Autos stoppen, als Dirk Johanning und seine Kollegen sich zu erkennen geben. Warum andere einfach weitergefahren sind, kann der aufgebrachte Ersthelfer nicht verstehen: „Der krepiert hier und keiner hält an.“

Im Kreis Kassel hielt niemand an

Vor wenigen Tagen gab es im Kreis Kassel eine Übung mit einem verunglückten Bus. Erschreckende Erkenntnis dabei: Kein Autofahrer hielt an.

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