„Ich habe gewusst, er schafft das.“

Die Rettung kam durchs Telefon: Frau reanimierte ihren Ehemann

Helfer in der Not: Gemeinsam haben Disponent Lars Müller (von links) und Anja Schlake im Juli 2015 das Leben von Stefan Schlake gerettet. Auch Leitstellenleiter Kai Reichelt freut sich über den guten Ausgang der Geschichte. Foto: Schwekendiek

Kuventhal. Anja Schlake musste im Sommer vorigen Jahres ihren Mann Stefan reanimieren - Disponent Lars Müller, bei dem der Notruf gelandet war, leitete sie an.

Kurz nach dem Abendessen bricht Stefan Schlake plötzlich auf dem Sofa zusammen. Aus heiterem Himmel erleidet der 48-Jährige einen Herzinfarkt, obwohl er sich eigentlich kerngesund fühlte. Sein Herz gerät dabei so aus dem Takt, dass es stehenbleibt.

„Ich war total in Panik und wusste überhaupt nicht, was ich machen soll“, erinnert sich seine Frau Anja an den 28. Juli des vergangenen Jahres. Geistesgegenwärtig wählt ihr Sohn den Notruf, gibt der Mutter das Telefon. In der Rettungsleitstelle nimmt Lars Müller den Notruf entgegen. Er ist für solche Fälle speziell geschult.

In wenigen Worten erklärt er der 48-Jährigen, wie die Herz-Druckmassage funktioniert. Anja Schlake aktiviert den Lautsprecher des Telefons, dann fängt sie mit der Wiederbelebung an. „Ich musste die ganze Zeit laut zählen, eins, eins, eins und so weiter“, berichtet sie. „Nur so wusste ich, wie schnell sie drückt und dass sie nicht aufhört“, ergänzt Lars Müller. Parallel alarmiert er Rettungsdienst und Notarzt.

Bis zum Eintreffen der Helfer acht Minuten später bleibt Müller telefonisch an der Seite von Anja Schlake, animiert sie zum Durchhalten. „Das war unglaublich wichtig, dass da jemand mit mir spricht“, bestätigt sie. Gemeinsam retten die beiden dem Familienvater das Leben.

Stefan Schlake selbst bekommt von den dramatischen Ereignissen nichts mit. Mehrfach müssen die Retter sein Herz per Elektroschock stimulieren. Weil das Treppenhaus zu eng ist, wird er von der Feuerwehr per Drehleiter aus dem oberen Geschoss geholt.

Eine Woche liegt er im Koma - für Familie und Freunde eine Zeit des Bangens. „Wir wussten ja nicht, ob sein Gehirn Schaden genommen hat“, sagt Anja Schlake. „Trotzdem habe ich immer positiv gedacht und gewusst, er schafft das.“

Eine Woche im Koma 

Im Northeimer Krankenhaus erwacht Stefan Schlake schließlich aus dem Koma. „Diese Zeit fehlt mir bis heute im Gedächtnis“, sagt er. Sieben Wochen verbringt er im Krankenhaus, vier Wochen in der Reha. Dann ist klar: Bis auf kleine Defizite bei der körperlichen Fitness wird er keinen bleibenden Schaden davon tragen. Das verdankt er vor allem der schnellen Reaktion seiner Familie.

„Ein so positiver Ausgang ist überaus selten“, bestätigt auch Kai Reichelt, Leiter der Rettungsleitstelle. Gemeinsam mit Lars Müller hat er die Familie kürzlich zu Hause in Kuventhal besucht. „Auch für uns ist das sehr bewegend. Meistens bekommen wir ja gar nicht mit, wie es den Patienten ergeht.“

Sieben Rippen hat Anja Schlake ihrem Mann bei der Herz-Druckmassage gebrochen. Doch diese Verletzungen sind schnell verheilt. Seit Anfang Januar steht der gelernte Einzelhandelskaufmann wieder voll im Berufsleben. „Eigentlich ist wieder alles wie vorher“, sagt er und lacht. Nur das Rauchen, das habe er nach 33 Jahren endlich aufgegeben.

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