50-jähriger Kurde soll der Drahtzieher gewesen sein

Drogenschmuggel: Über vier Jahre Haft für Einbecker

Die Statue einer Frau ist vor blauen Himmel zu sehen, sie hält eine Waage in der linken Hand.
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Symbolbild: Eine Statue der Justitia.

Göttingen/Einbeck - Vor dem Landgericht Göttingen ist am Freitag ein seit vier Monaten laufender Prozess um einen groß angelegten Marihuana-Schmuggel aus Spanien zu Ende gegangen. Das Landgericht verurteilte einen 50-jährigen Mann aus Einbeck zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren.

Der 50-Jährige ist bereits einschlägig vorbestraft, allerdings nicht in Deutschland, sondern in Rumänien.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, diese hatte eine Gesamtstrafe von sechs Jahren gefordert. Die Verteidigung plädierte dagegen auf eine Freiheitsstrafe von höchstens drei Jahren.

Nach Überzeugung der Kammer war der Angeklagte der Initiator und Organisator zweier illegaler Drogenimporte im Mai 2019.

Der 50-Jährige habe Kontakt zu Rauschgifthändlern in Spanien gehabt und dort mindestens zehn Kilo Marihuana bestellt, sagte der Vorsitzende Richter Martin Speyer. Ein Mann mit Wohnsitz in Bilbao erhielt dann den Auftrag, die bestellten Drogen nach Süddeutschland zu bringen und dort einem weiteren Beteiligten zu übergeben.

Der Kurier habe zunächst mehr als zwei Kilo Marihuana von Spanien nach Deutschland transportiert und gemäß den Anweisungen des Angeklagten dem dritten Mittäter übergeben. Zwei Wochen später sei er dann ein zweites Mal in einem Flixbus mit mehr als acht Kilo Marihuana eingereist.

Fahnder der Polizei in Baden-Württemberg waren allerdings im Rahmen anderer Ermittlungen auf die Schmuggelaktivitäten aufmerksam geworden. So wussten sie, dass sich der Kurier nach der zweiten Drogenlieferung in einem Hotel in Freiburg aufhielt. Dort tauchte dann abends der dritte Beteiligte auf. Dieser hatte, wie die Ermittler aus abgehörten Telefongesprächen wussten, regelmäßig in kurdischer Sprache mit einem Mann telefoniert, den er als „Onkel“ bezeichnete. Das Gericht hält es für erwiesen, dass der Einbecker dieser Ansprechpartner gewesen sei. Dies ergebe sich aus Telefondaten sowie abgespeicherten Fotos.

Zu seinen Gunsten wertete die Kammer, dass er in Deutschland, wo er sich seit 2014 aufhält, nicht vorbestraft sei. Außerdem sei er besonders hart von der seit Mitte Januar andauernden Untersuchungshaft betroffen. Er sei während dieser Zeit Vater geworden und habe sein Kind bislang nicht sehen können.

Die Kammer entschied zwar, dass der Haftbefehl in Kraft bleibt, setzte diesen jedoch bis zur Rechtskraft des Urteils außer Vollzug. Der Angeklagte muss seinen Pass abgeben und sich einmal wöchentlich bei der Polizei Einbeck melden.  pid

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