Grabungen auf Gelände am Deinerlindenweg

Archäologen finden in Einbeck Urnen neben Resten alter Badeanstalt

Stadtarchäologe Markus Wehmer zeigt Fundamente von Gebäuden der Badeanstalt aus dem 19. Jahrhundert. Im Hintergrund Teile des ehemaligen Krankenhauses (heute Seniorenheim).
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Stadtarchäologe Markus Wehmer zeigt Fundamente von Gebäuden der Badeanstalt aus dem 19. Jahrhundert. Im Hintergrund Teile des ehemaligen Krankenhauses (heute Seniorenheim).

Überreste aus verschiedenen Epochen haben Archäologen bei ihren Grabungen am Deinerlindenweg in Einbeck freigelegt. Die ungewöhnliche Bandbreite reicht dabei von der Steinzeit bis zum 19. Jahrhundert.

Einbeck – Zum Vorschein kam erstmals in Einbeck ein Urnengräberfeld aus dem zweiten Jahrhundert mit bislang insgesamt 19 dokumentierten Bestattungen. Mehrere Keramik-Urnen waren dabei nahezu unversehrt, erläuterte Grabungsleiterin Sarah Enders.

Außerdem stießen die Archäologen auf Fundamente der wohl ältesten Einbecker Badeanstalt am Mühlenkanal, die 1878 öffnete. Dazu hat Stadtarchäologe Markus Wehmer geschichtliche Hintergründe recherchiert, unter anderem im Privatarchiv von Einbecks Gastronomie-Forscher Walter-Wilhelm Funcke.

Archäologie-Grabungsleiterin Sarah Enders an einer Urne aus der älteren römischen Kaiserzeit.

Bis Ende August wird auf dem rund 10 000 Quadratmeter großen Areal am Deinerlindenweg von der Firma Arcontor Projekt GmbH (Cremlingen) noch gegraben. Bis zu acht Mitarbeiter, darunter Archäologen, Grabungstechniker und Zeichner, sind bereits seit Anfang Juni auf dem Gelände aktiv, das künftig Baugebiet werden soll.

Bis vor wenigen Monaten standen auf einem Teil der Fläche noch Gebäude der Stadtgärtnerei und das ehemalige Schwesternwohnheim des früheren Krankenhauses (heute Seniorenheim). Dort stand auch jahrzehntelang das mittlerweile versteigerte Marktkirchen-Modell (HNA berichtete).

Herausragend, weil in Einbeck in dieser Form bislang noch nie gefunden, ist ein Gräberfeld von 19 Bestattungen aus dem 2. Jahrhundert, alle in Keramik-Urnen beigesetzt. Einige der Urnen sind im guten Zustand und werden geborgen, um sie weiter wissenschaftlich zu untersuchen. Die Asche und Knochenreste der auf Scheiterhaufen verbrannten Menschen hat man damals sowohl in die Urne als auch rund um die Urne gestreut, berichtet Stadtarchäologe Markus Wehmer. Mit „Hexen“ hätten diese Scheiterhaufen übrigens nichts zu tun, betont er. Scheiterhaufen seien in dieser Zeit für Feuerbestattungen normal gewesen.

Keramik-Funde konnten auch aus der Steinzeit geborgen werden, aus der sogenannten Michelsberger Kultur (3800 v. Chr. ). Leider habe man keine Tierknochen entdecken können, denn diese Kultur zeichnete sich durch Rinderhaltung aus statt durch Ackerbau. Datieren konnten die Archäologen die Funde durch Keramikreste.

Für Archäologen geradezu die Gegenwart war die Freilegung von Grundmauern der wahrscheinlich ersten Einbecker Badeanstalt aus dem 19. Jahrhundert. „Auf der Insel“, wie dieser Bereich hinter der Deinerlinde zwischen Krummen Wasser und Mühlenkanal genannt wird, gab es damals Carl Bolles Badeanstalt. Dort konnten die Einbecker in einer Zeit baden, in der noch niemand zuhause ein eigenes Badezimmer und schon gar kein fließendes Wasser hatte.

1878 zur Eröffnung bot Bolle Einzelbäder und Handtücher sogar im Abonnement für 2 Mark pro Jahr. Wahrscheinlich hat ein Steg in den nahen Mühlenkanal geführt. Geöffnet war das Badehaus früh morgens und ab 15 Uhr für Männer, für Damen von 8 bis 12 Uhr. Carl Bolle annoncierte in der Zeitung aber nicht nur seine Badeanstalt, dort gab es in anderen Gebäudeteilen 1885 auch Tanzmusik und eine Gaststätte.

Wohl Anfang des 20. Jahrhunderts musste der Betrieb eingestellt werden. Die Gebäude wurden zu städtischen Wohnungen umgebaut, bis in der Folgezeit das Krankenhaus auf der „Insel“ (heute Seniorenheim) und die Stadtgärtnerei das Gelände nutzten. Wann die Gebäude abgebrochen wurden, ist nicht bekannt. Frank Bertram

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