Eine Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt

Urteil gegen Einbecker: 13 Freisprüche wegen Schuldunfähigkeit 

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Justitia

Einbeck. Ein 42-jähriger Einbecker ist vom Schöffengericht Einbeck zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Bei 13 anderen Anklagepunkten gab es Freisprüche wegen Schuldunfähigkeit.  

Der 42-Jährige habe eine neue Chance verdient, sagte das Einbecker Schöffengericht und verurteilte den Mann zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe wegen Diebstahls unter Waffengewalt, setzte diese aber zur Bewährung aus. „Mit Auflagen, die nur helfen sollen“, wie Richter Thomas Döhrel in seiner Urteilsbegründung sagte.

In den nächsten drei Jahren müsse der Einbecker eine ambulante Psychotherapie machen, regelmäßig seine Medikamente nehmen, ein Bewährungshelfer solle helfen, ein geordnetes Leben zu führen. In einem halben Jahr möchte das Gericht einen ersten Zwischenbericht sehen.

„Es passiert nicht wieder“, versprach der 42-Jährige in seinem Schlusswort. Auf Geld- oder Arbeitsauflagen verzichtete das Gericht, weil der Mann bereits in Untersuchungshaft gesessen hat. In allen anderen 13 angeklagten Punkten, darunter zwei Vorfälle in Einbecker Kirchen und andere „Dinge, die sehr ungewöhnlich sind“, wie Richter Thomas Döhrel einräumte, hat das Amtsgericht den 42-Jährigen freigesprochen, weil dieser zum Zeitpunkt der Taten vollständig schuldunfähig gewesen sei.

Das hatte zuvor auch der Sachverständige so beurteilt. Während der zwei Tatkomplexe im September 2016 und im Juli 2017 sei der 42-Jährige jeweils mehrere Tage akut psychotisch gewesen, „nicht in der Lage, sich realitätsangemessen zu verhalten“, sagte der Gutachter.

Angeklagter erinnert sich nicht

An vieles könne sich der Einbecker nicht erinnern. Als er mit einer Rohrzange eine Autoscheibe eingeschlagen, die Tür einer Nachbarin wegen zu lauter Musik eingetreten habe oder tags darauf im Baumarkt gewesen sei, habe sich der 42-Jährige verfolgt gefühlt. Jemand habe ihm nach dem Leben trachten wollen.

Das Autofenster habe er eingeschlagen, weil er die Vorstellung gehabt habe, in der Wohnung, die er mit renovieren wollte, solle er vergiftet werden. Sicherheitsschuhe im Baumarkt habe er sich deshalb aus dem Regal genommen und gegen seine eigenen getauscht, ohne zu zahlen, weil er den Gedanken gehabt habe, seine Schuhe seien mit Gift imprägniert worden.

Beim nächsten Schub knapp ein Jahr später habe der Mann mit einer Herdplatte geworfen, eine Türscheibe eingeschlagen und die Kirchentüren zum Lüften geöffnet, weil er Dämonen am Werk gesehen habe, die in Einbeck schädliche Substanzen verteilt hätten, berichtete der Sachverständige in seiner Beurteilung.

Die Staatsanwältin hatte auch eine krankheitsbedingte Schuldunfähigkeit bei den meisten Taten erkannt, bis auf eine, einem Parfüm-Diebstahl mit einem Messer. Hierfür forderte sie eine sechsmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Das Aggressionspotenzial und die Rückfallgeschwindigkeit des Angeklagten seien erheblich, eine Bewährung habe man bei dem heute 42-Jährigen vor einigen Jahren schon einmal widerrufen müssen.

Der Angeklagte sei kein Bewährungsversager, meinte dagegen das Schöffengericht, 2012 habe es einen Biografie-Bruch ins Positive gegeben, die vor allem aus Diebstählen und Drogendelikten bestehende lange Reihe von Vorstrafen habe damals geendet.

Der Pflichtverteidiger des 42-Jährigen hatte plädiert, auch den Diebstahl habe sein Mandat im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen. Das Parfum habe er nicht stehlen wollen, sondern dies sei eine „straflose Gebrauchsanmaßung“ gewesen, weil er es in der Umkleide nur habe versprühen wollen. 

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