Einbecker Tierschutzverein hat kein Geld mehr, um die Mitarbeiter zu bezahlen

Die Villa Wuff in Einbeck muss schließen

Für sie gibt es im Tierheim keine Arbeit mehr: Der Tierschutzverein Villa Wuff kann die beiden hauptamtlichen Mitarbeiter Holger und Katrin Niedrig nicht mehr bezahlen. Archivfotos: Bertram/nh

Einbeck. Der Tierschutzverein Villa Wuff wird zum Jahresende sein Tierheim schließen – aus finanziellen Gründen, wie Vorsitzender Thomas Schlachter und sein Stellvertreter Thomas Döhrel erklärten.

„Wir haben zuletzt von der Hand in den Mund gelebt“, sagen sie.

Thomas Schlachter

Die Beiträge von aktuell 265 Mitgliedern reichten aber nicht mehr aus, die Tierheim-Mitarbeiter Katrin und Holger Niedrig und beispielsweise die Tierarzt-Kosten für die Hunde zu bezahlen. Ohne hauptamtliche Mitarbeiter sei ein Tierheim jedoch nicht zu betreiben. Das zusätzliche Spendenaufkommen außer den Mitgliedsbeiträgen sei unverändert – „unverändert schlecht“, sagte der Vorstand. Bis auf wenige treue Großspenden habe es keine zusätzlichen Einnahmen mehr gegeben.

Bereits seit 2010 habe man das Tierheim im Grunde nur durch regelmäßige Spendenkampagnen finanzieren können. Seit vergangenem Jahr sei etwa ein Drittel der Mitglieder weggebrochen – über die Gründe für deren Austritte könne man nur spekulieren, da keine angegeben worden seien, sagten Schlachter und Döhrel: „Wir mussten jetzt schweren Herzens einsehen, dass uns die finanziellen Mittel fehlen.“

Thomas Schlachter

Wie es weiter geht mit dem Verein, wird eine Mitgliederversammlung im ersten Quartal des neuen Jahres entscheiden. Geplant ist, in der Satzung den Vereinszweck zu verändern und künftig nur noch Tierschutz-Projekte individuell zu fördern oder Einzelfälle-Beihilfen zu zahlen. Denkbar sei aber auch, den Verein aufzulösen, sagten Schlachter und Döhrel. Der aktuelle Vorstand könne lediglich Verwaltungsaufgaben leisten, aber keine inhaltliche Tierschutz-Arbeit.

Katrin und Holger Niedrig haben sich seit 1992 um Tiere in Not gekümmert, seit 1995 in der Villa Wuff. 2006 waren alle Auflagen erfüllt, um den Status eines offiziellen Tierheims zu bekommen.

Vor allem aus finanziellen Gründen war das Einbecker Tierheim zu Jahresbeginn 2015 in den Dasseler Ortsteil Ellensen gezogen. Der Tierschutzverein konnte die Villa Wuff im alten Zollhaus am Ortseingang von Einbeck in Richtung Salzderhelden nicht mehr halten.

Durch den Umzug wurde die Stundenzahlen für Tierheimleiter Holger Niedrig halbiert, trotzdem blieben die Personalkosten zu hoch. Seit dem Sommer arbeitet Niedrig wieder in seinem ursprünglichen Beruf.

Hunde schon nach Northeim

In der Villa Wuff gibt es aktuell bereits keine Tierschutz-Hunde zur Vermittlung mehr. Fundhunde aus dem Einbecker Stadtgebiet sowie aus allen 46 Einbecker Ortsteilen wurden schon seit 2014 nicht mehr von der Villa Wuff aufgenommen. Die Stadt Einbeck hatte eine entsprechende vertragliche Regelung mit dem Tierheim in Northeim geschlossen und zahlt seitdem an dieses den so genannten Findlingsgroschen. (zfb)

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