Zahlungsunfähigkeit droht

Bürgerspital in Einbeck stellt Insolvenzantrag

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Das Einbecker Bürgerspital

Einbeck. Das Einbecker Bürgerspital hat am Freitag einen Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt.

Das Amtsgericht Göttingen hat die vorläufige Eigenverwaltung über das Vermögen im so genannten Schutzschirmverfahren angeordnet, erklärte Klinik-Geschäftsführer Birger Kirstein. 

Er bleibt im Amt, Rechtsanwalt Manuel Sack (Brinkmann & Partner) aus Hannover ist als vorläufiger Sachverwalter eingesetzt worden. Die medizinische Versorgung der Patienten bleibe gewährleistet, der Betrieb aufrechterhalten, betonten Geschäftsführung und Insolvenzverwalter. Die 335 Mitarbeiter erhalten in den nächsten drei Monaten Insolvenzgeld. Ziel ist es, in dieser Zeit einen Investor oder neue Gesellschafter zu finden. 

Suchen im Insolvenzverfahren nach einer Lösung fürs Bürgerspital (v.l.): Sachverwalter Manuel Sack, Bürgerspital-Geschäftsführer Birger Kirstein, Rechtsanwalt Markus Kohlstedt.

Das Team der Rechtsanwälte Eckert hat auch die Krankenhausgesellschaft AWO Gesundheitsdienst mit Kliniken in Hann.Münden, Bad Münder und Hannover saniert. Das Einbecker Krankenhaus hatte schon einmal 2012 Insolvenz angemeldet, danach war es als Bürgerspital mit neuen Gesellschaftern neu gestartet. 

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte Geschäftsführer Birger Kirstein. „Ich hatte keine Alternative, das Verfahren ist für das Haus eine echte Chance.“ Die Hoffnung, die schon vor Monaten begonnene Sanierung ohne Insolvenzantrag zu realisieren, habe sich zerschlagen, die Zeit sei weggelaufen. 

Als Gründe für die drohende Zahlungsunfähigkeit spätestens im Herbst nannte der Geschäftsführer unter anderem seit April ausbleibende Patienten und damit fehlende Einnahmen für das Haus: Wegen einer defekten Druckluftanlage habe man den OP zeitweilig schließen und Operationen absagen müssen. Die geplante Eröffnung eines Herz-Linkskatheter-Messplatzes habe man wegen Brandschutzauflagen von Juli auf September verschoben. Die damit zu erzielenden Einnahmen fehlen bislang. 

Hinzu komme die nach wie vor ungeklärte Tarifsituation im Krankenhaus. Man sei aber bereits in Gesprächen über einen neuen Zukunftssicherungsvertrag mit den Gewerkschaften, erklärte der Geschäftsführer – was diese anders sehen. (zfb)

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