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Erfolgsmodell im Strukturwandel

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Von: Christian Mühlhausen

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Einige der geehrten Junglandwirte zusammen mit Landvolk-Geschäftsführer Manuel Bartens (ganz links), dem Landvolkvorsitzenden Claus Hartmann (daneben) sowie dem stellvertretenden Geschäftsführer Gerhard Rudolph (ganz rechts).
Einige der geehrten Junglandwirte zusammen mit Landvolk-Geschäftsführer Manuel Bartens (ganz links), dem Landvolkvorsitzenden Claus Hartmann (daneben) sowie dem stellvertretenden Geschäftsführer Gerhard Rudolph (ganz rechts). © Christian Mühlhausen

Seit 75 Jahren besteht das Landvolk Northeim-Osterode – Grund genug für den Verband, am Wochenende nicht nur einen „Grünen Ball“ mit 200 Gästen zu feiern, sondern das Jubiläum auch in den Mittelpunkt des diesjährigen Landvolktags in der Festhalle Dorste zu stellen.

Dorste/Northeim – Das Fazit: 75 Jahre regionale berufsständische Vertretung durch das Landvolk - das sind auch 75 Jahre regionale Landwirtschaftsgeschichte, 75 Jahre Einsatz von Haupt- und Ehrenamt für die Landwirtschaft, den ländlichen Raum und die dort lebenden Menschen.

Leiter der Landwirtschaftskammer-Bezirksstelle Northeim, Dr. Karsten Möller.
Leiter der Landwirtschaftskammer-Bezirksstelle Northeim, Dr. Karsten Möller. © Christian Mühlhausen

Das Jubiläum rückten die zahlreichen Repräsentanten in den Mittelpunkt ihrer Grußworte. So sprach Dr. Karsten Möller als Leiter der Bezirksstellen Northeim der Landwirtschaftskammer Niedersachsen von einem „Erfolgsmodell“ – und zog als einen der Erfolgsfaktoren die Parallele zwischen Landvolk und Landwirtschaftskammer, und dass bei beiden Einrichtungen das ausführende Hauptamt von einem engagierten Ehrenamt getragen und begleitet werde. Früher habe es regelrechte Kampfabstimmungen bei der Wahl von Landvolkvorsitzenden gegeben, heute werde es dagegen immer schwieriger, Menschen fürs Ehrenamt zu motivieren. Möllers Dank richtete sich daher an die ehrenamtlich engagierten Landwirtinnen und Landwirte, die sich neben der Entwicklung und Bewirtschaftung der eigenen Betriebe aktiv in die Verbandsarbeit einbringen würden.

Auch Northeims Landrätin Astrid Klinkert-Kittel brach eine Lanze für die Landwirtschaft und das Landvolk: „Nur mit der Landwirtschaft kann es gelingen, unsere Kulturlandschaft zu erhalten und zu schützen.“

Landrätin des Landkreises Northeim, Astrid Klinkert-Kittel. Archiv
Landrätin des Landkreises Northeim, Astrid Klinkert-Kittel. © LPD Northeim

Sie betonte das gute Verhältnis zwischen Landwirten und der Verwaltung des Landkreises Northeim, der von der Land- und Forstwirtschaft geprägt sei und sagte, dass sie der Leistung und der Tradition der Landwirtinnen und Landwirten ihren vollsten Respekt zolle. Die Landwirtschaft befinde sich in einem stetigem Veränderungsprozess, das Landvolk begleite diesen nicht nur, sondern gestalte diesen aktiv mit.

Neben Festredner Gerhard Rudolph blickte auch Landvolkvorsitzender Claus Hartmann zurück aufs Gründungsjahr: Noch 1948 sei Armut in der ländlichen Bevölkerung weit verbreitet und der Zugang zu Bildung vor allem für Erwachsene erschwert gewesen. Auch hier engagierte sich das Landvolk stark und sei daher noch heute Partner zahlreicher Einrichtungen der Erwachsenenbildung.

Vorsitzender des Landvolks Northeim-Einbeck, Claus Hartmann.
Vorsitzender des Landvolks Northeim-Einbeck, Claus Hartmann. © Christian Mühlhausen

Hartmann beschrieb den Wandel, den technischen Fortschritt, die wirtschaftlichen Veränderungen auf den Höfen, die auch strukturelle und soziale Folgen gehabt hätten: Die Höfe und die dort Beschäftigten wurden weniger, die Betriebe dagegen größer.

Habe der Bauernverband vor dem Hintergrund dieser Entwicklung versagt, wie ihm mitunter vorgeworfen wird? „Nein, denn das Ziel der berufsständischen Vertretung kann es nicht sein, politisch und gesellschaftlich gewollte Veränderungen zu verhindern“, sagte Hartmann. Vielmehr gehe es darum, in dieser Gemengelage die bäuerlichen Interessen zu vertreten sowie Härten und Nachteile abzumildern.

Diese Interessensvertretung werde allerdings zunehmend schwieriger, weil das Tempo der angestrebten Veränderungen sich zunehmend erhöhe und beispielsweise tierhaltende Betriebe gar nicht so schnell reagieren könnten, sich zudem dabei die Richtung des Wandels stark verändere und bis zur 180-Grad-Wende reiche.

Diese Veränderungen sollten aber als Chance begriffen werden: Wenn eine wirtschaftliche Entwicklung der Betriebe nicht mehr vorrangig nur vom Wachstum abhängig sei, könne das eine gute Gelegenheit sein, die Betriebe innovativ und individuell zu entwickeln. Die von der Gesellschaft angefragten zusätzlichen Leistungen solle man anerkennen und den Dialog suchen, betonte Hartmann. (Christian Mühlhausen)

Es begann mit Schreibmaschine und Dienstfahrrad

Den Festvortrag hielt Gerhard Rudolph, stellvertretender Geschäftsführer des Landvolks Northeim-Osterode. Er blickte zurück auf die erste Stunde des Verbandes, als sich 1947 Kreislandwirt Carl Graf von Hardenberg – unterstützt von Mitstreitern wie Karl Reisener (Behrensen), Hans-Georg Karmann (Wiebrechtshausen) und Daniel Rolf (Northeim) – für eine berufsständische Vertretung in der Region stark machten.

Damals gab es im alten Landkreis Northeim, der nur halb so groß war wie heute, noch über 3000 Höfe, davon aber 2100 sehr kleine mit unter fünf Hektar Größe.

Auf den Dörfern wurden zunächst 30, später dann 48 Landvolk-Ortsverbände gegründet, am 21. November 1947 erfolgte die Gründungsversammlung des Landvolk Northeim im Stadtpark Northeim.

Im Mai 1948 konnte ein Raum in der Friedrichstraße als erste Geschäftsstelle bezogen werden – mit einer eigenen Schreibmaschine, später sogar mit einem Dienstfahrrad, wie Rudolph zu berichten wusste.

Weitere Meilensteine waren unter anderem die Gründung der Landfrauen, der Landjugend, die Einrichtung einer Landwirtschaftsschule, die Gründung einer Steuerberatung sowie im Laufe der Jahre die Fusionen der Landvolk-Verbände in Einbeck, Bad Gandersheim, Uslar und zuletzt Osterode (2008) zum heutigen Landvolk Northeim-Osterode mit rund 2300 Mitgliedern.

Rudolph stellte in seinem Festvortrag die Entwicklung der europäischen und deutschen Agrarpolitik den Entwicklungen in der Region gegenüber und skizzierte, vor welchen Herausforderungen die Landwirte heute stehen –und was das konkret für die Verbandsarbeit bedeutet.

Er wagte aber auch einen Blick in die Zukunft und skizzierte den Spagat der Bauern zwischen Lebensmittelproduktion, Umwelt-, Boden-, Wasserschutz, Landschaftspflege sowie politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Schlagworte sind unter anderem Agrarpolitik, Schweinepest, Pflanzenschutzmittel, Tierwohl und Reduktion der Tierhaltung, Stromtrassen, Düngeverordnung, Freiflächensolaranlagen und Biodiversität.

Rudolph schloss seinen Vortrag mit einem Aufruf des früheren niedersächsischen Bauernpräsidenten Friedrich Rode, der vor 30 Jahren als Festredner beim Landvolk Northeim zu Gast war und schon damals den Landwirten zu mehr Selbstbewusstsein geraten hat. (phl)

Ehrung des landwirtschaftlichen Nachwuchses

Der Landvolktag wird traditionell genutzt,um erfolgreiche Absolventen der landwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung auszuzeichnen. Die Landwirts-Ausbildung haben absolviert: Felix auf der Brücken (Bentierode), Johanna Becker (Bodenfelde), Sammuel Bodmann (Eboldshausen), Jannik Brackmann (Immensen), Meilo Jünemann (Oldershausen), Lorenz Kuhlmann (Opperhausen), Frederik Schnelle (Gremsheim), Mike Matthias Scholz (Walkenried) und Bryan Heinemann (Uslar-Eschershausen). Die Ausbildung zur Hauswirtschafterin hat Lara Redzig (Hunnesrück) und die Einjährige Fachschule haben Emil-Enno Ebeling (Wolperode) und Henrik Traupe (Greene) absolviert, heißt es dazu weiter. (phl)

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