Corona-Regeln haben Nachhol-Infekte zur Folge

Erkältungswelle rollt früher im Landkreis Northeim

Erkältete Frau auf einem Sofa
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Grippale Infekte sind derzeit keine Seltenheit.

Viel Menschen leiden derzeit unter grippalen Infekten.

Northeim – Die Kontaktbeschränkungen während der Corona-Lockdowns sind mit ein Grund dafür, dass Erkältungskrankheiten viel früher als sonst auch im Landkreis Northeim derzeit für laufende Nasen und volle Arztpraxen sorgen.

„Die für den Herbst übliche Infektionswelle, die im vergangenen Jahr aufgrund der Coronamaßnahmen mehr oder weniger ausgefallen ist, macht sich in diesem Jahr vier bis sechs Wochen früher bemerkbar als üblich“, beschreibt Christoph Wolf, der in Volpriehausen eine Hausarztpraxis betreibt und als beratender Arzt der Kassenärztlichen Vereinigung Göttingen tätig ist, die aktuelle Situation.

Betroffen sind laut Wolf alle Altersgruppen, wobei es sich aber hauptsächlich um harmlose grippale Infekte mit den typischen Erkältungssymptomen Fieber, Husten, Halsschmerzen und Heiserkeit handele. Insofern sei lediglich die Häufung der Fälle und die damit verbundene Belastung für die Arztpraxen aktuell das Hauptproblem.

Christoph Wolf

Hintergrund für das Phänomen seien sogenannte Nachhol-Infekte, sagt Wolf und erklärt, dass das menschliche Immunsystem normalerweise jeden Tag damit beschäftigt sei, Keime abzuwehren. Durch die coronabedingten Abstands- und Hygieneregeln habe das Immunsystem aber weniger zu tun gehabt und sei dadurch etwas zu bequem geworden – mit der Folge, dass es nach der Lockerung der Coronaregeln jetzt Einiges nachholen müsse.

Das kann auch der Northeimer Kinderarzt Thomas Holstein-Diepold bestätigen, der in seiner Praxis seit September eine deutliche Zunahme der Infekte durch sogenannte RS-Viren beobachtet. Insbesondere für Säuglinge und ehemalige Frühgeborene seien die eine große Belastung und machten oft eine Behandlung im Krankenhaus nötig. In vielen Kinderkliniken sei das derzeit deutlich zu spüren.

Thomas Holstein-Diepold

„Covid-19 stellen wir nur ganz selten durch Zufallsbefunde fest“, so Holstein-Diepold. „Denn Corona-Infektionen verlaufen bei Kindern in der Regel nach wie vor mild und werden von den Betroffenen als nicht schlimm empfunden.“ Foto: PRIVAT/nh

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