In Kindertagesstätten kommt es immer öfter zu Engpässen

Erzieher auch im Kreis Northeim verzweifelt gesucht

Kinderspielzeug
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Erzieher gesucht: Im Landkreis Northeim gibt es Dutzende offene Stellen.

Die Not in vielen Kindergärten und Krippen ist groß. Es gibt zu wenig Personal.

Northeim - Mit der verpflichtenden Bereitstellung von Krippenplätzen und dem Ausbau der Ganztagsbetreuung fehlt es an Erzieherinnen sowohl bei den kommunalen als auch bei den kirchlichen und anderen freien Trägern.

Kürzlich bekamen das beispielsweise Eltern von Krippenkindern in der von der Stadt Northeim betriebenen Kita Langenholtensen zu spüren. Dort gab es kurzfristige Wechsel im Erzieherbereich, die an drei Tagen zu Ausfällen von Gruppen führten, weil die Stadt mangels Vertretungspersonals und eines Krankheitsfalls nicht schnell genug regieren konnte. Eine Dauerstelle für die Einrichtung werde gerade ausgeschrieben, sagt die Verwaltung.

Wie andere Kommunen auch sei Northeim natürlich bemüht, ausgebildete Erzieherinnen zu gewinnen und an die Stadt zu binden. Man habe unter Mitarbeit der Erzieherinnen in einer Arbeitsgruppe eigens Maßstäbe für eine Attraktivitätssteigerung dieses Berufsfeldes erarbeitet, betont Bürgermeister Simon Hartmann. Zudem seien zusätzliche unbefristete Stellen ausgewiesen worden. Deren Anzahl wolle man noch weiter erhöhen. Auch für den Vertretungsbereich seien Dauerausschreibungen veröffentlicht worden. Ein neues Bewerberportal sei geplant. Daneben setze die Stadt auf Initiativbewerbungen. Kürzlich habe man so eine Bewerberin spontan gewonnen.

Pastorin Karin Gerken-Heise als Vorsitzende des kirchlichen Kindertagesstättenverbands Leine-Solling, der im Landkreis 13 Kitas betreibt, spricht ebenfalls von Personalnot. Allein für den Verband suche man derzeit 20 Erzieherinnen.

Pastorin Karin Gerken-Heise

„Wir versuchen, gut für uns zu werben“, sagt sie und ergänzt, dass natürlich nach Tarif (TVöD) bezahlt werde und es gute Unterstützung durch eine eigene Fachberaterin und die Pädagogische Leitung im Verband gebe.

Auch im Raum Uslar ist das Erzieherpersonal knapp. So sucht allein die Arbeiterwohlfahrt (Awo) für ihre Kita mit drei Kindergartengruppen und Krippe in Uslar derzeit über die eigene Internetseite vier Erzieherinnen.

Die Personalnot im Erzieherberuf zeichnete sich schon seit Jahren ab und sie nimmt immer mehr zu, meinen übereinstimmend Northeims Bürgermeister Simon Hartmann und die Vorsitzende des kirchlichen Kindertagesstättenverbands Leine-Solling, Pastorin Karin Gerken-Heise. Gründe seien die Ausweitung des Rechtsanspruchs auf Betreuung im Krippenbereich und die verstärkte Nachfrage der Eltern nach Ganztags-Betreuungsplätzen.

„Selbst bei einer höheren Ausbildungsquote wird bei einer weiteren Ausweitung der Betreuungsangebote der Bedarf an Fachkräften für die Betreuung unserer Kinder weiter wachsen“, sagt Hartmann. Gefragt sei hier auch das Land. Die Stadt Northeim werde sich in die Diskussion um das Thema Fachkräftegewinnung auf Landesebene einbringen.

Ein großes Manko ist aus Sicht von Pastorin Gerken-Heise vom Kita-Verband die Erzieher-Ausbildung, die für junge Leute nur mit Kosten verbunden sei. Zwar koste die schulische Ausbildung selbst nichts, aber es gebe über die vierjährige Ausbildungszeit, anders als in anderen Berufen, keine Vergütung. Dies müsse sich ändern.

Noch mehr verschärfen werde sich die Personalsituation im Erzieherberuf, falls die schon länger erhobene Forderung nach einer dritten Fachkraft für Kindergartengruppen gesetzlich umgesetzt werden sollte, ergänzt Marco Thormann, der im Kirchenkreisamt Northeim mit zu ständig für das Personal in den kirchlichen Kitas im Kindertagesstättenverband Leine-Solling ist.

Erzieherberuf: Was verdient man?

Die Ausbildung zum/zur Erzieher/in dauert vier Jahre und ist verschult, sodass man in dieser Zeit noch kein Einkommen hat. Fertig ausgebildet verdienen Erzieher laut Marco Thormann vom Kirchenamt Northeim im Gruppendienst derzeit in einer Vollbeschäftigung (39 Wochenstunden) nach TVöD als Berufsanfänger rund 2800 Euro brutto, nach zehn Jahren sind es 3450 Euro brutto. Nach weiteren fünf Jahren ist die letzte Stufe mit einem Verdienst von rund 3850 Euro erreicht. 

(Axel Gödecke)

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