Für die Verhängung verschärfter Corona-Regeln spielen nachträglich gemeldete Infektionen keine Rolle

Bei der Berechnung der 7-Tage-Inzidenz wird nicht nachträglich korrigiert

Eine Frau in Schutzkleidung und blauen Handschuhen hält der Kamera ein Teststäbchen entgegen.
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Coronatest: Nur durch einen sogenannten PCR-Test bestätigte Infektionen mit Covid-19 fließen in die Berechnung der 7-Tage-Inzidenz ein.

Das Gesundheitsamt des Landkreises Northeim hat den Verdacht zurückgewiesen, es halte neue Coronafälle absichtlich zurück, um so die Inzidenz künstlich herunterzudrücken. HNA-Leser hatten vermutet, dass damit ein Inkrafttreten der verschärften Regeln ab einer Inzidenz von 100 verhindert werden sollte.

Northeim – Richtig ist, dass die tagesaktuell bekannt gegebenen Inzidenzwerte pro 100 000 Einwohner vom RKI nachträglich regelmäßig nach oben korrigiert werden. Das liegt laut RKI daran, dass immer wieder noch Fälle nachträglich gemeldet werden.

Das Datum, an dem ein Coronafall gezählt wird, ist der Tag, an dem das Gesundheitsamt von einer Infektion erfährt. Ist die Zahl der Neuinfektionen bereits gemeldet, aber später kommen neue Fälle hinzu, werden die vom RKI nachträglich diesem Datum zugerechnet und nicht beispielsweise am nächsten Tag mitgezählt.

So werden dem Gesundheitsamt nach Auskunft der Kreisverwaltung immer wieder von Laboren auch abends nach Dienstschluss über das Deutsche Elektronische Melde- und Informationssystem (DEMIS) neue Corona-Fälle gemeldet. Diese werden dann erst am nächsten Tag weiter an das Landesgesundheitsamt von dort weiter an das RKI übermittelt.

Die Berechnung der 7-Tage-Inzidenz erfolgt immer nur auf Basis der nicht korrigierten (sogenannten „eingefrorenen“) Tageszahlen der vorangegangenen sieben Tage – der Inzidenzwert von Montag also auf den tagesaktuell gemeldeten Covid-19-Fällen der Zeit vom vorangegangenen Montag bis Sonntag. Die Zugrundelegung der „eingefrorenen“ Werte soll laut Kreisverwaltung sicher stellen, dass die Werte keinen Schwankungen unterliegen und sich die von verschärften Regeln beispielsweise bei dreitägigem Überschreiten der Inzidenz 100 Betroffenen auf das Inkrafttreten mit einem sicheren zeitlichen Vorlauf einstellen können.

Die vom RKV gezählten Corona-Fälle sind alle durch einen PCR-Test bestätigt worden. Positive Schnelltests spielen bei den Fallzahlen und der 7-Tage-Inzidenz keine Rolle. (Olaf Weiss)

Inzidenz nachträglich immer höher

Die vom RKI nachträglich korrigierten Inzidenzwerte der vergangenen zwei Wochen für den Landkreis Northeim und (in Klammern) die ursprünglich bekannt gegebenen Zahlen:

Montag, 19. April: 79, 4 (62,7);

Dienstag, 20. April: 80,9 (78,6);

Mittwoch, 21. April: 76,1 (73,3);

Donnerstag, 22. April: 80,1 (77,9);

Freitag, 23. April: 83,2 (80,1);

Samstag, 24. April: 78,6 (68,0);

Sonntag, 25. April: 96,8 (70,3)

Montag, 26. April: 94,5 (86);

Dienstag, 27. April: 93,0 (87);

Mittwoch, 28. April: 108,1 (76);

Donnerstag, 29. April: 114,1 (82);

Freitag, 30. April: 105,8 (102,8). (ows)

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