1. Startseite
  2. Lokales
  3. Northeim

Waldbrand-Gefahr: Auch der Landkreis Northeim rüstet auf

Erstellt:

Von: Konstantin Mennecke

Kommentare

Ein Spezialist in Sachen Wald- und Flächenbrandbekämpfung: Niedersachsen will eine ganze Reihe an Waldbrand-Tanklöschfahrzeugen beschaffen. Unser
Ein Spezialist in Sachen Wald- und Flächenbrandbekämpfung: Niedersachsen will eine ganze Reihe an Waldbrand-Tanklöschfahrzeugen beschaffen. © Philipp Schulze/dpa

Der Grunewald, die Sächsische Schweiz, bis Sonntag der Harz und jetzt auch noch Bordeaux in Frankreich und Aragón in Spanien: Nie zuvor wurde in Europa in einem Jahr so viel Fläche durch Feuer zerstört, wie in 2022 heißt es vom Europäischen Waldbrand-Informationssystem.

Landkreis Northeim - Das Land Niedersachsen und der Landkreis Northeim haben diese Entwicklung im Blick und investieren in den Katastrophenschutz. 40 Millionen Euro hat das Land Niedersachsen, konkret Innenminister Boris Pistorius, im Mai in Form eines Ad-hoc-Pakets auf den Weg gebracht. Dieses Geld fließt in gleich mehrere Bereiche. Unter anderem sollen die 49 kommunalen Katastrophenschutzbehörden in Niedersachsen bis zu 100 000 Euro für die Aufrüstung ihres Equipments in Sachen Katastrophenschutz abrufen können.

Diese Hausaufgabe habe man im Landkreis Northeim bereits gemacht, wie Landkreis-Sprecherin Tanita Schebitz auf HNA-Anfrage mitteilt. Geld fließt aktuell unter anderem in Material für Betreuungs- und Sanitätslagen, ebenso aber auch in Technik für den Stabsraum. Dieser wird in der Kreisverwaltung nicht nur im Katastrophenfall, sondern auch bei größeren Flächenlagen wie den Stürmen im Frühjahr genutzt. „Seitens des Landkreises liegt hier der Fokus auf der Erweiterung der Kommunikations- und digitalen Darstellungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Satelliten-, Digitalfunk- und Konferenzsysteme sowie entsprechender Bildschirme“, so Schebitz.

Darüber hinaus rüstet Niedersachsen in ganz konkreter Technik zur Brandbekämpfung auf. Vier Einheiten, die mit Fahrzeugen und Ausrüstung am Boden das Feuer bekämpfen, sogenannte Ground Forest Firefighting using Vehicle-Einheiten (GFFF--V-Einheiten) werden aufgebaut. Bis 2024 will Niedersachsen 16 Waldbrand-Tanklöschfahrzeuge, fünf Abrollbehälter mit Beladung zur Einrichtung von Hubschrauber-Landeplätzen und Material zur Brandbekämpfung und mehr beschaffen.

Landrätin Astrid Klinkert-Kittel hat bereits ihr Interesse an einer Stationierung im Kreisgebiet bekundet. „Gerade im Hinblick auf die besondere Gefahrenlage im Bereich des Sollings hat die Landrätin dies gegenüber dem Innenminister mitgeteilt. Weiter wird die Erforderlichkeit auch regelmäßig durch den Kreisbrandmeister in der Expertenkommission Waldbrand angebracht“, erklärte Schebitz. Acht Fahrzeuge dieser Art plant das Land zu beschaffen. Die Fahrzeuge und Ausrüstung sollen über das Land verteilt an unterschiedlichen Stellen untergebracht werden.

Darüber hinaus hat das Land bereits mehrere Logistik-Fahrzeuge, 13 Gerätewagen Betreuungsdienst und 47 mobile Netzersatzanlagen unter anderem für den Ausfall der Stromversorgung beschafft. Weitere derartige Fahrzeuge befinden sich aktuell noch in der Planung.

Niedersachsen will in den Jahren 2022 bis 2025 weitere 30 Millionen Euro in Ausstattung investieren. In Kürze sollen laut Mitteilung des Innenministeriums geländegängige Fahrzeuge ausgeschrieben werden, „um zum Beispiel den Erfahrungen aus dem Ahrtal Rechnung zu tragen“, heißt es auf Anfrage.

Rein auf Material ausruhen will man sich aber nicht. Das Land stellt drei Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung, um die Aus- und Fortbildung in den Hilfsorganisationen zu intensivieren und für die neuen Fahrzeuge auch genug Fahrer zu haben.

Der erste von fünf Abrollbehältern zur Waldbrandbekämpfung ist bereits am Niedersächsischen Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz in Celle stationiert. In ihm enthalten ist auch Material zur Aufnahme von Löschwasser aus Hubschraubern mittels sogenannter Bambi-Buckets, die auch beim Waldbrand im Harz und in Sachsen zum Einsatz kommen. Bei den Waldbrand-Tanklöschfahrzeugen handelt es sich um die Modelle Renault D14. Mit 280 PS, permanentem Allradantrieb und Differenzialsperren längs sowie an Vorder- und Hinterachse sollen sie sich auch durch unwegsames Gelände arbeiten können.

Die Fahrzeuge haben Platz für vier Personen und zusätzlich einen Notsitz. Zur Ausrüstung gehören unter anderem ein 3000 Liter fassender Löschwassertank, 80 Liter Schaummittel, eine 2000 Liter bei 10 bar leistende Pumpe und die Möglichkeit, gleichzeitig zu fahren und Feuer zu löschen.

Damit das Fahrzeug auch im gefährlichen Terrain unterwegs sein kann, ist es mit einer Selbstschutzanlage ausgestattet, die aus einem separaten 500 Liter fassenden Wassertank das Fahrzeug, elektrische Leitungen und mehr schützt. Die Fahrzeugbesatzung kann sich in der Kabine mit Atemschutzmasken an einem der fünf Anschlüsse mit Atemluft versorgen.

Wie gefährlich die Umgebung ist, wird durch ein Selbstschutzsystem kontrolliert. Dazu werden Temperatur, Luftqualität in der Kabine, Windrichtung oder Kippwinkel des Fahrzeugs überwacht. Das Fahrzeug kostet knapp 400 000 Euro. (kmn)

Auch interessant

Kommentare