Federvieh im eigenen Garten

Trend zur Hühnerhaltung: Zahl der Neuanmeldungen im Landkreis Northeim verdoppelt

Merkt das gestiegene Interesse an der Hühnerhaltung: Thorsten Bertram. Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins F 92 Moringen, mit zwei seiner Zwerg-Wyandotten des Farbschlags weiß-schwarzcolumbia.
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Merkt das gestiegene Interesse an der Hühnerhaltung: Thorsten Bertram. Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins F 92 Moringen, mit zwei seiner Zwerg-Wyandotten des Farbschlags weiß-schwarzcolumbia.

Die Menschen im Landkreis Northeim sind auf das Huhn gekommen und halten sich das Federvieh im eigenen Garten.

Landkreis Northeim – Während es in den Jahren 2017 bis 2019 jeweils circa 60 bis 70 Neuanmeldungen zur Geflügelhaltung pro Jahr gab, waren es 2020 doppelt so viele Neuanmeldungen, teilt der Landkreis auf Nachfrage mit. Das seien auffällig viele, so die Kreisverwaltung, die aber nicht mit Gewissheit sagen kann, ob diese neue Liebe zum Geflügel der Corona-Pandemie geschuldet ist.

Auch wer Hühner als Hobby halten möchte, muss sie, bevor sie in den heimischen Garten ziehen, beim Landkreis anmelden. Dieser bürokratische Akt ist nötig, damit die Tiere auch bei der Tierseuchenkasse gemeldet werden. Das Formular zur Meldung beim Kreis ist online oder postalisch abrufbar und die Sache schnell erledigt.

Mehr Aufwand erfordert jedoch von angehenden Hühnerhaltern, sich mit der artgerechten Unterbringung zu befassen. Zudem sollten sie sich mit den Anforderungen der Hühner auch in Bezug auf Ernährung, Impfung und Milbenabwehr beschäftigten.

Thorsten Bertram, Vorsitzender des Kleintierzüchtervereins F 92 in Moringen, berichtet, dass das Interesse an diesen Themen deutlich gestiegen sei. Innerhalb einer WhatsApp-Gruppe, die er betreut und die ständig mehr Teilnehmer bekommt, würden viele Informationen über diese Themen ausgetauscht. Aber erfreulicherweise würden sich auch zunehmend mehr engagierte Neu-Hühnerhalter für eine Mitgliedschaft im Verein interessieren. Allein in diesem Jahr habe er schon vier neue Mitglieder begrüßen dürfen, freut er sich.

Das stark gestiegene Interesse an Hühnerhaltung habe er auch bei der Kükennachfrage gemerkt. Obwohl die große Weper-Kleintierschau coronabedingt abgesagt werden musste, seien alle dafür ausgebrüteten Küken schnell vermittelt gewesen.

Tipps für Anfänger

Anfängern in der Hühnerhaltung empfiehlt er, sich zunächst intensiv Wissen anzueignen. Klar sollte auch sein, dass man sich täglich um die Tiere kümmern muss.

Für Einsteiger eignen sich vier bis fünf Hühner. Wer auch einen Hahn haben möchte, sollte sicher sein, dass die Nachbarn mit dem Krähen am frühen Morgen klarkommen. Nicht überall sei das Halten von Hähnen erlaubt, da müssten sich zukünftige Halter vorab informieren. In vielen Kleingartenanlagen sei das Halten von Federvieh prinzipiell verboten. Wer sich Hühner anschaffen will, sollte sich bei den Städten und Gemeinden erkundigen, was wo erlaubt ist, auch mit Blick auf den Bau des Hühnerstalls.

In der Regel gibt es Höchstgrößen für Stallanlagen oder Volieren sowie Regelungen zum Mindestabstand des Hühnerhauses zum Nachbargrundstück. Auch gelten für reine Wohngebiete strengere Vorgaben als für Dorfgebiete. In ländlichen Gebieten spricht in der Regel nichts gegen eine Haltung von 20 Hühnern mit Hahn im eigenen Garten. Erforderlich sei ein kleiner Hühnerstall mit Nestern und Sitzstangen. Zudem rät Bertram, ein geschütztes Gehege im Garten anzulegen, damit die Tiere vor Fuchs und Marder sicher sind. Gut sei, eine Art Wintergarten für die Tiere herzurichten, der könne aus alten Fensterscheiben gebaut werden. Dann hätten die Hühner auch bei einer eventuellen Aufstallpflicht bei grassierender Vogelgrippe oder an kalten Wintertagen noch genügend Auslauf.

Glückliche Hühner: Die schwarzen Zwerg-Wyandotten genießen das Scharren und Picken im Freien.

Wer Wert auf einen englischen Zierrasen legt, sollte sich keine Hühner anschaffen. Denn ihr Picken und Scharren setzt dem Rasen ordentlich zu, zudem baden sie gern in der trockenen Erde. Das hinterlässt deutliche Spuren. Belohnt wird der Hühnerhalter aber am Ende mit leckeren Bio-Eiern von glücklichen Hühnern. Der Preis für ein Huhn liegt laut Bertram abhängig von der Rasse zwischen neun und 25 Euro. Beliebt seien aktuell die Rassen Sussex, Vorwerk, Bielefelder und Orpington. Aber auch Zwerg-Wyandotten, die es in 30 verschiedenen Farbschlägen gibt, begeistern die Hühnerhalter.

Mehr Informationen gibt es beim Kleintierzuchtverein F 92 Moringen klzv-moringen.de, bei Bertram unter 0151/27060560 und beim Landkreis Northeim unter landkreis-northeim.de. (Rosemarie Gerhardy)

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