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Forst im Kreis Northeim setzt vermehrt auf Kraft der Natur

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Von: Frank Schneider, Axel Gödecke

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Mitarbeiter der Landesforsten nehmen die neue Pflanzware von der Baumschule entgegen. Danach werden mehrere Tausend junge Pflanzen am Einschlagsplatz im Wald für die Auspflanzung vorbereitet.
Mitarbeiter der Landesforsten nehmen die neue Pflanzware von der Baumschule entgegen. Danach werden mehrere Tausend junge Pflanzen am Einschlagsplatz im Wald für die Auspflanzung vorbereitet. © Staatsforst Niedersachsen

Die Wiederaufforstungen der durch Sturm, Trockenheit und Borkenkäfer vernichteten Fichten-Waldflächen sind im Kreis Northeim teilweise abgeschlossen.

Landkreis Northeim - In diesen Bereichen setzen die Experten nun auf Naturverjüngung. Das hat eine Umfrage der HNA bei den Forstverwaltungen ergeben. Im Solling allerdings wird noch weiter kräftig gepflanzt.

Massive Neuanpflanzungen hat es seit 2019 in den Bereichen der Stadtforsten Northeim, Einbeck und Moringen sowie im Zuständigkeitsbereichs des Forstamts Reinhausen mit Wäldern im Süden des Kreisgebiets gegeben.

2018 hatte Orkan Friederike gewütet und große Schläge von flachwurzelnden Fichten niedergestreckt. 2019 folgten weitere Stürme. Daneben schlugen die Trockenheit und in der Folge der Borkenkäfer zu und ließen weitere Nadelbäume absterben.

Jonas Fürchtenicht
Jonas Fürchtenicht © Niko Mönkemeyer

In den vergangenen drei Jahren seien rund 125 000 Laubbäume im Zuständigkeitsbereich des Forstamts Moringen, das neben den Moringer Wäldern auch die Stadtforsten Northeim und Einbeck sowie 19 Privatwälder betreut, gepflanzt worden, berichtet Förster Jonas Fürchtenicht.

Bepflanzt worden seien im Raum Moringen 7 Hektar, im Stadtforst Northeim 14 Hektar und im Raum Einbeck 6 Hektar, in trockenen Lagen eher Eiche und Hainbuche, in feuchteren und nähstoffreicheren Lagen eher Bergahorn, Linde oder Kirsche. Die Kosten hätten sich bei Buche und Eiche auf 12 000 bis 15 000 Euro je Hektar belaufen. Zuschüsse habe es bis zu 90 Prozent aus dem Landestopf „Extrem-Wetter-Richtlinie“ zur Wiederaufforstung von Kalamitätsflächen gegeben. Fürchtenicht: „Doch dieser Topf ist aktuell leer.“

14 Baumarten haben sich selbst angesiedelt

Erste Zeichen einer Naturverjüngung: So wie hier in einem abgezäunten Waldbereich im Sauerland eine Eiche heranwächst, wünschen sich das auch die Forstexperten vor Ort. Archiv
Erste Zeichen einer Naturverjüngung: So wie hier in einem abgezäunten Waldbereich im Sauerland eine Eiche heranwächst, wünschen sich das auch die Forstexperten vor Ort. Archiv © Dirk Grein

Ab jetzt setze man auf reine Naturverjüngung, so der Stadtförster weiter. Und das klappe wunderbar, wie eine Zählung auf einer 2,5 Hektar großen Beobachtungsfläche bei Einbeck ergeben habe. Fürchtenicht: „Dort haben wir auf der Beobachtungsfläche 14 verschiedene Baumarten durch natürliches Aufkeimen gezählt. Darunter sind Birke, Eberesche, Bergahorn, Esche, Walnuss, Buche, Kirsche, aber auch Fichte und Kiefer.

Landesforst pflanzt noch 264.000 Bäume

Diee Landesfort Niedersachsen setzen indessen noch weiterhin auch auf Anpflanzungen. Das diesjährige Programm zur Wiederbewaldung der Schadflächen in den Wäldern der Niedersächsischen Landesforsten, die im Landkreis Northeim liegen, sieht 264 000 neue Bäume vor. Das berichtet Michael Rudolph, Pressesprecher der Landesforsten. Darunter befinden sich laut Landesforsten an Laubbäumen 82 000 Eichen, 56 200 Rotbuchen, ferner Vogelkirsche, Winterlinde, Hainbuche, Roterle, Esskastanien und Bergahorn sowie an Nadelhölzern 33 000 Douglasien, 33 000 Lärchen und 16 000 Weißtannen.

Der neue Wald für den Solling kommt am Mittwoch, 18. Januar, kündigt Rudolph an. Gemeint ist damit eine Riesenlieferung von Pflanzware aus der Baumschule, die von Schönhagen aus für den Solling verteilt werden.

Die Aufforstung im Forstamt Dassel mit der Hauptfläche der Landesforsten im Landkreis Northeim hat unterdessen begonnen, berichtet Rudolph. Für den Bereich sind seinen Angaben zufolge allein 170 000 neue Bäume vorgesehen. Das Anpflanzen dauert bis ins Frühjahr.

Naturverjüngung auch im Staatsforst wichtig

Für die Landesforsten spiele aber auch die Naturverjüngung eine große Rolle, bestätigt Michael Rudolph, Regionaler Pressesprecher Süd: „Die natürliche Aussamung wird mitgenommen als wichtiger Aspekt: Das koste nichts und das, was sich natürlich ansiedele, habe deutlich besser Überlebenschancen als angelieferte Pflanzen aus dem Gewächshaus. Das, was sich von selbst ansiedelt, entspreche vor allem dem Löwe-Programm der Landesforsten (Langfristige Ökologische Wald-Entwicklung).

Allerdings habe die Selbstheilung der Natur nach den Worten so Rudolph auch ihre Grenzen. Wenn sich an bestimmten Stellen im Wald einzig Fichten ansiedelten, werde die Forst eingreifen und für eine angepasste Mischform vor Ort sorgen.

Insgesamt gesehen seien das Aufforsten und die Naturverjüngung angesichts der vergangenen Trockensommer ein Mehrjahresprogramm. Michael Rudolph spricht von einer Generationenaufgabe, die nicht in ein paar Jahre abzuarbeiten sei.

Forstamt Reinhausen hat größten Teil bereits aufgeforstet

Grundsätzlich sei festzuhalten, dass in den beiden Süd-Forstämtern der Staatsforst – also Reinhausen und Münden, die vom Forstamt Reinhausen mit betreut werden – der größte Teil der sogenannten Kalamitätsflächen aus den Jahren 2018 bis 2022 bereits aufgeforstet sind. Das betont Axel Pampe, der Leiter des Forstamts Reinhausen auf HNA-Anfrage. Schwerpunktmäßig kümmere man sich nun um die Sicherung und Pflege der jungen Wälder.

„Nicht zu vernachlässigen ist das in unserer Region relativ hohe Potenzial für natürliche Verjüngung. Daher werden viele Schadflächen jetzt nur noch teilflächig bepflanzt und der Rest für natürliche Ansamung aus der Umgebung ausgespart,“ fährt Pampe fort.

In den vergangenen zwei Jahren sei allerdings ordentlich nachgepflanzt worden, so der Forstamtschef. Die Kosten der Aufforstungen lagen nach seinen Worten im Mittel zwischen 5000 und 10 000 Euro pro Hektar, je nach Baumart, Pflanzenzahl und notwendigem Sicherungsaufwand könne dieser Betrag aber auch deutlich höher ausfallen.

Die im Landes- und Genossenschaftswald am häufigsten gepflanzten Laubbaumarten waren Stiel- und Traubeneiche, Bergahorn, Vogelkirsche und Rotbuche. Nachgepflanzt worden seien auch Nadelbaumarten, allerdings keine Fichten, sondern Douglasie, Europäische Lärche und Weißtanne.

Daneben käme aber noch eine Vielzahl anderer Baumarten zum Einsatz. Pape: „Wir versuchen, die Baumartenvielfalt zu steigern und das Ausfallrisiko zu verteilen.“ Im Landeswald Reinhausen, der auch Wälder bei Nörten-Hardenberg und Gillersheim umfasst, seien in den beiden Landkreisen Northeim und Göttingen zwischen 2018 und 2022 insgesamt 23 verschiedene Baumarten plus diverse Sträucher gepflanzt oder gesät worden.

Stadtforst Hardegsen pflanzt noch weiter

Im Stadtforst Hardegsen hatte man sich in den letzten beiden Jahren zum Ziel gesetzt, jährlich rund 20 bis 25 Hektar Wald wieder aufzuforsten. Insgesamt waren im Stadtforst 120 Hektar vorrangig Fichtenwälder den Stürmen und Trockenheit zum Opfer gefallen. Laut Stadtförster Matthias Eckhard, werde man in Hardegsen die Aufforstungen fortsetzen, auch wenn Laubbaum-Setzlinge wie Roteichen und Rotbuchen derzeit schlecht zu bekommen seien. Rund 30 Hektar seien aber bereits geschafft. Man warte dringend auf die Freigabe neuer Fördermittel für weitere Aufforstungen, sodass die Stadt bei der Aufgabe finanziell entlastet werden kann. (Axel Gödecke/Frank Schneider)

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