Auch die Gastronomie ist enttäuscht

Nach Corona-Gipfel: Friseure im Kreis Northeim froh, Händler sauer

Friseur Haare Langhaarschneider
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Am 1. März dürfen auch im Landkreis Northeim die Friseure wieder arbeiten.

Am 1. März dürfen Friseure wieder öffnen. Einzelhandel und Gastronomie bleiben dagegen weiterhin geschlossen. Wir haben uns umgehört, was das bedeutet.

Landkreis Northeim - Mit der Entscheidung, dass am 1. März die Friseurbetriebe in Deutschland wieder öffnen dürfen, fällt von Hans-Jürgen Erkert, Obermeister der Friseurinnung Northeim-Einbeck, und Hans-Joachim Nüsse, Vorsitzender der Kreishandwerkerschaft, natürlich eine riesige Last ab, betonten sie auf HNA-Anfrage.

Total frustriert über die jüngsten Lockdown-Entscheidungen von Bund und Ländern sind dagegen der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) und die Einzelhändler – denn die Betriebe bleiben weiter geschlossen.

„Ich bin total enttäuscht, wir hatten für unsere Branche nach den jüngsten Gesprächen mehr erwartet“, sagt Petra Mitulla, Geschäftsführerin des Dehoga-Landesverbandes. „Wenn wir nicht zügig einen Termin bekommen, wann es für uns weitergeht, werden sich viele Betriebe verabschieden“, ist sich Mitualla sicher.

Die Gastronomen und Hoteliers hätten ihre Rücklagen aufgebraucht, viele seien schon an ihre Rentenansprüche gegangen oder hätten Lebensversicherungen gekündigt. „Aktuell gibt es für unsere Branche überhaupt keine Perspektive“, so Mitulla.

Der „Super-Gau“ sei auch die Entscheidung, die Inzidenzwert-Grenze in Niedersachsen von 50 auf jetzt 35 zu senken. „Wir Gastronomen sind kein Büro, in dem man den Computer mal für ein paar Tage ausschalten kann. Wenn der Wert unter 35 ist, wird geöffnet, wenn der Wert auf 38 klettert, weil es zum Beispiel in Hannover einen Coronaausbruch gibt, müssen alle Gastronomen im Land wieder schließen?“

Ohne festen Öffnungstermin gehe es einfach nicht: Lieferketten müssten wieder aufgebaut und die Mitarbeiter „zusammengetrommelt“ werden. „Und wir können nur hoffen, dass uns die Fachkräfte nicht schon in andere Branchen abgewandert sind“, so Mitulla.

Sie befürchtet, dass bei einem weiter andauernden Lockdown 75 Prozent aller Betriebe nicht wieder öffnen.

Sehr enttäuscht vom jüngsten Corona-Gipfel ist auch Doris Ohlmer, Vorsitzende des Northeimer Stadtmarketings: „Wir brauchen endlich Perspektiven. Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand. Die Finanzhilfen vom Staat sind bis heute noch nicht eingetroffen oder konnten noch nicht einmal beantragt werden.“ Wenn es keine realistische Perspektive gebe, so Ohlmer, „werden wir viele Geschäfte verlieren“.

Doris Ohlmer betont, dass sie sich natürlich für die Friseure freue, es aber aus Sicht des Einzelhandels und der Gastronomie nicht ganz verständlich sei, warum diesen Branchen keinerlei Öffnungsperspektive gegeben worden sei: „Es ist bisher nicht belegt, dass Einzelhandel und Gastronomie als Corona-Hotspots aufgetreten sind. Die Betriebe haben alle gut funktionierende Hygienekonzepte.“

Dehoga-Geschäftsführerin Petra Mitulla ärgert sich im Gespräch mit der HNA auch darüber, dass über den Bereich Bars, Clubs und Diskotheken überhaupt nicht gesprochen werde: „Die Betriebe sind alle seit dem 15. März 2020 geschlossen und haben seitdem nicht einen Cent Umsatz gemacht. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie viele die Krise nicht überleben werden.“

Viele Unternehmer hätten Angst, überhaupt wieder zu öffnen, weil sie ständig befürchten müssten, ihre Restaurants, Hotels oder Bars kurze Zeit später wieder schließen zu müssen, weil irgendwo im Land ein Corona-Ausbruch für einen Anstieg der 7-Tage-Inzidenz gesorgt habe.

Auch befürchtet die Dehoga-Geschäftsführerin, dass es gerade im Bereich Südniedersachsen durch die Nähe zu Hessen, Thüringen und Sachsen-Anhalt zu sogenanntem „Corona-Tourismus kommen könnte: „Wenn die Gastro-Betriebe dort geöffnet haben, fahren die Leute aus Südniedersachsen eben ein bisschen, um gemütlich essen zu gehen.“

Hans-Joachim Nüsse von der Kreishandwerkerschaft, betont, dass die Öffnungsbedingungen für Friseure jederzeit auch auf andere Berufssparten der Körperpflege ausgedehnt werden könnten.

Und: Die Regeln, die jetzt für Lebensmittelmärkte oder Apotheken gelten, könnten ohne Risiko auf Juweliere oder Parfümerien übertragen werden, weil dort ein Massenandrang weder möglich noch zu erwarten sei. (kat)

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