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Frühzeitige Behandlung ist wichtig

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Von: Olaf Weiss

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Die Experten beim Gesundheitsforum zum Vorhofflimmern: (von links) Moderator Dr. Christian Steigertahl, Dr. Martin Scholz, Prof. Wolfgang Schillinger, Dr. Bastian Huber und Dr. Markus Baar.
Die Experten beim Gesundheitsforum zum Vorhofflimmern: (von links) Moderator Dr. Christian Steigertahl, Dr. Martin Scholz, Prof. Wolfgang Schillinger, Dr. Bastian Huber und Dr. Markus Baar. © Olaf Weiss

Vorhofflimmern: Experten antworten auf Fragen

Northeim – Der Abend zu Turbulenzen in der Pumpe zog: 170 Besucher kamen am Montagabend zum Gesundheitsforum in die Northeimer Stadthalle.

Bei der Veranstaltung, zu der der Ärzteverein Northeim, die Helios Albert-Schweitzer-Klinik Northeim und die HNA gemeinsam eingeladen hatten, beschäftigte sich mit dem Vorhofflimmern.

Nach Kurzvorträgen zu verschiedenen Aspekten dieser häufigsten Form der Herzrhythmusstörung stellten sich die Experten

Einige Fragen und Antworten geben wir hier wieder.

Schlafapnoe: Sie ist ein Risikofaktor für Vorhofflimmern. Können diese lang anhaltenden Atemaussetzer während des Schlafes nur in einem Schlaflabor nachgewiesen werden, wollte ein Zuhörer wissen.

Nein, betonte Dr. Scholz. Es gebe inzwischen auch Geräte, die Patienten zuhause in ihrem vertrauten Umfeld einsetzen können.

Zahlreiche Praxen verfügten über diese mobilen Schlaflabore und wiesen die Patienten in die richtige Handhabung ein.

Ablation: Die sogenannte Katheterablation ist eine Methode, ein Vorhofflimmern zu behandeln. Dabei werden die Punkte im Bereich der Lungenvenen verödet, die für die Fehlsignale verantwortlich sind, die das Flimmern auslösen können. Dafür wird in einem minimal-invasiven Eingriff einen Katheter aus der Leistengegend zunächst bis in den rechten Vorhof geführt. Weil aber meist das Vorhofflimmern im linken Vorhof ausgelöst wird, ist es notwendig, die Scheidewand zwischen beiden Vorhöfen zu punktieren, um den Bereich an den Lungenvenen zu erreichen.

Wie gefährlich das für den Patienten ist, wollte eine Zuhörerin wissen? Eine solche Punktierung der Scheidewand stelle durch den erfahrenen Untersucher getätigt kein besonderes Risiko dar, betonte Dr. Huber. Wie oft möglich oder sinnvoll eine Ablation ist, wenn die erste nicht erfolgreich war, wollte ein anderer Zuhörer wissen. Mehr als drei Versuche, per Katheterablation ein Vorhofflimmern zu beseitigen, wird nach den Worten von Dr. Baar kaum ein Kardiologe unternehmen.

Die Erfolgsaussichten seien umso höher, je eher eine Ablation vorgenommen werde, sagte Dr. Huber. Je länger das Vorhofflimmern bestehe, umso geringer sei die Chance, es durch eine Ablation dauerhaft zu beseitigen.

Entsprechend sagte Prof. Schillinger zu einem Zuhörer, der seit zehn Jahren Vorhofflimmern hat, dessen Symptome sich jetzt aber deutlich verstärkt haben, dass es bei ihm noch nicht zu spät für eine Ablation sei, aber die Erfolgsaussichten des Eingriffs seien reduziert.

Medikation: Viele Patienten, die Vorhofflimmern haben, müssen Gerinnungshemmer einnehmen, um ihr Schlaganfallrisiko zu senken. Ob dafür auch ASS (Acetylsalicylsäure), bekannt als Aspirin, eine Alternative sei, war eine weitere Frage. Jahrelang sei ASS entsprechend eingesetzt worden, sagte Dr. Baar. Inzwischen wisse man, dass ASS keinen ausreichenden Schutz gegen das Schlaganfallrisiko biete. Deshalb müssten andere gerinnungshemmende Substanzen gegeben werden.

Verlauf: Verschlimmert sich ein Vorhofflimmern im Laufe der Zeit oder bleibt das Ausmaß und die Symptomatik immer gleich, wollte ebenfalls ein Besucher des Gesundheitsforums wissen. „Es gibt alles“, sagte dazu Dr. Baar. Eine Prognose, wie sich ein Vorhofflimmern im Lauf der Zeit entwickeln werde, sei kaum möglich. Gerade deshalb sei es falsch abzuwarten, sondern es sollte frühzeitig mit einer Behandlung begonnen werden.

Genetik: Welche Rolle die Genetik beim Vorhofflimmern spielt, wollte eine Zuhörerin wissen. Also sei es wahrscheinlicher, dass jemand erkranke, wenn bei Eltern und/oder Großeltern bereits entsprechendes aufgetreten ist.

Erbliche Vorbelastung spiele eine Rolle, sagte Prof. Schillinger. Der Einfluss lasse sich zwar nicht in einem Prozentsatz angeben, aber bei der Diagnose, sei die Familienanamnese wichtig – also eben die Frage, ob Herzkrankheiten oder Schlaganfälle in der Familie bereits vorgekommen sind. (Olaf Weiss)

Vorhofflimmern erhöht das Schlaganfallrisiko

Das sogenannte Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Die „flimmernden“ Vorhöfe, sind nicht mehr fähig, sich ordnungsgemäß zusammenzuziehen, es kommt zu unregelmäßigen Herzaktionen.

Das nicht unmittelbar lebensbedrohliche Vorhofflimmern darf nicht verwechselt werden mit dem Kammerflimmern. Wenn die Herzkammern zu flimmern beginnen, bricht der Kreislauf zusammen, der Betroffene wird bewusstlos. Ohne sofortige Herzdruckmassage und notärztliche Behandlung ist der plötzliche Herztod die Folge.

Viele Betroffene von Vorhofflimmern merken lauter Deutscher Herzstiftung kaum etwas oder gar nichts davon. Das Vorhofflimmern erhöht aber in jedem Fall die Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden.

In den nicht ordentlich arbeiteten Vorhöfen können sich Blutgerinnsel bilden, die dann in die Adern des Gehirns geraten können und ein Gefäß verstopfen.

Ursache Nummer 1 für das Vorhofflimmern ist der Bluthochdruck. Weitere Risikofaktoren sind unter anderem Herzschwäche, koronare Herzerkrankungen und Diabetes mellitus. Auch steigt das Risiko mit zunehmendem Alter. Der Lebensstil hat ebenfalls Einfluss: Übergewicht, Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum sind weitere Risikofaktoren.

Erkannt werden kann ein Vorhofflimmern nur mittels eines EKG, häufig sogar nur mittels eines Langzeit-EKG. (ows)

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