Urteil gegen 24-Jährigen Serienbrandstifter von Einbeck

Fünf Jahre Haft für 17 Brände

Der 24-jährige Angeklagte und sein Verteidiger Markus Fischer im Gerichtssaal des Göttinger Landgerichts.
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Während des Prozesses: Der 24-jährige Angeklagte (im Hintergrund) und sein Verteidiger Markus Fischer im Gerichtssaal des Göttinger Landgerichts.

Das Landgericht Göttingen hat am Donnerstag einen 24-jährigen früheren Feuerwehrmann wegen zahlreicher Brandstiftungen im Raum Einbeck und anderer Straftaten zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Göttingen / Einbeck – Der Angeklagte habe sich der Brandstiftung in 17 Fällen sowie des Betruges in 33 Fällen schuldig gemacht, befanden die Richter. Das Strafmaß liegt exakt zwischen den Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte auf eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren für den 24-Jährigen plädiert, die Verteidigung auf viereinhalb Jahre.

Die Brandserie hatte im vergangenen Sommer große Unruhe in der Öffentlichkeit ausgelöst und die Feuerwehren rund um Einbeck an die Grenze ihrer Belastbarkeit gebracht. Die Polizei hatte damals mit einer Sonderkommission nach dem unbekannten Täter gefahndet, der allein Ende August innerhalb von nur einer Woche an sieben verschiedenen Orten Feuer legte und unter anderem zehn Gartenlauben, ein leer stehendes Wohnhaus, diverse Strohlager und mehrere Scheunen in Brand setzte.

Die gravierendste Tat des 24-Jährigen war laut der Kammer der Brand einer Fachwerkscheune in der Einbecker Ortschaft Stroit (190 000 Euro Schaden). Der Landwirt habe Sorgen um seine Existenz gehabt, weil auch ein Mähdrescher und große Mengen Heu ein Raub der Flammen waren. Ein anderer Landwirt, auf dessen Feld 2000 Strohballen abbrannten, sei in existenzielle Nöte geraten. Er habe Probleme gehabt, Ersatz für das Stroh zu bekommen, das er für sein Vieh braucht.

Das Gericht hielt dem 24-Jährigen zugute, dass er gleich nach seiner Festnahme alle Taten eingeräumt und umfassend ausgesagt hatte. Seinen eigenen Angaben zufolge befand er sich im vergangenen Jahr in einer Krise. Seine Freundin hatte ihn verlassen, er hatte Schulden angehäuft und sich auch noch mit seiner Mutter und seinem Stiefvater zerstritten.

Statt sich den Problemen zu stellen, flüchtete er vor ihnen und ging auch nicht mehr zur Arbeit. Ende Juli lieh er sich in einem Autohaus in Hildesheim einen 300-PS-starken Golf für eine Probefahrt aus, ohne diesen wieder zurückzubringen. Er habe noch etwas Spaß haben und sich dann mit einem selbst inszenierten Unfall das Leben nehmen wollen, gab er an.

In den folgenden Wochen fuhr der Angeklagte mehr als 20 000 Kilometer kreuz und quer durch die Gegend, ohne seine Tankrechnungen in Höhe von insgesamt 1600 Euro zu bezahlen. Außerdem beging er diverse Einmietebetrügereien, indem er mehrere Wochen lang in Hotels übernachtete, ohne die Kosten für Kost und Logis in Höhe von insgesamt rund 5000 Euro zu begleichen.

Der Vorsitzende Richter bescheinigte dem Angeklagten eine gewisse Unreife und äußerte die Hoffnung, dass er in der Haft an sich arbeite und der Strafvollzug ihn „auf eine bessere Spur bringe.“   (pid)

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