56. Bad Gandersheimer Domfestspiele mit Ronja Räubertochter eröffnet

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Begeisterung: Das Premierenpublikum spendete dem Familienstück „Ronja Räubertochter“ lang anhaltenden Beifall. Foto:  Eriksen

Vor nicht ganz ausverkauftem Haus feierte das Kinderstück am Samstag eine gelungene Premiere. Das Publikum applaudierte stehend.

Bad Gandersheim. Heftige Themen werden im Familienstück „Ronja Räubertochter“ nach Astrid Lindgren behandelt, mit dem die 56. Gandersheimer Domfestspiele begonnen haben. Menschen verirren sich und finden wieder zurück, sie erleben, wie schwierig es sein kann, Freunde zu werden - und zu bleiben, es gibt Rivalität zwischen Familien, und nicht zuletzt geht es um die Konflikte, die entstehen, wenn Väter erwarten, dass ihre Kinder das Familienunternehmen fortführen, und vor deren eigenen Wünschen taub sind.

Auf dem Höhepunkt der Verwicklungen in und zwischen den verfeindeten Räuberbanden, die von Mattis und Borka angeführt werden, verstößt Räuberhäuptling Mattis seine Tochter Ronja. Das war ein Gänsehaut erzeugender, emotionaler Höhe- oder Tiefpunkt, je nach Blickwinkel. Als Mattis auf Knien Ronja bat, nach langer Zeit wieder heimzukommen, war das Premierenpublikum wieder mucksmäuschenstill.

Blumige Flüche

Ansonsten wurde viel gelacht auf den nicht ganz ausverkauften Rängen. Die Ernsthaftigkeit ist von Max Merker in eine temporeiche, leichtfüßige Regie verpackt worden. Es gab eine wahre Flut von kraftvollem Körpereinsatz, Situationskomik und Wortwitz. Vor allem die Kinder freuten sich diebisch über blumige Flüche und derbe Beschimpfungen. Einige Anspielungen und Illusionsbrüche verstanden eher die Erwachsenen, das Meiste amüsierte alle Alter. Nur die Kleinsten wurden unruhig, wenn auf der Bühne mehr gesprochen als agiert wurde.

Musik spielt eine große Rolle. Zum einen gibt es schöne und mitreißende Lieder. Zum anderen untermalt die Musik von Dominik Dittrich das Geschehen. Die Elemente des Bühnenbilds von Martin Dolnik sind alltäglich: Mit Hilfe der eigenen Fantasie werden aus Paletten und Getränkekisten eine zweigeteilte Räuberburg oder eine Bärenhöhle und aus Rohren Bäume.

Alice Hanimyan stellt mit großer Bühnenpräsenz, Temperament und Charme die Räubertochter Ronja dar. Ihr ebenbürtig ist Moritz Fleiter als Borka-Sohn Birk. Gunter Heun verkörpert überzeugend den lärmenden Räuberhäuptling und den starrsinnigen, enttäuschten und später einsichtigen Vater.

Annika Bruhns ist Ronjas verständnisvolle Mutter, Andreas Torwesten und Julia Friede amüsieren als Birks Eltern. Hans-Jörg Frey als Glatzen Peer bekam mit seiner Luftgitarre Szenenapplaus, ebenso Silvio Römer als Räuber Pelle für seine Breakdance-Einlage. Tenorhornist Johannes Kiesler stellte den Räuber Klein-Klipp dar. Räuber Dominik Dittrich spielte das Akkordeon.

Gelächter und spontaner Beifall begleitete das 80 Minuten lange, im mehrfachen Wortsinn pausenlose Stück. Zum Schluss gab es lang anhaltenden Applaus.

www.gandersheimer-domfestspiele.de

Von Anne-Lise Eriksen

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