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Garten- und Rasenwässern im Kreis Northeim weiter erlaubt

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Von: Axel Gödecke

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Im Wasserwerk Streitföhr in Northeim sprudelt das aus sieben Tiefenbrunnen hochgepumpte Trinkwasser aus einer Wassertulpe. Wassermeister Thomas Goldmann kontrolliert ständig.
Noch genügend Wasser: Im Wasserwerk Streitföhr in Northeim sprudelt das aus sieben Tiefenbrunnen hochgepumpte Trinkwasser aus einer Wassertulpe. Wassermeister Thomas Goldmann kontrolliert ständig. © Hubert Jelinek

Im Landkreis Northeim herrscht zwar auch Dürre an der Oberfläche, aber es gibt in keiner Kommune einen Trinkwasser-Notstand.

Landkreis Northeim – Deutschland schwitzt seit Wochen, Dürre breitet sich aus. Einige Kommunen in Hessen und Nordrhein-Westfalen haben schon den Trinkwassernotstand ausgerufen und – wie zum Beispiel die Stadt Königstein (Hochtaunus) – das Bewässern von Grünflächen und Befüllen von Pools mit Trinkwasser verboten. Im Kreis Northeim ist das noch nicht der Fall, wobei die Betonung auf „noch“ liegt.

Die Stadtwerke Northeim, die für die Trinkwasserversorgung in Northeim zuständig sind, verzeichnen bereits einen Rückgang der Pegelstände in ihren sieben Tiefenbrunnen um rund 30 Zentimeter seit 2018. Ein Zeichen, dass der Grundwasserspiegel sinkt. Trotzdem, so versichert SWN-Technikchef Thorsten Buschjost, werde es in Northeim keinen Trinkwassernotstand geben: „Wir sind mit Wasser gut gesegnet.“ Die Brunnen haben Tiefen von 11 und 44 Metern, der tiefste geht sogar 77 Meter in die Erde.

Thorsten Buschjost, Technikleiter SWN
Thorsten Buschjost, Leiter Technik bei den Stadtwerken Northeim © Katrin Plikat

Rasenwässern sei deswegen weiter erlaubt, allerdings rufe man trotzdem dazu auf, mit Trinkwasser sorgsam umzugehen. Die Feuerwehren habe man vorsichtshalber gebeten, dass sie ihre Löschübungen mit Wasser lieber verschieben sollten, damit es nicht zu kurzfristigen Engpässen komme.

In den aktuell heißen Tagen wird ohnehin von den Haushalten deutlich mehr Wasser verbraucht, als normal. Die Stadtwerke Northeim verzeichneten beispielsweise am bislang heißesten Tag dieses Sommers, am 20. Juli, einen Trinkwasserverbrauch von 5602 Kubikmetern, fast ein Viertel mehr als an einem normal temperiertem Tag im April. 

Auch die Stadt Uslar, die ihr Trinkwasser aus 4 Brunnen und 5 Quellen speist, hat laut Bürgermeister Torsten Bauer derzeit kein Problem mit der Trinkwasserversorgung, sodass selbst Rasensprengen erlaubt sei. Bauer: „Aber natürlich muss man das bei der Hitze nicht machen, da setzen wir auf die Vernunft.“ Der erneut extrem trockene Sommer werde sich wahrscheinlich erst in Monaten auswirken. „Da rechnen wir dann schon mit Absenkungen des Grundwassers und weniger Wasser aus den Quellschüttungen, die größtenteils im Wald liegen.“

Kalefelds Bürgermeister Jens Meyer sagt, dass man in Kalefeld schon jetzt einen Rückgang der Quell-Schüttmengen beobachte. Es sei aber noch alles im grünen Bereich, sodass keine Verbote ausgesprochen werden mussten. Sollte sich die Situation verschärfen, werde es aber wohl Verbote geben.  

Akute Wasserknappheit gibt es in allen Gemeinden im Kreisgebiet trotz der aktuellen Hitzeperiode nicht. Das wird von allen Kommunen auf HNA-Anfrage bestätigt.

So auch nicht in der Gemeinde Katlenburg-Lindau. Das Bewässern von Gärten und Rasenflächen sei nicht verboten, und es sei auch nicht geplant, ein Verbot auszusprechen, betont Kämmerer Klaus Dieter-Rust. Nach seinen Worten befinden sich im Gemeindegebiet fünf Tiefenbrunnen, die auch bei längerer Trockenheit ausreichend Wasser lieferten.

Das trifft auch auf die Stadt Hardegsen zu, wie Frederick Trümper, stellvertretender Leiter der Stadtwerke Hardegsen, versichert. An Nutzungsverbote werde derzeit nicht gedacht. Dennoch sollte natürlich auf einen sorgsamen Umgang mit der Ressource Wasser geachtet werden. Das Trinkwasser der Stadt Hardegsen wird aus Tiefenbrunnen gespeist. Der Hauptbrunnen am Wasserwerk am Schöttelbach zwischen Ellierode und Hardegsen ist über 100 Meter tief. Auch in Trögen gibt es einen Brunnen.

„Aktuell haben wir keine Wasserknappheit in Moringen, das Rasensprengen ist somit nicht verboten und auch bis dato nicht angedacht“, sagt auch Bernd Cranen von den Stadtwerken-Leine-Solling, die das Stadtgebiet Moringen mit Trinkwasser versorgen. „Doch ein unnötiger Gebrauch unseres wertvollen Trinkwassers sollte trotzdem von jedem Einzelnen geprüft werden.“

Das sagt auch Bodenfeldes Bürgermeister Gerald Wucherpfennig. Wasser aus dem Tiefenbrunnen, der sich bei der Ortschaft Amelith befindet, sei reichlich vorhanden. Deswegen werde auch nicht über Verbote, beispielsweise von Garten- und Rasenbewässerung, nachgedacht.

Auch in der Gemeinde Nörten-Hardenberg beschäftigt man sich aktuell nicht mit dem Thema „akuter Wassermangel“ oder Verbote. Die acht Ortschaften des Fleckens werden aus vier Tiefenbrunnen sowie aus der Pohlsburgquelle gespeist.

Tipps: Gezielt gießen und den Rasen derzeit lieber gar nicht

Wenn der Gartenschlauch ans Trinkwasser angeschlossen wird, werden Ressourcen verschwendet, warnt der Naturschutzbund Deutschland. Wer die Möglichkeit dazu habe, sollte Regenwasser auffangen und damit gießen. Das sei kostenlos und das Gießwasser habe die richtige Temperatur für die Pflanzen.

Wässern sollte man Pflanzen sehr spät abends oder ganz früh am Morgeen, sonst verdunste das Wasser, bevor es die Wurzeln erreicht. Gezieltes Gießen mit der Gießkanne sei die sinnvollste Methode, und zwar direkt im Wurzelbereich.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Hessen rät vom Rasenwässern derzeit generell ab. Thomas Norgall, Naturschutzreferent beim hessischen BUND rät zur Gelassenheit: „Wässern Sie Ihren Rasen nicht mit wertvollem Trinkwasser, sondern ertragen Sie seine ‚Sommerbräune‘“. In der Regel überlebe der Rasen Trockenphasen. Bei ausreichend Niederschlägen treibe er aus den Wurzeln im Boden wieder aus und bilde eine neue grüne Fläche. (Axel Gödecke)

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