Gastronom geht mit 68 Jahren in den Ruhestand

Kult-Italiener: Bepi sagt grazie und ciao

Ein Gläschen zum Abschied bei italienischer Beleuchtung: Giuseppe Lorenzon und Sieglinde Sander geben ihre Pizzeria Venezia nach 39 Jahren auf. Am Samstag wird zum Abschied groß gefeiert. Bepi würde sich sehr freuen, wenn er einen Nachfolger für die Pizzeria finden würde.
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Ein Gläschen zum Abschied bei italienischer Beleuchtung: Giuseppe Lorenzon und Sieglinde Sander geben ihre Pizzeria Venezia nach 39 Jahren auf. Am Samstag wird zum Abschied groß gefeiert. Bepi würde sich sehr freuen, wenn er einen Nachfolger für die Pizzeria finden würde.

Northeim. Northeims Kult-Italiener geht mit 68 Jahren in den Ruhestand. Seine bekannte und beliebte Panzarotti will er bei Festen aber weiter brutzeln.

Unter seinem richtigen Namen kennt ihn kaum jemand: Dabei ist Giuseppe Lorenzon der wahrscheinlich bekannteste Italiener in ganz Northeim. Der 68-Jährige betreibt in der Breiten Straße Ost im Haus mit der Nummer 16 seit 39 Jahren seine Pizzeria Venezia. Doch damit ist jetzt Schluss, denn Bepi, wie ihn alle nennen, schließt sein Restaurant für immer zu.

Bepi genießt bei vielen Kreisstädtern eine Art Kult-Status. Das hätte sich Giuseppe Lorenzon ganz sicher nicht träumen lassen, als der aus Treviso 60 Kilometer nördlich von Venedig stammende Italiener 1970 erstmals deutsche Luft schnupperte. Das war in der Hansestadt Lübeck.

„Bepi konnte nur drei Sätze, als er 1970 nach Deutschland kam.“

Bepi arbeitete im Winter als Lkw-Fahrer, hat die Kunden in seiner Heimat mit Heizöl beliefert. Im Sommer wollte er etwas anderes machen. Also hat er wie so viele seiner Landsleute bei uns Eis verkauft. Die einzigen Worte, die er damals auf deutsch kannte, waren die Fragen „Ein Eis zu zehn?“, „Ein Eis zu zwanzig?“ und „Einpacken oder geht so?“ Das berichtet seine Lebensgefährtin Sieglinde Sander mit einem Schmunzeln. Die beiden kennen sich bereits seit 25 Jahren, sind seit 19 Jahren ein Paar.

„Ich habe damals als Aushilfe bei Bepi angefangen und immer wieder um vier Wochen verlängert, bis ich endgültig geblieben bin“, berichtet die 65-Jährige, die aus Denkershausen stammt und dort auch zusammen mit Bepi wohnt.

Bepi ist 1974 erstmals nach Northeim gekommen und hat am heutigen Standort ein Eiscafé eröffnet. „Schon wenig später gab es bei mir Pizza und Nudeln“, erinnert sich der 68-Jährige. Von da an hat sich sein Angebot an italienischen Speisen ständig erweitert. „Ich habe mir alles selber ausgedacht“, sagt Bepi. Und: „Bei mir steht nur auf der Karte, was mir selber schmeckt!“

Und wie sieht es mit deutschen Gerichten aus. „Gern esse ich Rumpsteak und ...“ Giuseppe Lorenzon legt eine Pause ein, ihm fällt der Name nicht ein, bis ihm seine Sieglinde weiterhilft. „Du meinst Haxe!“ – „Ja, genau!“

Deutschland hat er in den über vier Jahrzehnten schätzen und lieben gelernt. Was ihm allerdings gar nicht gefällt, ist die ständig zunehmende Bürokratie mit immer neuen Vorschriften.

Bevor Bepi seine Pizzeria Anfang der kommenden Woche endgültig abschließt, wird an diesem Wochenende groß gefeiert. „Wer sich von uns verabschieden möchte, ist am Samstag ab 12 Uhr willkommen. Es gibt Essen und Getränke, ein Unterhaltungsprogramm mit DJ und Entertainer. Auf der Facebook-Seite wurde sein Abschiedsfest schon über 11 000-mal geklickt.

Zwar werden sich Bepi und Sieglinde demnächst anderen Dingen zuwenden wie zum Beispiel längeren Besuchen in Bepis Heimat bei seinen vier Geschwistern – „Bis jetzt haben wir immer nur eine Woche Urlaub im Jahr gemacht“ – und Bepi wird öfter als bisher seine geliebte Angelroute in die Hand nehmen, doch auf eins müssen die Northeimer auch künftig nicht verzichten. Seine Panzarotti, die mindestens genauso bekannt ist wie er, will er auch künftig auf Festen brutzeln.

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