Insbesondere Minijobber sind abgewandert

Wegen Corona: Der Gastronomie im Kreis Northeim fehlt Personal

Eine Servicekraft bedient in einem Restaurant. (Symbolbild)
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Den Restaurants fehlt wegen Corona das Servicepersonal. (Symbolbild)

Dem Gastronomie- und Hotelgewerbe im Kreis Northeim fehlt Personal. Die Gewerkschaft Nahrung-Genussmittel-Gaststätten (NGG) spricht von Fachkräfte-Krise.

Landkreis Northeim - Jeder achte Beschäftigte hat nach Angaben der Gewerkschaft dem Gastgewerbe im Kreisgebiet Northeim im Coronajahr 2020 den Rücken gekehrt. Das sind fast 280 Menschen.

Die Zahl wird von der Arbeitsagentur bestätigt. Allerdings verweist Sprecherin Christine Gudd darauf, dass der Rückgang ausschließlich geringfügig Beschäftigte (Minijobber) betreffe, die in der Pandemie nicht vom Kurzarbeitergeld profitieren konnten. Das werde nur an sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gezahlt.

Waren im Dezember 2019 im Gastgewerbe kreisweit 923 Minijobber tätig, so waren es Ende 2020 nur noch 638, ein Minus von 31 Prozent.

Renate Mitulla, Geschäftsführerin des Dehoga-Kreisverbands Northeim (Hotel- und Gaststättenverband), der 92 Mitgliedsbetriebe zählt, bestätigt die Abwanderung der Aushilfskräfte. Schon die Einführung des Mindestlohns habe den Trend eingeleitet, Corona habe ihn verstärkt.

Renate Mitulla

Insbesondere der Einzelhandel habe Mitarbeiter abgeworben. „Aufgrund der von der Politik erlassenen Beschränkungen gelten wir nicht mehr als krisensichere Branche“, sagt sie. Dies führe auch dazu, dass man Probleme habe, Fachkräfte und Auszubildende zu werben. Der Verband werde versuchen, die attraktiven Seiten des Gastgewerbes (Spaßfaktor, Kontakt zu Menschen, freier Tag in der Woche) herauszustellen und gegenzusteuern.

Und was sagen die Wirte? Henrik Schwarz, Chef des Landhotels Rothenberg Volpriehausen, sucht dringend Personal aller Art. Habe er vor Corona 110 Mitarbeiter gehabt, so seien es jetzt nur noch 80. Sam Ledderhose (Inhaber Hotel-Restaurant Sachsenross, Betreiber Golfrestaurant Levershausen, Lokhallen-Caterer) ist zuversichtlicher.

Zum einen hatte Ledderhose seinen Festangestellten das Kurzarbeitergeld aufgestockt und sie so halten können, zum anderen meint er, die abgewanderten 450-Euro-Kräfte schnell wiederzubekommen. Die Nachfrage nach Veranstaltungen sei nach den Corona-Lockerungen riesig.

Zusätzliche Fachkräfte zu finden, die auch er brauche, sei allerdings wirklich schwer, so der Sachsenross-Inhaber.

Viele freie Stellen im Gastgewerbe

Im Gastgewerbe sind im Landkreis Northeim laut Arbeitsagentur-Pressesprecherin Christine Gudd aktuell 37 offene Stellen bei der Arbeitsagentur zur sofortigen Besetzung ausgeschrieben. Die Nachfrage aus dem Gastgewerbe laufe jedoch nach den jüngst erfolgten Corona-Lockerungen erst langsam wieder an, heißt es weiter. Viele Betriebe hätten noch nicht in alter Stärke wieder geöffnet. Die Agentur erwarte bald eine noch eine deutlich höhere Nachfrage.  (Axel Gödecke)

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