Änderung im Oktober

Gelber AU-Schein – Das ändert sich bei der Krankschreibung

Ein Auslaufmodell: Der gelbe Schein der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.
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Ein Auslaufmodell: Der gelbe Schein der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Heute startet offiziell die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU). Das heißt, der gelbe Schein für Krankenkasse, Arbeitgeber und Patient soll durch eine digitale Form ersetzt werden.

Northeim – Um die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU), das elektronische Rezept (eRezept) oder die elektronische Patientenakte (ePA) kommt nach aktuellem Stand ab Januar 2022 keine Praxis mehr herum, sagt Detlef Haffke, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Erforderlich dafür ist, dass die Praxen an die Telematik-Infrastruktur für das Gesundheitswesen (TI) angeschlossen sind.

Doch wer sich heute oder in den kommenden Wochen krankschreiben lassen muss, wird trotzdem eine Papiervariante erhalten, denn ganz so, wie vom Gesetzgeber geplant, funktioniert die Umsetzung nicht.

Krankmeldung mit gelbem eAU-Schein: „Es scheint alles noch nicht richtig ausgegoren zu sein“

„Wir werden am 1. Oktober in unserer Praxis noch keine eAU ausstellen, da die ganze Technik ja noch nicht zu funktionieren scheint und nur zehn Prozent der Krankenkassen die eAU überhaupt empfangen können“, nennt Wolfgang Boldt, Vorsitzender des Northeimer Ärztevereins, einige Gründe, die auch die anderen Kassenärzte betrifft. Zudem sei es nach den aktuellen Maßgaben noch keine richtige Digitalisierung mit Umstellung und Vereinfachung, sondern zunächst eine doppelte Arbeit.

Denn zusätzlich zur elektronischen Übertragung müsse dem Patienten bis Juli 2022 die AU-Bescheinigung für den Arbeitgeber und den Versicherten noch auf Normalpapier gedruckt und händisch unterschrieben werden. „Es scheint alles noch nicht richtig ausgegoren und erprobt zu sein“, so Boldt und das führe zu Mehraufwand, Stress und Frust bei den Vertragsärzten. Einige Kollegen seien auch verunsichert.

AU-Schein: Aktuell 30 Prozent der Praxen in Niedersachsen in der Lage, die eAU auszustellen

Insbesondere technische Probleme und Lieferengpässe nennt auch Detlef Haffke, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, als Gründe für die verzögerte Umsetzung der eAU. „Selbst Fachleute der Praxisverwaltungssysteme, die die neuen Techniken in den Arztpraxen anschließen sollen, scheitern häufig, oft fehlen auch Komponenten, die für den Anschluss nötig sind“, weiß er zu berichten.

Bisher sind laut Haffke schätzungsweise nur um die 30 Prozent der Praxen in Niedersachsen in der Lage, die eAU auszustellen. Dennoch: In den kommenden Wochen und Monaten werde „die Digitalisierung die Praxen mit voller Wucht treffen.“

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Elektronisches Rezept und digitale Patientenakte: In vielen Praxen fehlen technische Voraussetzungen

Um die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU), das elektronische Rezept (eRezept) oder die elektronische Patientenakte (ePA) kommt nach aktuellem Stand ab Januar 2022 keine Praxis mehr herum, sagt Detlef Haffke, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Erforderlich dafür ist, dass die Praxen an die Telematik-Infrastruktur für das Gesundheitswesen (TI) angeschlossen sind.

Schon jetzt würden Praxen, die sich nicht angeschlossen haben, mit Honorarkürzungen (2,5 Prozent des Honorarumsatzes im Quartal) sanktioniert. Versendet werden die Daten über den Kommunikationsdienst KIM (Kommunikation in der Medizin). Erforderlich ist zudem ein elektronischer Arztausweis (eHBA), um die eAU elektronisch zu signieren, sowie entsprechende Updates für die Praxissoftware zu laden. Sollte ab 1. Januar 2022 technisch alles laufen, dann sei neben der eAU auch das eRezept verpflichtend.

Die elektronische Patientenaktie (ePA) gibt es in der Theorie schon seit 1. Juli. Doch aktuell nutzen sie laut Haffke nur wenige Versicherte, denn auch hierfür fehlen in den allermeisten Arztpraxen noch die technischen Voraussetzungen. Perspektivisch sollen 200 000 Krankenhäuser, Arztpraxen, Apotheker, Pflegeheime und andere Gesundheitseinrichtungen durch die ePA besser vernetzt werden und hätten dann schnell Zugriff auf alle relevanten Daten.

Zeitplan der Digitalisierung in Arztpraxen

Mehr als 7,5 Millionen AU-Bescheinigungen werden jährlich von Ärzten in Niedersachsen ausgestellt. Der Start der eAU wurde von Januar 2021 auf Oktober verschoben. Der Zeitplan sieht nun vor, dass ab 1. Oktober die eAU startet, aber noch nicht verpflichtend. Ab 1. Januar 2022 wird sie zur Pflicht, was die Meldung bei der Krankenkasse anbelangt, für den Arbeitgeber wird sie weiterhin ausgedruckt. Ab 1. Juli 2022 wird alles online. Dann wird auch das E-Rezept verpflichtend. rom

Gelber AU-Schein und Patientenakte: Auch Impfausweis, Mutterpass und Bonushefte sollen digital werden

In der ePA können von jedem Nutzer die persönlichen medizinischen Daten erfasst werden. Zurzeit gibt es aber nur die Möglichkeit, eine Berechtigung für die gesamte ePA zu erteilen. Das soll sich ab 1. Januar ändern, so Haffke. Dann können die Versicherten entscheiden, mit welchen Praxen sie die Daten teilen. Auch ab 2022 sollen das zahnärztliche Bonusheft, der Impfausweis, der Mutterpass und das „Gelbe Heft“ für die Kinderuntersuchungen in der Akte gespeichert werden können.

Der Zugriff auf eine Akte ohne vorherige Autorisierung durch die Versicherten sei technisch ausgeschlossen. Die Daten seien kryptografisch verschlüsselt. Für die Registrierung brauche der Versicherte die Krankenversicherungsnummer und eine PIN zur Gesundheitskarte, die man von der Krankenkasse erhalte, sowie eine gültige E-Mail-Adresse. Die Nutzung der ePA ist freiwillig. Privatversicherte sollen auch ab 1. Januar die ePA nutzen können. Neben der AU-Bescheinigung gibt es im Oktober weitere Neuerung, zum Beispiel bei Corona-Tests, der Steuererklärung und Früherkennungsuntersuchung. (Rosemarie Gerhardy)

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