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Geld und Beratung vom Landschaftsverband Südniedersachsen gegen die Krisen der Kultur

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Von: Olaf Weiss

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Die Aufführung der „Marienvesper“ von Claudio Monteverdi durch die Northeimer Sixti-Kantorei ist eines der vom Landschaftsverband geförderten Projekte. Archivoto: Axel Janßen
Die Aufführung der „Marienvesper“ von Claudio Monteverdi durch die Northeimer Sixti-Kantorei ist eines der vom Landschaftsverband geförderten Projekte. Archivoto: Axel Janßen © Axel Janßen

Landschaftsverband Südniedersachsen legt Förderbilanz vor

Northeim / Göttingen – Der Landschaftsverband Südniedersachsen hat im vergangenen Jahr mehr als eine Million Euro an Zuschüssen ausgezahlt. Das ist nach Mitteilung des Verbandes eine Steigerung von rund 150 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren. Knapp 160 Förderungen seien gewährt worden.

„In normalen Zeiten wäre es eine erfreuliche Entwicklung, wenn mehr Geld für die Kultur zur Verfügung gestellt wird. Aber die vergangenen drei Jahre waren nicht normal“, urteilt Olaf Martin, der Geschäftsführer des Landschaftsverbandes. Tatsächlich sei das zusätzliche Geld ein Krisensymptom.

Denn mit fast 470 000 Euro erfolgte fast die Hälfte dieser Zuschüsse aus Corona-Hilfsprogrammen für Solo-Selbständige im Kultursektor. Das Land hatte die Landschaftsverbände seit Herbst 2020 mit der Ausführung des Programms „Niedersachsen dreht auf“ betraut. Hiermit wurden gezielt die Gagen und Projekte von Kulturschaffenden bezuschusst, die von ihrer künstlerischen Tätigkeit leben oder das zumindest versuchen. Denn das war bekanntlich in der Corona-Krise besonders schwer.

Olaf Martin, Geschäftsführer des Landschaftsverbandes
Olaf Martin, Geschäftsführer des Landschaftsverbandes. © Axel Schmidt

„Der Coronakrise folgte die Publikumskrise und danach kam die Energiekrise –und bei keiner dieser Krisen ist so richtig klar, ob wir sie schon überstanden haben“, sagt Martin. Klar sei aber, dass speziell die Corona-Hilfen ankamen: „Wir wissen aus vielen Rückmeldungen von Betroffenen, dass das eine wirkliche Überlebenshilfe war.“

Das ungewisse Publikumsinteresse und die steigenden Energiekosten üben nach seinen Worten aktuell einen starken Druck auf die Kulturanbieter aus. Der Bedarf an Förderung und an Beratung werde nicht nachlassen. Während es in den vergangenen drei Jahren oft einfach um das Überleben ging, müsse nun die Frage in den Mittelpunkt rücken, welche Inhalte und Veranstaltungsformen in Zukunft noch auf ein ausreichendes Interesse stoßen werden.

Das Theater der Nacht in Northeim.
Das Theater der Nacht in Northeim erhielt ebenfalls Förderungen. © Olaf Weiss

„Wir merken, dass es für viele Kulturveranstalter, die sich in den letzten Jahren noch auf eine stabile Nachfrage verlassen konnten, jetzt eng wird“, sagt der Geschäftsführer. „Ob sich diese anpassen können oder ob sich stattdessen ganz andere Kulturangebote etablieren werden, und wenn ja, wie diese aussehen, das wüssten wir nur zu gerne.“ Fest stehe, dass diese Herausforderungen nicht allein mit höheren Förderetats zu bewältigen seien. Der Landschaftsverband fördere die Kultur daher nicht nur mit Zuschüssen.

Für viele Kultureinrichtungen und insbesondere die Museen der Region ist laut Pressemitteilung dessen Fachpersonal ein wichtiger Beratungspartner. Mit der neuen Plattform kulturis.online sollen die Information und der Überblick zum regionalen Kulturleben verbessert werden.

Mit verschiedenen Projekten, wie zum Beispiel einem Notfallverbund, soll der Schutz von Kulturgütern in Museen und Archiven organisiert oder überhaupt erst einmal deren Bedeutung erfasst werden. Das sind eigentlich Aufgaben, um die sich die Kommunen kümmern müssten. „Für die meisten unserer Städte und Landkreise lohnt es sich nicht, das hierfür erforderliche Fachpersonal einzustellen“, erläutert Martin.

Dass aber die Mitgliedskommunen des Landschaftsverbandes diese gemeinsame Aufgabe für wichtig halten, erkenne man auch daran, dass sie kürzlich eine allgemeine Erhöhung ihrer Beiträge an den Verband beschlossen haben – die erste seit dessen Gründung 1989. (Olaf Weiss)

Förderung von Veranstaltungen und Investitionen

Folgende Projekte hat der Landschaftsverband im Landkreis Northeim im Jahr 2022 gefördert:

Northeim:

- Förderkreis Kantorei St. Sixti: 6000 Euro für Marienvesper-Konzert;

- Förderverein Stadthalle: 10 000 Euro für Gundermann-Kulturtage und 1500 Euro für Poetry Slam 2022;

- Initiative Kunst und Kultur: 3800 Euro Strukturförderung:

- Stadt Northeim: 8000 Euro für Kinder- und Jugendfestival auf der Waldbühne;

-Theater der Nacht: 7500 Euro für Streaming-Kameratechnik, 9000 Euro Strukturförderung und 25 000 Euro für die Spielzeit 2022.

Bad Gandersheim:

- Concerto Gandersheim: 5000 Euro Strukturförderung;

- Förderverein Landesgartenschau: 8000 Euro für Projekt „Dorfschönheiten“;

- Praeteritum gGmbH 9000 Euro für Erlebnisausstellung „Roms Legionen auf dem Marsch“;

- Weltbühne Heckenbeck: 5000 Euro Strukturförderung.

Einbeck:

- Backpackers Inn: 23 000 Euro für das Herbstprogramm und 3900 Euro für Bühnentechnik;

- Bühnenstürmer: 1200 Euro für das 10. Zelttheater und 1900 Euro für ein Mischpult und zwei LED-Scheinwerfer;

- Förderverein Alte Synagoge: 1400 Euro für die Verbesserung der Raumakustik;

- Heimatverein Kreiensen: 2000 Euro für Schauvitrinen;

- Konzert- und Kulturfreunde Einbeck: 8000 Euro Strukturförderung und 19 000 Euro für das Blaudruckjahr;

- Kultur im Esel: 3000 Euro Strukturförderung;

- Solicafé „Zur Molli“: 2600 Euro für Gleiskonzerte am Sonntag;

- Verein zur Erhaltung der Burg Grubenhagen: 1400 Euro für einen Infopunkt.

Uslar:

- Kulturbahnhof: 6000 Euro Strukturförderung;

- Literatur- und Kunstkreis: 3000 Euro Strukturförderung.

Übriges Kreisgebiet:

- Nuts-4-Rock (Hardegsen): 24 000 Euro für vier Rock-Konzerte;

- Feuerwehrverein Kalefeld: 2000 Euro für Musikinstrumente für den Musikzug;

- Heimatverein Moringen: 1200 Euro für W-Lan im Museum.

Förderungen 2023: Neben der erneut gewährten Strukturförderungen hat der Landschaftsverband für 2023 bereits Zusagen für folgende Projekte im Landkreis Northeim gegeben:

- Landesgartenschau Bad Gandersheim gGmbH: 8500 Euro für das Kunstprojekt „Und“;

- St.-Alexandri-Stiftung Einbeck 1500 Euro für das Theaterprojekt Kullererbse;

- Evangelische Kirchengemeinde Hardegsen: 2000 Euro für die Matthäuspassion von J. C. Kieling;

- Nuts-4-Rock (Hardegsen): 2000 Euro für drei Rock-Konzerte. (ows)

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