Neue Regelung greift ab 2025

Gemeinden im Kreis Northeim bereiten Grundsteuerreform vor: Gute Lagen werden teurer

Neubaugebiet südlicher WIeter in Northeim von oben:  Nachdem die 54 Baugrundstücke im oberen Bereich des südlichen Wieters verkauft und teils auch schon bebaut (vorn im Bild) sind, soll die Erschließung mit dem nächsten Abschnitt nach unten hin (grünes Feld) weitergehen.
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Wer im Neubaugebiet am Wieter ein Grundstück gekauft hat, wird wohl ab 2025 wegen der guten Lage mehr Grundsteuer zahlen müssen.

Die Städte und Gemeinden im Kreis Northeim bereiten sich auf die Umsetzung der Grundsteuerreform vor, die das Bundesverfassungsgericht fordert.

Landkreis Northeim - Ab 2025 soll das neue Recht greifen. Hausbesitzer in „guten Lagen“ müssen damit rechnen, dass sie stärker zur Kasse gebeten werden, schlechtere Lagen werden entlastet.

„Wir bereiten uns jetzt schon vor, zum Beispiel durch die Einrichtung der elektronischen Steuerakte“, sagt Nils Backhauß, Leiter des Finanzmanagements der Stadt Northeim. „Mit einem Elster-Transferzugang zum Finanzamt können wir ab Herbst 2021 die Grundsteuermessbescheide digital übermitteln und bearbeiten.“

Nils Backhauß

Backhauß erläutert auch, wie das Flächen-Lage-Modell des Landes Niedersachsen funktionieren soll. Danach werde es neben der Flächengröße des Grundstücks und dem Steuerhebesatz der Kommune einen neuen Lagefaktor geben. Dieser werde vom Finanzamt festgesetzt.

Der Lagefaktor, so erklärt es das Land Niedersachsen, werde sich am Bodenrichtwert orientieren, den das Katasteramt jährlich für alle Grundstücke ermittelt. Allerdings werde der Bodenrichtwert fürs jeweilige Grundstück mit dem Gemeindedurchschnitt verglichen. Da es aber nicht auf die absolute Höhe eines Grundstückswertes (Verkehrswert) ankommen soll, werde dieser Faktor noch angemessen gedämpft.

So führe ein doppelt so hoher Bodenrichtwert im Vergleich zum Durchschnitt nur zu einem Zuschlag von 20 Prozent, der Lagefaktor beträgt 1,2. Bei Grundstücken in abgelegenen Lagen kann der Lagefaktor auch unter 1 sein.

Mit der Umsetzung beschäftigen sich natürlich auch alle anderen Gemeinden im Kreis bereits. Torsten Bauer, Bürgermeister von Uslar: „Wir rechnen ab 1. Januar 2022 mit den Datenlieferungen durchs Finanzamt.“

Ab 2025 sollen die Messbescheide gelten, das Ganze müsse aber aufkommensneutral geschehen. Darauf weisen auch die Bürgermeister von Hardegsen und Katlenburg-Lindau, Michael Kaiser und Uwe Ahrens hin. Sollte es im Vergleich zu 2024 zu Mehreinnahmen kommen, müssen die Hebesätze gesenkt werden.

Drittgrößter Einnahmeposten

Nach dem Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer und der Gewerbesteuer ist die Grundsteuer der drittgrößte Einnahmeposten einer Stadt oder Gemeinde. In der Stadt Hardegsen beispielsweise mache der Grundsteueranteil immerhin 8,5 Prozent der Erträge im Gesamthaushalt aus, betont Bürgermeister Michael Kaiser. Das gilt in etwa aber auch für andere Städte und Gemeinden im Landkreis Northeim.

Das nehmen die Kommunen durch die Grundsteuer ein

So beträgt das Grundsteueraufkommen in Hardegsen laut Kaiser 2021 voraussichtlich rund 1,1 Millionen Euro, wobei allein eine Million Euro auf die Grundsteuer B (bebaute und unbebaute Grundstücke außerhalb der Landwirtschaft) entfallen.

In der Stadt Northeim, so teilt Nils Backhauß mit, lag die Einnahme aus der Grundsteuer im vorigen Jahr bei 5,4 Millionen Euro, davon stammen 5,1 Millionen aus der Grundsteuer B.

Die Stadt Uslar konnte laut Bürgermeister Torsten Bauer im vorigen Jahr 2,25 Millionen Euro aus der Grundsteuer einnehmen, davon entfallen 2,1 Millionen Euro auf die für die Haus- und Grundbesitzer wichtige Grundsteuer B.

Für Nörten-Hardenberg beziffert Kämmerer Alexander Schilling die Grundsteuereinnahme insgesamt auf 1,06 Millionen Euro. Auch er betont, dass die Grundsteuerreform mit Lagefaktor zum 1. Januar 2025 umgesetzt werden soll. Die Steuerpflichtigen würden im Januar 2025 einen geänderten Steuerbescheid ins Haus bekommen. Sollten bis dahin noch keine Grundsteuermessbescheide vom Finanzamt vorliegen, werde die Veranlagung schnellstmöglich mit den geänderten Werten rückwirkend zum 1. Januar 2025 festgesetzt.

Die Stadt Moringen kalkuliert laut Frank Breithaupt, Leiter der Kämmerei, für dieses Jahr mit Grundsteuereinnahmen in Höhe von 1,3 Millionen Euro, wobei die Grundsteuer B allein 900 000 Euro ausmache. Er verweist im Übrigen darauf, dass die ab 2025 geltenden neuen Messbescheide mit Lagefaktor nicht für die landwirtschaftlich genutzten Flächen, die mit der Grundsteuer A erfasst werden, gelten.

Die Grundsteuereinnahmen der Gemeinde Katlenburg-Lindau belaufen sich nach Angaben von Bürgermeister Uwe Ahrens für dieses Jahr auf 980 000 Euro, davon machte die Grundsteuer B allein 875 000 Euro aus.

Auf eine Summe bei der Grundsteuer, genau auf insgesamt 850 000 Euro jährlich, kommt nach Aussagen von Bürgermeister Jens Meyer die Gemeinde Kalefeld.

In der kleinsten Gemeinde im Kreisgebiet, in Bodenfelde, liegt das Grundsteueraufkommen für dieses Jahr laut Kämmerer Gerald Wucherpfennig bei insgesamt 610 000 Euro. Zur Umsetzung der Reform werde man eng mit dem Finanzamt und dem EDV-Dienstleister Kommunale Dienste Göttingen (KDG) kooperieren, um vielleicht die neue Grundsteuerfestsetzung schon im zweiten Halbjahr 2024 zu schaffen.

Lagefaktor soll auf Karte sichtbar sein

Wie der jeweilige Lagefaktor für das eigene Grundstück ausfällt, das sollen für die Grundeigentümer übrigens online auf einem sogenannten Grundsteuer-Viewer einsehbar sein, schreibt die Landesregierung auf ihrer Internetseite. Es soll eine Kartendarstellung sein, aus der sowohl die Flächen als auch die Faktoren der einzelnen Grundstücke ersichtlich sein werden. (Axel Gödecke)

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