Gericht: Acht Fälle sind erwiesen – weitere nicht nachweisbar

50-Jähriger wegen Kindesmissbrauchs zu über sechs Jahren Haft verurteilt

Weil er vier Mädchen sexuell missbraucht oder belästigt hat, soll ein 50-jähriger Bekannter des Haupttäters aus dem Missbrauchskomplex in Lügde für sechs Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Das hat am Mittwoch das Landgericht Göttingen entschieden.

Statue der Justitia (Symbolbild).

Northeim / Göttingen – Das Gericht verurteilte den aus der Schweiz stammenden Angeklagten, der zuletzt in einem Dorf im Landkreis Northeim gewohnt hatte, wegen insgesamt acht Taten.

Die Kammer sei überzeugt, dass es sehr viel mehr Taten gegeben habe, sagte der Vorsitzende Richter Michael Kalde. Diese seien jedoch nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachweisbar. Deshalb habe man in den übrigen 20 angeklagten Fällen einen Freispruch verhängt, allerdings nicht wegen erwiesener Unschuld, sondern aus Mangel an Beweisen.

Die Kammer blieb mit ihrem Urteil knapp unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten gefordert hatte. Die Verteidigung hatte auf zwei Jahren auf Bewährung plädiert.

Am Ende des neunmonatigen Prozesses sah es die Kammer als erwiesen an, dass sich der 50-Jährige in zwei Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in Tateinheit mit der Herstellung von kinderpornografischen Schriften schuldig gemacht hat, hinzu kommen ein weiterer Fall von sexuellem Missbrauch sowie vier Fälle der sexuellen Belästigung in Tateinheit mit der Herstellung von kinderpornografischen Schriften.

Der nicht vorbestrafte Angeklagte war Ende 2016 aus der Schweiz zu seiner damaligen Lebensgefährtin in ein kleines Dorf im Solling gezogen. Eines seiner Opfer war die heute 16 Jahre alte Tochter seiner früheren Lebensgefährtin. Diese sei dort in einem „hochsexualisierten Umfeld“ groß geworden“, sagte Kalde. Der Angeklagte habe sie zweimal schwer sexuell missbraucht und davon Aufnahmen angefertigt, um diese später an Chatpartner zu verschicken.

Der Vorsitzende Richter lobte die Ermittlungsarbeit der Northeimer Polizei, die monatelang mit großem Aufwand und mit großer Akribie die zahlreichen Bilder, Videos und den Chatverkehr des Angeklagten ausgewertet hatte. Insgesamt hatten die Ermittler vier Terabyte an Datenmaterial sichergestellt.

Der Angeklagte hatte den Austausch von Bildern eingeräumt, jedoch bestritten, die Kinder sexuell berührt zu haben. Dies sei widerlegt, sagte der Vorsitzende Richter. (Heidi Niemann)

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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