„So etwas habe ich noch nie bei einer Beschuldigtenvernehmung erlebt"

Angeklagter im Fall der Bluttat von Hardegsen bekam Weinkrampf 

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Amtsgericht und Landgericht Göttingen: Hier wird dem 29-Jährigen der Prozess gemacht.

Hardegsen. Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer 23-Jährigen in Hardegsen hat der Polizist ausgesagt, der den Ex-Freund der Getöteten vernommen hatte.

Die Polizei hatte den 29-Jährigen wenige Stunden nach der Tat nachts in seiner Wohnung in Hardegsen festgenommen.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im August vergangenen Jahres seine frühere Freundin durch mehrere Messerstiche getötet zu haben. Er muss sich wegen Totschlags verantworten. Verhandelt wird der Fall vor dem Landgericht Göttingen.

Die Ermittler hatten den 29-Jährigen gegen 5 Uhr morgens zur Vernehmung aus seiner Gewahrsamszelle abgeholt. Als sie ihm die Nachricht überbrachten, dass die 23-Jährige in der Nacht ihren schweren Stichverletzungen erlegen war, habe er einen Weinkrampf bekommen und am ganzen Körper gezittert, sagte der Polizeibeamte.

Starke Würgereize

Auch während der Vernehmung habe er immer wieder geweint und geschluchzt. Außerdem habe er immer wieder einen starken Würgereiz gehabt.

„So etwas habe ich noch nie bei einer Beschuldigtenvernehmung erlebt“, sagte der Polizist. Er habe dieses Verhalten des Beschuldigten als „überspitzt“ empfunden.

Der 29-Jährige habe angegeben, dass er die 23-Jährige zu Beginn des Jahres über ein Online-Portal kennengelernt habe. Ende Juli habe seine Freundin die Beziehung mit der Begründung beendet, dass sie die ständigen Streitereien leid sei. Am gleichen Tag habe er sich in eine psychiatrische Klinik bringen lassen. Er habe schon vorher unter Depressionen gelitten.

Fern gesehen 

Zum Tatabend gab der 29-Jährige gegenüber der Polizei an, dass er auf dem Sofa gelegen und erst die Serie „Game Of Thrones“ und dann einen Fernsehfilm angeschaut habe. Merkwürdigerweise habe er sich aber nicht daran erinnert, welcher Film es war, sagte der Polizist. Anschließend will der Angeklagte eingeschlafen und erst wieder wach geworden sein, als kurz nach Mitternacht die Polizei an die Tür klingelte. 

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, zwei Wochen nach der Trennung seiner Ex-Freundin abends in Hardegsen aufgelauert zu haben. Nach einer verbalen Auseinandersetzung habe er ein Messer gezogen und insgesamt achtmal auf sie eingestochen. 

Blutspürhund schlug an 

Die Polizei hatte am folgenden Tag die Wohnung des Angeklagten durchsucht und dabei auch Leichen- und Blutspürhunde eingesetzt. Die Hunde hätten an einem Handtuch im Bad sowie an einem Wäschestück angeschlagen, das sich in einem Korb im Schlafzimmer befunden habe, sagte der Beamte. Später sei bei einer weiteren Durchsuchung auf dem Balkon in einem Plastiksack mit Blumenerde ein größeres Messer aufgefunden worden. 

Die Ermittler hatten auch mehrere Nachbarn vernommen. Diese sagten unter anderem aus, dass sie gehört hätten, wie der Angeklagte kurz nach der fraglichen Tatzeit seine Wohnungstür laut zuschlug und anschließend im Bad lange das Wasser laufen ließ. Dies sei sehr ungewöhnlich gewesen. Da das Haus sehr hellhörig sei, hätten sie die Geräusche seiner Wohnung zuordnen können. 

Der Prozess wird fortgesetzt. 

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