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Hardegsen: Wasserpfeifentabak im Betonmischer hergestellt

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Von: Heidi Niemann

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Wasserpfeife Qualm Frau
Das Landgericht Göttingen hat zwei Männer aus Hardegsen wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Sie hatten Tabak für Wasserpfeifen in einem Betonmischer hergestellt (Symbolbild).  © Sören Stache/dpa

Knapp vier Jahre nach dem Auffinden einer illegalen Fertigungsstraße für Wasserpfeifentabak in Hardegsen hat das Landgericht Göttingen zwei mutmaßliche Betreiber wegen Steuerhinterziehung verurteilt. .

Hardegsen - Ein 38-jähriger Angeklagter erhielt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der zweite Angeklagte, ein 67-jähriger Mann aus Bovenden, wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt

Das Gericht entsprach im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert. Neben den Verurteilten soll ein dritter Angeklagter, der aus dem norwegischen Bergen stammt, beteiligt gewesen sein. Das Verfahren gegen ihn war coronabedingt abgetrennt worden und soll später separat in einem Prozess verhandelt werden.

Laut Gericht haben die Angeklagten durch die Tat rund 146 000 Euro an Steuern hinterzogen. Da einer der Angeklagten laut Gerichtssprecher inzwischen rund die Hälfte der Tabaksteuer gezahlt hat, ordnete die Kammer die Einziehung des noch ausstehenden Betrages von etwa 73 000 Euro an.

Die Angeklagten sollten zwischen März 2017 und Juni 2018 in einer angemieteten Produktionsstätte in Hardegsen ohne behördliche Erlaubnis mehr als 20 Tonnen Wasserpfeifentabak hergestellt haben, ohne das den Finanzbehörden mitzuteilen. Die Ermittler hatten Hinweise bekommen und dann über einen längeren Zeitraum die Halle observiert.

Im Juni 2018 durchsuchten Fahnder von Polizei und Zoll zeitgleich Wohn- und Geschäftsräume in Göttingen, Bovenden und Hardegsen. In der Produktionsstätte in Hardegsen stellten sie drei Tonnen verpackten unversteuerten Tabak und eine illegale Fertigungsstraße sicher. In Bovenden wurden weitere 500 Kilo Wasserpfeifentabak beschlagnahmt. Laut Staatsanwaltschaft war der Tabak in einem Betonmischer mit Aromen vermengt, danach portioniert und luftdicht verpackt worden. Das Trio habe den unverzollten Tabak dann mit international bekannten Markennamen versehen und europaweit vertrieben.

Das Landgericht hatte in dem monatelangen Prozess auch den Vermieter der Halle in Hardegsen als Zeugen vernommen. Er hatte nach eigenen Angaben keine Kenntnis davon, dass dort Wasserpfeifentabak hergestellt wurde. Er habe dort mal einen Betonmischer gesehen und angenommen, dass der dem angeblichen Handel mit Baumaterialien zuzuordnen sei. Ansonsten habe er nichts Auffälliges bemerkt. Er habe aber einen süßlichen Geruch wahrgenommen, diesen aber nicht örtlich zuordnen können. Erst nach der Durchsuchung habe er mitbekommen, was in der Halle tatsächlich gemacht worden sei.

Die in Hardegsen sichergestellten drei Tonnen sind inzwischen in Strom umgewandelt worden: Der schimmelnde Wasserpfeifentabak wurde vom Hauptzollamt Braunschweig 2019 einer Abfallverwertungsanlage zur Verbrennung zugeführt. (pid)

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