Landgericht sieht Mord als erwiesen an

Ex mit elf Stichen getötet: 30-Jähriger aus Hardegsen muss lebenslänglich in Haft

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Gedenken an das Opfer: Dieses Herz aus Windlichtern  hatten ihre Angehörigen gestern vor dem Landgericht aufgestellt.

Göttingen/Hardegsen. Das Landgericht Göttingen hat am Montag einen 30-jährigen Mann aus Hardegsen (Kreis Northeim) wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Schwurgerichtskammer befand den Angeklagten am Ende des acht Monate dauernden Prozesses für schuldig, seine Ex-Freundin im August vergangenen Jahres mit elf Messerstichen getötet zu haben. Der 30-Jährige habe nicht hinnehmen wollen, dass die 23-Jährige sich von ihm getrennt hatte, und sie heimtückisch und mit „völlig überschießender Gewalt“ mit einem Klappmesser angegriffen. Die 23-Jährige war nach der Messerattacke noch rund 80 Meter die Straße entlang gelaufen und dann vor einem Wohnhaus zusammengebrochen. Sie verstarb rund drei Stunden später im Krankenhaus.

Das Gericht ging mit seinem Urteil noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Diese hatte die Tat als Totschlag bewertet und eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren gefordert. Die Kammer folgte stattdessen den Anträgen der Anwälte der Eltern und der drei Geschwister der Getöteten, die in dem Prozess als Nebenkläger auftraten. Die Angehörigen brachen nach dem Urteilsspruch in Tränen aus. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert, weil nicht erwiesen sei, dass der Angeklagte die Tat begangen habe. 

Der 30-Jährige, der rund zwei Stunden nach der Messerattacke festgenommen worden war, hat die Tat bestritten. Obwohl es keine direkten Tatzeugen gab und auch die Tatwaffe nie gefunden wurde, hält das Gericht seine Schuld für erwiesen. „Es gibt eine dichte Indizienkette“, sagte der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz. Der Angeklagte habe für die Tatzeit kein Alibi, wohl aber ein Tatmotiv: „Wut und Zorn, weil die Beziehung zu Ende war.“ Es gebe zudem keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass jemand anders die 23-Jährige getötet haben könnte.  

Nach Ansicht der Kammer hat der 30-Jährige mit Tötungsvorsatz gehandelt und die Tat schon vorher geplant. „Er hat damit sehr schwere Schuld auf sich geladen“, sagte der Richter. Die 23-Jährige hatte sich knapp drei Wochen vorher von ihm getrennt, weil sie sich zunehmend umklammert und eingeengt fühlte. Bei dem Angeklagten habe sich dann alles nur noch um das Ende der Beziehung gedreht, sagte Jakubetz. „Das war der zentrale Punkt seine Denkens und Handelns.“

Dies ergebe sich auch aus einer Nachricht, die er ihr noch am Tattag geschrieben hatte: „Ich möchte mit dir diesen Traum aufbauen…Dir gehört mein Herz, meine Liebe“. Sie habe ihm dann unmissverständlich klar gemacht, dass die Trennung endgültig sei: „Ich möchte keinen Kontakt mehr und möchte, dass du das akzeptiert.“

Nach dieser Nachricht habe der Angeklagte den Entschluss gefasst, sich noch einmal zu einer Aussprache mit ihr zu treffen, um zu klären, ob die Beziehung eine Zukunft habe und ob es möglicherweise einen anderen Mann gebe. Er habe noch einen „unrealistischen Hoffnungsfunken“ gehabt, aber auch schon eine Alternativüberlegung angestellt – den Tod der 23-Jährigen, herbeigeführt durch ihn.

Der Angeklagte habe gewusst, wann die 23-Jährige abends von ihrem Praktikum zurückkehrte, wo sie ihr Auto parkte und dass dort wenig Licht war. Er habe sich auf dem gegenüberliegenden Spielplatz versteckt. Als sie aus dem Auto ausgestiegen war, sei er über den Zaun gesprungen und habe sich ihr in den Weg gestellt. Es sei dann zu einem Streitgespräch gekommen, dass sie laut Aussage einer Ohrenzeugin mit den Worten beendete „Ich gehe jetzt“. Daraufhin habe er ein Klappmesser, das er Zeugen zufolge immer bei sich getragen habe, geöffnet und mit dem Aufschrei „Verdammt“ auf sie eingestochen. Ihm sei klar gewesen, dass die bis zu neun tiefen Stiche zum Tod führen würden, sagte der Richter. Danach habe er sich durch den Kurpark nach Hause begeben und das Messer und seine Schuhe entsorgt.

Wo diese Gegenstände geblieben sind, ist ungeklärt. Nach Ansicht des Gerichts deutet sehr viel darauf hin, dass ein Freund des Angeklagten, der bei einem Müllentsorgungsbetrieb arbeitet, bei der Entsorgung behilflich war. Die ängstlichen und widerspenstigen Reaktionen der Zeuginnen, die das Gericht dazu befragt hatte, ließen daran schließen, dass man „in ein Wespennest“ gestochen habe.

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