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Fichte spielt keine Rolle mehr im Hardegser Wald

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Von: Niko Mönkemeyer

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Blick auf kahles Waldstück mit gefällten Bäumen
So wie hier bei Ertinghausen mussten in den vergangenen Jahren geschädigte Fichten großflächig gefällt werden. © ROLAND SCHRADER

Forstexperten informierten Hardegser Fachausschuss über Situation im Stadtforst.

Hardegsen – Es ist so gekommen, wie es die Experten bereits vor vier Jahren befürchtet hatten: Im Hardesger Stadtforst spielt die Fichte keine Rolle mehr. Das geht aus einem Bericht hervor, den Revierförster Matthias Eckhardt und Forstoberrat Michael Degenhard in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Forst und Landwirtschaft vorgestellt haben.

Hintergrund für diese Entwicklung sei der Klimawandel, der sich mit immer neuen Rekordmeldungen wie „wärmster Sommer“ oder aktuell „wärmster Oktober“ bemerkbar mache, sagte Degenhardt. Die Fichte sei daher nicht nur aus dem Hardegser Stadtwald, sondern mittlerweile aus dem gesamten Solling verschwunden.

Beunruhigend sei außerdem, dass es in der gesamten südniedersächsischen Region auch der Buche zunehmend schlechter gehe. Pilze brächten derzeit diese Baumart zum Absterben, wobei die Schäden an den Bäumen zunächst gar nicht sichtbar seien. „Da kann es sein, dass die Krone noch richtig gut aussieht, aber am nächsten Tag trotzdem abbricht“, beschreibt Degenhardt eine große Gefahr, die von den befallenen Bäumen ausgeht.

Laut Eckhardt halten sich aber die Schäden an den Buchen im Hardegser Stadtwald derzeit noch in Grenzen. Es gäbe zwar Stämme mit Sonnenbrand, weil diese durch den Wegfall der Fichten jetzt der Sonne ausgesetzt seien, aber insgesamt seien die Bestände noch „gut anzuschauen“. Auch den Zustand der wenigen Eichen bezeichnet Degenhardt noch als gut, und Kiefern sowie Schwarzkiefern sogar als vital. Sorge bereiten ihm allerdings die Eschen im Bereich des Gladeberges. wo das sich schon seit mehreren Jahren in Deutschland ausbreitende Eschentriebsterben weiter um sich greift und für das endgültige Absterben der Bäume sorgt.

Die Planung für die Wiederaufforstung der vielen kahlen Flächen im Hardegser Stadtwald ist laut beiden Forstexperten derzeit schwierig, weil es die „heilsbringenden Baumarten“, die mit den Folgen des Klimawandels gut klarkommen und die sich uneingeschränkt zum Aufforsten eignen, ganz offensichtlich nicht gibt.

Weitere Gründe seien zum einen der Mangel an geeigneten jungen Eichen und Buchen, die man anpflanzen könnte, und zum anderen die Tatsache, dass derzeit noch nicht klar sei, wie die Förderung von Aufforstungsmaßnahmen in Niedersachsen nach der Landtagswahl künftig aussehen werde.

Hinsichtlich der künftigen Nutzung des Hardegser Stadtwaldes zur Gewinnung von Brennholz vertraten die beiden Forstleute unterschiedliche Ansichten. Degenhardt plädierte dafür, möglichst keine neuen Brennholzkunden zu akquirieren und mehr auf die stoffliche Verwertung in der Industrie zu setzen, weil es angesichts des Klimawandels besser sei, CO2 zum Beispiel in Möbeln zu fixieren als es durch das Verbrennen freizusetzen. Eckhardt betonte hingegen, dass der Brennholzverkauf für die Stadt Hardegsen eine wichtige Einnahmequelle sei. (Niko Mönkemeyer)

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