Die Geschichte einer Familie aus Hardegsen

Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer wünschen sich weniger Bürokratie 

+
Fühlen sich inzwischen wie eine große Familie: Karin Tobias (von links), Jalil Husseini, Werner Ochotzki, Reza Husseini, Kornelia Hänsel, Laila Husseini mit Nazanin und Khalil Husseini mit Hesam. 

Hettensen / Hardegsen – Behörden, die über die Bewilligung von Leistungen für Flüchtlinge entscheiden, müssen ihre Verfahren vereinfachen und bürokratische Hürden abbauen.

Davon sind Karin Tobias, ihr Mann Werner Ochotzki und Kornelia Hänsel aus Hettensen überzeugt.

Alle drei engagieren sich beim Runden Tisch für Flüchtlingsbetreuung in Hardegsen, und seit März 2016 betreuen sie die Familie von Khalil Husseini.

Der Afghane war vor drei Jahren zusammen mit seiner damals schwangeren Frau Laila, dem gemeinsamen Sohn Hesam sowie seinem minderjährigen Bruder Jalil und seinem ebenfalls minderjährigen Schwager Reza aus dem Iran nach Deutschland geflüchtet. Im Februar 2016 wurden sie dem Landkreis Northeim zugewiesen, der sie zunächst in Hettensen untergebracht hat.

Dass der Landkreis Northeim auf eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen gesetzt habe, sei zwar richtig gewesen, sagt Werner Ochotzki. Doch er ist davon überzeugt, dass ohne Initiativen wie dem Runden Tisch das Ganze im Chaos geendet hätte. Insofern sollten die Behörden alles tun, um den ehrenamtlichen Helfern das Leben zu erleichtern und weniger Bürokratie wagen.

„Da wurden Menschen, die weder Deutsch noch Englisch konnten und nicht mobil waren, in einem kleinen Dorf ohne große Infrastruktur und ausreichende Busverbindungen untergebracht, ohne sich darüber Gedanken zu machen, was das für Probleme mit sich bringt“, beschreibt Karin Tobias die damalige Situation. „Am Anfang haben wir nur mit Händen und Füßen geredet.“

„Wir haben uns daher zunächst darum bemüht, eine Unterbringung der Familie in Hardegsen zu erreichen, was schließlich auch geklappt hat“, ergänzt Kornelia Hänsel.

Auch ansonsten sind die drei ehrenamtlichen Alltagsbetreuer mit der Entwicklung in den vergangenen Jahren zufrieden: Familie Husseini ist inzwischen in Deutschland geduldet und kann sich in der Landessprache verständigen. Der Bruder von Laila Husseini besucht die Schule in Moringen, Hesam und Nazanin können den gleichen Kindergarten besuchen, nachdem sie zunächst in zwei unterschiedlichen Kitas untergebracht waren, und Jalil Husseini hat im August in Göttingen eine Ausbildung als Maler und Lackierer begonnen.

Jetzt hoffen alle, dass auch noch der Wunsch von Khalil Husseini in Erfüllung geht. Der musste sich nämlich damit abfinden, dass er seinen Beruf als Modedesigner nicht mehr ausüben kann, weil er die dafür in Deutschland nötigen Qualifikationen nicht hat. Nun möchte er eine Kochausbildung absolvieren, um künftig für sich und seine Familie selbst den Lebensunterhalt verdienen zu können.

Mit der deutschen Bürokratie, die für ihn schon etwas gewöhnungsbedürftig war, hat er sich deswegen schon mal ein wenig angefreundet. Stolz präsentiert er einen großen Stapel Aktenordner, in dem alle offiziellen Schreiben von den zuständigen Behörden sorgfältig abgeheftet sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.