Kiefern machen Platz für Laubbäume

Forstamt Dassel lässt auf der Weper bei Hardegsen Bäume fällen

Hang mit gefällten Bäumen
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Anspruchsvolles Gelände: Ähnlich wie auf diesem Foto, das bei Fällarbeiten im Harz entstand, soll auch an der Weper die sogenannte Seilkrantechnik eingesetzt werden.

Hardegsen – Im Europäischen Naturschutzgebiet Weper müssen in den kommenden Wochen Nadelbäume weichen, um Laubbäumen und zahlreichen Straucharten mehr Wuchsraum und Licht zu geben. Das teilte das Forstamt Dassel mit.

Ziel der Arbeiten, bei denen Wald- und Schwarzkiefern auf der Weper gefällt werden, sei, die Entwicklung naturnaher Wälder zu fördern, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Landesforsten. Die einst gepflanzten Nadelhölzer seien Baumarten, die nicht zur natürlichen Waldgesellschaft auf dem Weper-Höhenzug gehörten. Geplant sei, dass die bewaldeten Bereiche des Schutzgebietes von Buchen, Eschen, Ahornen, Hainbuchen oder Birken besiedelt werden.

„Die Kiefern waren als Pionierwald aufgeforstet worden, nachdem immer weniger Haustiere die Weper beweideten“, erklärt Michael Rudolph, Pressesprecher Niedersäschischen Landesforsten. Die erste Waldgeneration habe jetzt ausgedient, und stattdessen fördere man nun einen Laubwald oder Sträucher wie die Haselnuss oder den Seidelbast. Langfristig werde das Naturschutzgebiet nach einem Managementplan weiterentwickelt.

Im Fokus der jetzt geplanten Arbeiten stehen laut Rudolph Flächen, die ab 2023 als sogenannte Flächen für natürliche Waldentwicklung (NWE-Flächen) aus der Nutzung genommen werden. Arbeiten in Gebieten mit natürlicher Waldentwicklung müssten nun vordringlich erfolgen, weil nach 2022 keine Eingriffe auf diesen Flächen mehr möglich seien. „Die Ernte der Bäume auf der Weper ist besonders anspruchsvoll, denn es handelt sich zum Teil um steile Hänge und empfindliche Böden“, sagt Johannes Wobst, Leiter des Forstamtes Dassel. Daher werde man in diesen Bereichen einen Seilkran einsetzen, der die Bäume an einem durch die Luft gespannten Seil aus dem Bestand zieht. Das geerntete Holz werde anschließend durch ein deutsches Unternehmen weiterverarbeitet.

Das Forstamt Dassel hat laut Wobst die Waldarbeiten mit der Naturschutzbehörde des Landkreises Northeim abgestimmt. Die Maßnahmen seien bereits im Managementplan vorgesehen, den die Landesforsten vor acht Jahren erstellt hätten.

Auch nach Abschluss der Fällarbeiten würden noch Wald- und Schwarzkiefern auf der Weper stehen, betont Wobst, denn die Räumung finde nur auf Teilbereichen des Gebietes statt.

Die Pflege und Entwicklung der Weper mit ihren wertvollen Kalkmagerrasen und vielfältigen Wäldern sei eine Daueraufgabe.

Das Forstamt bittet Besucher der Weper während der Arbeiten um Verständnis für zeitweilige Einschränkungen.

Kiefern waren nur eine Übergangslösung

Die Weper hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Vor 500 Jahren war sie überwiegend mit Buchenwald bedeckt, später wurde sie immer intensiver beweidet. Vor 200 Jahren wurden viele Bereiche sogar abgeholzt, weil man Weideflächen für die Schafhaltung schaffen wollte. Nur einige Jahrzehnte später machte das aus wirtschaftlicher Sicht bereits keinen Sinn mehr.

Chronischer Holzmangel einer schnell wachsenden Bevölkerung war der Grund, warum die kahlen Bereiche wieder aufgeforstet wurden. Dazu eignete sich besonders die Schwarzkiefer, die als robuste Pionier-Baumarten auch auf trockenen Kalkböden gedeiht. Diese Pflanzungen waren jedoch von Anfang an als Übergangslösung gedacht. Langfristig wollten Forstleute wieder Laubwälder auf der Weper wachsen sehen. (Niko Mönkemeyer)

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