Friedrich Ellermeier wird Ehrenbürger der Stadt Hardegsen

Historische Schätze: Dr. Friedrich Ellermeier bewahrt im Burgmannshof viele interessante Exponate auf. Dieses Foto zeigt im Hintergrund seine Sammlung alter Steinmetzzeichen. Foto: Lawrenz

Hardegsen. Die Stadt Hardegsen bekommt am Sonntag, 17. Januar, einen weiteren Ehrenbürger. Beim Neujahrsempfang, der um 15 Uhr im Muthaus beginnt, wird Dr. Friedrich Ellermeier für sein Lebenswerk diese Auszeichnung aus den Händen von Bürgermeister Michael Kaiser in Empfang nehmen.

Seit 40 Jahren setzt sich Ellermeier für den zweiten Hardegser Burgmannshof ein.

„Wer Bücher verbrennt und Kulturdenkmale vernichtet, verbrennt und vernichtet menschliches Leben“, lautet das Motto des 79-Jährigen. In seinen Worten und Gesten sind die Leidenschaft und die Begeisterung für das zu spüren, was er erreicht hat.

Bei einem Sonntagsausflug zur Erholung sei er buchstäblich über den Burgmannshof gestolpert, blickt Ellermeier zurück. Damals habe er das Gebäude „in unvorstellbar verwahrlostem Zustand“ vorgefunden. „Das könnt ihr für ein Butterbrot haben“, tönte es ihm gleich entgegen. „Die Stadt hat kein Interesse, der Denkmalschutz will es erhalten“, habe der damalige Stadtdirektor Werner Renner ihm erläutert. Bereits 1960 habe der Stadtrat den Abriss beschlossen. Doch der Landeskonservator habe das Vorhaben damals gestoppt.

Ellermeier wollte „den alten Kuhstall“ - so wurde das historische Gebäude damals in Hardegsen genannt - allerdings nicht und konzentrierte sich dank mehrerer Forschungsstipendien auf seine Arbeit an der Vereinheitlichung der Übersetzung von Keilschriften. 1974 kaufte er ein Haus in Nörten-Hardenberg.

Doch das alte Hardegser Gemäuer habe ihn nicht losgelassen, erzählt Ellermeier, der aus der Mark Brandenburg stammt. Als er dann aus der Zeitung erfahren habe, dass der Burgmannshof doch abgerissen werden sollte - der Denkmalschutz hatte inzwischen zugestimmt - habe er sich seiner „Lebensaufgabe“ gestellt.

Den Burgmannshof nur für sich zu nutzen, habe er als sinnlos empfunden, erzählt Ellermeier. Deshalb richtete er dort ein Geigenbaumuseum mit der Werkstatt des Göttinger Geigenbaumeisters Max Roth - mit ihm war Ellermeier bis zu dessen Tod befreundet - und eine Forschungsstätte für Theologie und altorientalische Kultur ein. Für die Sanierung bekam er Fördermittel, die Stadt hatte sich ausgeklammert.

„Von einem Tag auf den andern war ich ein anderer Mensch“, sagt Ellermeier und erinnert sich an die „tägliche harte Arbeit an tausenderlei Aufgaben“. Verdreckt, übermüdet, oft verzweifelt, aber glücklich sei er abends ins Bett gesunken. „Das alles verwandelte den Schreibtischtheologen schließlich in einen Burgmann mit circa 30 unbezahlten Berufen“, beschreibt Ellermeier seine damalige Situation.

Auf Vorschlag des früheren Bürgermeisters, Dieter Sjuts, erhält Ellermeier nun den Lohn für diese viele Arbeit. Noch herrscht Winterpause im Burgmannshof, sodass er seine Ehrung noch bis zum 1. Juni in aller Ruhe genießen kann. Denn dann beginnt die neue Sommersaison, und die dauert bis zum 30. September.

Für sein beharrliches Wirken für den Erhalt des historischen Gebäudes wurde Dr. Friedrich Ellermeier bereits im Jahr 1984 mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz ausgezeichnet. Seine Recherchen hatten ergeben, dass der Hof älter war als ursprünglich angenommen wurde. Anhand von zwei Briefen aus alten Zeiten konnte der Wissenschaftler bezeugen, dass dort schon im 15. Jahrhundert Betrieb war.

www.burgmannshof.info

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.