Grabungspause in Asche: Winterruhe für die Kirchenruine

+
Feinarbeit: Frank Wedekind erklärt der freiwilligen Gräberin Nicole Weiske-Goutrié, wie es geht.

Asche. Sieben Grabungswochenenden haben die Ascher in diesem Jahr hinter sich gebracht, nun wissen sie schon mehr von ihrer einstigen Kirche.

Im Mai haben sie mit der Grabung am Kirchberg begonnen, um die mittelalterliche Ruine freizulegen. Gut zugedeckt geht sie jetzt in die Winterpause.

„Wir sind gut weitergekommen“, sagt Frank Wiese, ein Initiator des Projekts. Der Boden vom Chorraum ist von Erde befreit. Dicht an der Wand ist der Standort vom Altar zu erkennen.

Ausgrabung mitten im Wald: Die Größe der einstigen Kirche lässt sich schon deutlich ermessen.

In der Kirchenzeremonie im Mittelalter habe der Priester nicht zur Gemeinde, sondern von ihr weggewandt zum Herrn gesprochen, erklärt Frank Wedekind von der Göttinger Grabungsfirma Streichardt & Wedekind und erzählt auch Wiese etwas Neues. Vorkragende Steine lassen vermuten, dass das Kirchenschiff von sich zwei kreuzenden Gewölbebögen überkrönt war.

Olaf Oliefka von der Grabungsfirma ist dabei, den Übergang vom Kirchenschiff zum Altarraum freizulegen. Im Kirchenschiff gilt es noch Erde wegzuschaffen. Das übernehmen Wedekind und Wiese.

Einen Kämpfer, den lasttragenden Stein in einem Bogen, haben sie gleich zum Start des Tags gefunden. Noch nicht klar ist, in welchen Bauabschnitten die Kirche errichtet wurde.

Das sollen die Arbeiten im nächsten Jahr zeigen. Vorgesehen ist laut Wedekind außerdem eine Schürfgrube im Chorraum. Die Entdeckung eines tieferen Bodens würde auf einen Vorgängerbau hinweisen.

Eigens für die Grabung stieß Geologe Wiese die Gründung des Geschichtsvereins Asche/Fehrlingsen an. 12 000 Euro steuerte die Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim zur Vereinsaktion bei. „Das Geld bringt uns bis ins nächste Frühjahr“, sagt Wiese.

Ausgrabungsfund: Dieses Eisenstück, vermutlich ein Türbeschlag, haben die Gräber in der Ruine entdeckt.

Er erwartet Gesamtkosten von rund 100 000 Euro für einige Jahre Grabungsarbeit. Das historische Mauerwerk muss zum Schluss zur Sicherung wieder unter die Erde. Dennoch soll die Kirche nicht nur sichtbar, sondern auch für Gottesdienste nutzbar bleiben. In enger Absprache mit Kreisarchäologie und Denkmalschutz will der Geschichtsverein diese Aufgabe lösen.

Ungebrochen ist der Elan vieler Ascher. Bis zu 25 freiwillige Helfer seien bei den Grabungsterminen dabei gewesen, erzählt Wedekind, der gern nach Asche kommt. Mit Nicole Weiske-Goutrié war an diesem Wochenende sogar Besuch aus Berlin eingespannt.

Burkhard Sperschneider hat jedes Mal mit zugefasst und hat für weitere Erkundungszüge einen Sondengängerlehrgang mitgemacht. Trotz aller Begeisterung stört es ihn nicht, dass die Kirchenruine in Winterruhe geht. Dann hat er endlich Zeit, Holz zu machen.

Von Ute Lawrenz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.