Hilferuf vom Heiligenberg

SOS vom Land: Bauer ruft mit Strohballen und Plane um Hilfe - Er will mehr Verständnis für seinen Berufsstand

Frank Ahrens mit Familie und Mitarbeitern stehen vor einer mit SOS beschriebenen Plane
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Sorgen mit ihrem SOS für Aufsehen (von links): Frank Ahrens, Marianne Ahrens, Tochter Paula Ahrens, die Mitarbeiter Heiko Hellwig und Kai Bullwinkel sowie die Auszubildenden Tim Huppers und Devin Schuhmann.

Bauer Frank Ahrens aus Hardegsen (Kreis Northeim) „funkt“ SOS. Er kritisiert die EU Agrar-Politik und will die Menschen über die Landwirtschaft aufklären.

Lichtenborn – Vielen Autofahrern, die aus Volpriehausen kommend auf der Umgehungsstraße in Richtung Hardegsen unterwegs sind, dürfte er schon aufgefallen sein: der Hilferuf, den Landwirt Frank Ahrens zusammen mit seiner Familie und seinen Mitarbeitern auf dem Heiligenberg bei Lichtenborn errichtet hat.

Hintergrund für die Aktion war das kürzlich stattgefundene Treffen der EU-Agrarminister in Koblenz. Bei der wollte Ahrens, der sich sowohl beim Kreisbauernverband Landvolk Northeim-Osterode als auch in der bundesweit agierenden Gruppe „Land schafft Verbindungen“ (LsV) für die Interessen seines Berufsstandes einsetzt, eigentlich die Protestaktion seiner Berufskollegen unterstützen.

Aus zeitlichen Gründen sei das aber nicht möglich gewesen, sagt Ahrens. Daher habe er zusammen mit seiner Familie, seinen Mitarbeitern und seinen Auszubildenden überlegt, wie man angesichts der immer schwieriger werdenden Situation für die deutsche Landwirtschaft hier vor Ort ein Zeichen setzen könne.

Ahrens freut sich, dass die SOS-Aktion schon das eine oder andere Gespräch mit interessierten Bürgern zur Folge hatte, und er ist davon überzeugt, dass alle Interessenvertretungen der Bauern zusammenarbeiten müssen, um in der Bevölkerung eine höhere Wertschätzung der landwirtschaftlichen Arbeit zu erreichen.

Das größte Problem sei, dass die meisten Menschen überhaupt nicht mehr wüssten, wie Nahrungsmittel produziert werden, meint Ahrens. Aus diesem Grund unterstütze sein Betrieb auch das Engagement des Internationalen Schulbauernhofs in Hevensen.

„Wenn die bei uns in Lichtenborn zu Besuch sind, um sich einen Milchviehbetrieb anzuschauen, gibt es viele Aha-Erlebnisse“, ergänzt Marianne Ahrens. „Zum Beispiel waren Kinder angesichts unserer Tierhaltung überrascht, dass wir kein Biobetrieb sind. Denn unseren Kühen ginge es ja gut. Offensichtlich geht man in weiten Teilen der Gesellschaft davon aus, dass das in konventionellen Betrieben grundsätzlich nicht der Fall ist.“

Auch bezüglich des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln und Dünger sowie der Zahlung von Agrarsubventionen an die Betriebe gebe es mittlerweile so viele Vorurteile und Falschinformationen, dass Aufklärung unbedingt nötig sei, ist Frank Ahrens überzeugt, und er hätte auch eine Idee, wie man langfristig eine Höhere Wertschätzung für Nahrungsmittel erreichen könnte: „Wie wäre es, wenn junge Menschen nach der Schule zunächst einmal ein Pflichtjahr irgendwo in der Nahrungsmittelproduktion oder -verarbeitung absolvieren?“

Udo Wilke aus Kreiensen findet die Idee eines Pflichtjahres gut, denn als Mitglied der LsV-Teamleitergruppe Südniedersachsen sieht er ebenfalls die Notwendigkeit, die Bevölkerung über die tatsächlichen Zusammenhänge in der Landwirtschaft aufzuklären. Die Tatsache, dass Gärten in Neubaugebieten zunehmend mit Kieshalden wie Bahndämme gestaltet würden, sei für ihn ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die Menschen immer mehr von der Natur und der Landwirtschaft entfremdet haben.

Aus diesem Grund habe er an der Protestaktion in Koblenz teilgenommen. „Leider war ich der Einzige aus dem LsV Südniedersachsen, aber ich habe keine Minute und keinen gefahrenen Kilometer bereut. Denn es war zu spüren, dass wir mit unseren Aktionen und unserem starken Auftreten sowohl in der Bevölkerung als auch bei den Politikern langsam Gehör finden und zunehmend auf Verständnis stoßen“, so Wilke. Er habe die Erfahrung gemacht, dass es für das Engagement der Landwirte insbesondere von der älteren Generation Unterstützung gibt.

„Die Unterkunft für die Protestteilnehmer in Koblenz wurde gesponsert, und auf dem Weg zum Deutschen Eck gab es trotz des Staus, den wir verursacht haben, von vielen Passanten und auch von Autofahrern Zustimmung mit dem hochgestreckten Daumen.“

Wilke ist überzeugt davon, dass Aktionen wie sie jetzt in Koblenz und vor einigen Monaten in Berlin stattgefunden haben, nötig sind, um die Interessen der deutschen Landwirte durchzusetzen. Insofern sei für ihn nicht nachvollziehbar, dass sich der Deutsche Bauernverband (DBV) bislang von solchen Aktionen distanziert habe. „Anscheinend sind diese Schlipsträger nur darauf bedacht, ihr Gehalt zu bekommen und ihre Stellung für die Zukunft zu sichern“, nimmt Wilke kein Blatt vor den Mund.

„Aber dabei vergessen sie, dass sie sich im Interesse der Bauern auch mal gegen politische Entscheidungen wehren müssen.“

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